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Der Weg nach Sumatra : Im Großblattdschungel

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Es ist feucht-warm und windstill im dämmerigen Regenwald; in der Ferne heult ein Trupp Gibbons seine geisterhafte Melodie. "Tigerspuren", sagt Ranger Encang Sutarma leise und kauert sich auf den Dschungelpfad, ein Blutegel angelt nach seinem Stiefel.

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          Es ist feucht-warm und windstill im dämmerigen Regenwald; in der Ferne heult ein Trupp Gibbons seine geisterhafte Melodie. "Tigerspuren", sagt Ranger Encang Sutarma leise und kauert sich auf den Dschungelpfad, ein Blutegel angelt nach seinem Stiefel. Er zeigt auf zwei tief in die weiche Erde eingedrückte, handspannengroße Prankenabdrücke, mit säuberlich eingezogenen Krallen: Letzte Nacht ist der Herr des Dschungels über diesen Pfad geschlichen.

          Die rund dreißig wilden Sumatra-Tiger sind eine der Attraktionen des Way-Kambas-Nationalparks auf der indonesischen Insel Sumatra. Er bietet Wildnis-Erlebnisse, die den Safaris in Afrika kaum nachstehen - wenn auch das Großwild im Dickicht, anders als in der Savanne, viel schwieriger zu erspähen ist. "Ich brachte die Safarilodge-Idee aus Afrika nach Indonesien", sagt der Australo-Kenianer Alan Wilson, dessen Firma Ecolodges Indonesia vier Ökolodges in Nationalparks des Landes betreibt.

          Der Inselstaat bedeckt zwar nur 1,3 Prozent der Landfläche der Erde, ist aber mit einem überdimensionierten Anteil der Artenvielfalt gesegnet: elf Prozent aller Pflanzen-, zehn Prozent aller Säugetier- und 16 Prozent aller Vogelarten kommen hier vor. Sie sind durch Holzfäller, Siedler und Waldbrände stark gefährdet, sogar in den Nationalparks. "Es ist ein Rennen gegen die Zeit", sagt Wilson. "Aber der Tourismus ist ein äußerst mächtiges Naturschutzwerkzeug." Der Way-Kambas-Nationalpark, nur dreißig Flugminuten von der Millionenmetropole Jakarta entfernt, schützt ein 1300 Quadratkilometer großes Stück der letzten Tieflandregenwälder Sumatras, das entspricht etwa der Fläche der Insel Rhodos. Etwa eine Stunde dauert der Fußmarsch mit dem Ranger, er zeigt Würgefeigen, von Wildschweinen zerwühlte Erde und eine Kamerafalle, die Tiger fotografieren soll. Plötzlich öffnet sich der Regenwald, dessen größte Bäume in den siebziger Jahren gefällt wurden, vor uns glitzert der Kali-Biru-Sumpf im Morgenlicht: eine einen Kilometer breite, mit hohem Gras bewachsene Ebene, auf der mehrere Dutzend rotbraune Mähnenhirsche äsen, neben der seltenen Weißflügel- oder Malaienente. An diesem grauen Tag jagen Purpurreiher nach Fröschen, von einem toten Baum späht eine Brahminenweihe.

          Dschungelsafaris wie diese Wanderung organisiert die Satwa Sumatra Elephant Ecolodge, das einzige Hotel westlichen Standards hier: vier einfache, aber saubere und gemütliche Doppelbungalows in einem bunten Tropengarten mit Bananenstauden, Durian- und Kakaobäumen, nur fünfhundert Meter vom Parkeingang entfernt. Von hier aus lässt sich zu Fuß, per Boot oder auf dem Elefantenrücken einer der vielfältigsten Regenwälder der Welt erkunden. "Jede Lodge braucht einen Wow-Effekt", sagt Wilson - auf Borneo sind es die Orang-Utans, auf Komodo die Warane und auf Sumatra die Nashörner und die Elefanten.

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