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Amerikas Rekordgipfel : Der scheue Gigant spielt Versteck

  • -Aktualisiert am

Viel mehr als nur ein kolossaler Berg: Ohne den Denali würde Alaska ein Teil seiner Identität fehlen. Bild: AP

Mount McKinley war einmal. Nordamerikas höchster Berg heißt nun Denali. Er ist die Krönung jeder Alaska-Reise - sofern er sich seinen Bewunderern zeigt.

          7 Min.

          An den neuen Namen muss sich niemand in Alaska gewöhnen, wo der 6190 Meter hohe, frühere Mount McKinley als identitätsstiftender Nationalheiliger verehrt wird wie ein steinerner Lincoln. Denali wird der Berg hier schon lange genannt. Die Bezeichnung aus der Sprache der Athabasken-Indianer bedeutet „der Hohe“, „der Große“. Nur im Rest der Vereinigten Staaten und im Ausland hielt man am fünfundzwanzigsten amerikanischen Präsidenten William McKinley fest, der aus Ohio stammte, nichts mit Alaska zu tun hatte und aus Zufall zu der Ehre kam, dass der höchste Gipfel des nordamerikanischen Kontinents seinen Namen trug. William Dickey, ein obskurer Goldsucher und leidenschaftlicher Anhänger des republikanischen Politikers, hatte 1896 in einer eigenmächtigen Hauruckaktion dafür gesorgt.

          Doch als Alaska 1975 den Antrag stellte, dem Mount McKinley seinen alten Namen zurückzugeben, wurde plötzlich ein Politikum daraus. Alaskas Behörden vollzogen den Namenswechsel in ihrem Machtgebiet, aber auf Bundesebene blieb man stur - bis in diesem August ausgerechnet McKinleys Amtsnachfolger Barack Obama am Vorabend seiner ersten Alaska-Reise den Streit per Erlass beendete. Es war ein gut gewähltes Gastgeschenk, denn es kostete nichts und sorgte trotzdem für gute Laune in Alaska.

          Herausgeputzt wie ein Bürgermeister beim Kirchgang

          Der Berg hatte schon viele Bezeichnungen. Die Russen, denen Alaska bis 1867 gehörte, nannten ihn Bushaia Gora. Churchill Peaks hieß er auch einmal und Densmore’s Peak, Mount Doleika, Tenada, Traleika. Was ist schon ein Name, könnte man mit Shakespeares Julia sagen. Aber auch als landschaftliche Ikone prägt ihn eine bemerkenswerte Mischung aus Dominanz und Flüchtigkeit. Die Dominanz erklärt sich aus der schieren Größe, die nach neuen Messungen allerdings um vier Meter geschrumpft ist. Mit der Flüchtigkeit verhält es sich so: Beim Anflug auf Anchorage hatten wir aus der Maschine einen phantastischen Blick auf den Denali. Fast auf gleicher Höhe rasten wir linker Hand an der Doppelspitze des Berges vorbei. Der Himmel war wolkenlos, die Luft klar. Der Denali lag in der Sonne groß, vornehm und herausgeputzt wie ein Bürgermeister vor dem Kirchgang. So freuten wir uns schon auf unsere Rückkehr, wenn wir wenige Tage später von Anchorage mit dem blaugelben Zug der Alaska Railroad zurück ins Landesinnere fahren würden, um den Berg vom Boden aus zu betrachten. Doch nach diesem fulminanten Auftakt sollte er uns nur noch einmal, für einen kurzen Augenblick, die Ehre geben.

          Er ist seinen Berg los: William McKinley, der fünfundzwanzigste Präsident der Vereinigten Staaten.

          Schon Talkeetna ließ nichts Gutes ahnen. Wohlmeinende Bekannte hatten uns in Anchorage versichert, dass man in Talkeetna, dem Dorf der Bergsteiger, bestens auf den Denali blicken könne. Das Nest liegt auf halbem Weg zwischen Anchorage und dem Nationalpark, der 1917 rund um den Berg errichtet wurde. Am Ende der von Kneipen, Cafés und Souvenirläden bestandenen Hauptstraße gelangt man ans sandige Ufer des Susitna-Flusses. Ist die Luft nach kräftigen Schauern reingewaschen, scheint der hundert Kilometer entfernte Berg bis ans andere Ufer zu rücken. Das sahen wir auf Fotos. In der Wirklichkeit sahen wir nur tief über die Ebene fliegende Wolken. Graue Wolken, weiße Wolken, schwarze Wolken.

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