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Luftverkehr nach Corona : Die Zukunft des Fliegens

Die Unfreiheit des Fliegens: So wird jetzt der Fluss der Passagiere beim Check-in in Frankfurt geregelt. Bild: Frank Röth

Corona hat den internationalen Luftverkehr fast komplett kollabieren lassen. Jetzt löst er sich langsam aus seiner Schockstarre und muss feststellen, dass es keine Rückkehr zur Normalität gibt.

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          Wenn demnächst am Frankfurter Flughafen eine Langstreckenverbindung mit einem vollbesetzen Jumbo-Jet zum Boarding aufgerufen wird und alle Passagiere die Abstandsregel von anderthalb Metern einhalten, wird die Warteschlange mindestens einen halben Kilometer lang sein. Wenn sämtliche Passagiere eines einzigen Tages im präcoronalen Betrieb diese Sicherheitsdistanz wahren, wird die Schlange von Frankfurt bis nach Düsseldorf reichen. Und sollte der größte Flughafen Deutschlands jemals wieder auf das Niveau von 2019 kommen, werden wir alle gemeinsam aufs Jahr gerechnet zweimal rund um den Erdball anstehen. Das wirft Fragen auf: Wie werden wir in Zukunft fliegen? Und werden wir es jemals wieder so tun wie vor Corona?

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Zurzeit hat der Frankfurter Flughafen allerdings ganz andere Probleme. Statt zweihunderttausend Passagiere pro Tag fertigt er ganze zehntausend ab, statt tausendfünfhundert Flugbewegungen sind es zweihundertfünfzig. Nur die Abschnitte A und B von Terminal 1 und nur zwei von vier Pisten sind geöffnet, alles andere ist eingemottet. Auch die meisten Geschäfte, Restaurants und Bars sind geschlossen, dazu alle Duty-Free-Läden. Es herrscht die Melancholie einer Geisterstadt, und wann wir wieder in jener Normalität leben werden, die wir bis vor wenigen Wochen als gottgegeben betrachteten, ist derzeit so ungewiss wie unvorstellbar. Die Fraport AG, die Betreiberin des Flughafens, kalkuliert immerhin hoffnungsfroh und will im Jahr 2023 achtzig Prozent des Niveaus von 2019 mit seinen siebzig Millionen Passagieren erreicht haben.

          Rasierklingentest bestanden

          Bis dahin ist Corona König am Flughafen und diktiert die Regeln. Bald wird wohl im gesamten öffentlichen Raum Maskenpflicht herrschen, schon jetzt sind die Abstandsregeln strikt einzuhalten, nicht nur beim Check-in, sondern auch in den Geschäften und an den Gepäckbändern, in den Gängen und den Wartezonen, in denen jeder zweite Sitz gesperrt wurde. Die Einhaltung des Distanzierungsgebots wird mit Bodenmarkierungen, Hinweisschildern, Lautsprecherdurchsagen und Ermahnungen von eigens geschulten Aufsichtskräften durchgesetzt, die bei Renitenz die Bundespolizei holen. Das Personal an den Check-in-Schaltern und auch die Beamten an der Passkontrolle sind mit Plexiglasscheiben geschützt, weil dort der Kontakt mit den Fluggästen manchmal länger als nur ein paar Minuten dauern kann und man sich näher als anderthalb Meter kommt. Der einzige erfreuliche Effekt der Seuche dürfte sein, dass die Fraport ihre Vorfeldbusse nicht mehr so vollstopfen darf wie bisher, sondern jetzt häufiger fährt, um den gebotenen Abstand zwischen den Passagieren gewährleisten zu können. Allerdings wird ohnehin versucht, möglichst jede Maschine an einem Finger abzufertigen, die derzeit reichlich zur Verfügung stehen.

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