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Im indischen Himalaja : Die fünf Schätze des großen göttlichen Wächters

Ein Ehrengrab für den Bezwinger des Mount Everest

Die Geschichte der Expeditionen auf den Mount Everest und den Kangchendzönga wird hier heroisch nacherzählt mitsamt Galerien berühmter Bergsteiger, unter denen auch ein gewisser R. Messner und ein Harman Bhul sind. Vor dem Museum liegt in einem Sarkophag Tenzing Norgay, der gemeinsam mit Sir Edmund Hillary am 29. Mai 1953 als erster Mensch auf dem Gipfel des Mount Everest stand. Unmittelbar nach diesem Triumph wurde der Mann, der in jungen Jahren aus Nepal nach Darjeeling gekommen war, als indischer Nationalheld mehr annektiert als adoptiert, erhielt die Staatsbürgerschaft seines Gastlandes und den Auftrag, das Himalaja-Institut zu gründen. Jetzt wird sein ringelblumengeschmücktes Grab von Schulklassen und Großfamilien in Kompagniestärke umringt, die sich vor Norgays überlebensgroßer Statue als Gipfelstürmer auf der Spitze des Mount Everest lautstark und gestenreich fotografieren lassen, patriotischer Krawall mit herzerfrischendem Lachen.

So ist Indien, und doch ist hier oben etwas anders als unten in der Ebene. In Darjeeling hat die Gegenwart die Geschichte nicht vollständig fortgerissen, und die Ahnung, wie es einmal war, ist nicht ertränkt worden in den Strudeln eines Milliardenvolkes. Wie Monolithen der Zeitlosigkeit stehen die Hinterlassenschaften der Briten stoisch in Darjeelings Gewimmel, Rathaus, Uhrturm, Kirche aus grauem Granit, herbeigezaubert aus Sussex oder Hampshire, dazwischen die älteste Bäckerei der Stadt mit ihren hölzernen Arkaden und verschnörkelten Kuchentheken oder der Planters’ Club im Art-déco-Stil, das exklusive Refugium der Teebarone, damals wie heute, Zutritt nur für Mitglieder, da hilft alles Betteln nichts.

Verliebt in einen echten König

Dann nehmen wir eben den Tee nebenan im ehrwürdigen Windamere Hotel, das nach dem größten See Englands benannt wurde und bis zur letzten Ritze mit Geschichte getränkt ist: ein hölzernes Fanal des Heimwehs nach dem Mutterland voller Plüschsofas und Standuhren, Glaslampen und Laubengängen, offenen Kaminen und alten Briefkästen aus der Zeit des Raj, rot wie zu Hause auf der Insel, nur mit einer goldenen Lotusblüte garniert als Zugeständnis an die Kolonialheimat. Vergilbte Fotos an den Wänden von Jagd- oder Hochzeitsgesellschaften beschwören die imperiale, Dankesbriefe von Nehru und Tagore die jüngere Vergangenheit. Zum Essen wird wie in britischen Internaten mit der Glocke gebimmelt, und sehr gerne erzählt man bis heute die Geschichte, wie sich der letzte König von Sikkim im Windamere in eine junge Amerikanerin verliebte, die prompt zur letzten Königin von Sikkim wurde. Normalerweise, entschuldigt sich das Personal mit ausgesuchter Höflichkeit, könne man Sikkim und den darüber aufragenden Kangchendzönga von der Hotelterrasse aus sehen, nur heute eben nicht, das Wetter, man möge verzeihen.

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