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Am Fuße der Rocky Mountains : Alle fliegen auf Denver

  • -Aktualisiert am

Anfang September feiert das Streetartfestival „Crush“, das im RiNo-Viertel in Denver stattfindet, sein zehnjähriges Bestehen. Bild: Pia Volk

Denver liegt auf dem gleichen Breitengrad wie San Francisco – und boomt seit Jahren. An den den vielen Sonnenstunden allein liegt es nicht.

          Ich bin ein Transplantierter“, sagt Keith Meyer. Der 40-Jährige steht vor der Union Station, dem ehemaligen Hauptbahnhof. Woanders würde man Keith vielleicht als Zugezogenen bezeichnen, aber Transplantierter ist passender. Es klingt, als habe jemand Wurzeln geschlagen. „Die Stadt heißt einen einfach willkommen, die Menschen sind so herzlich. Ich habe noch keinen schöneren Ort gefunden.“ Damit ist Keith nicht alleine. Denver ist in den vergangenen sieben Jahren um knapp 100 000 Menschen auf 700 000 Einwohner gewachsen. Leipzig, das mit 580 000 Einwohnern ähnlich groß ist und ebenfalls viele Menschen anzieht, wuchs im gleichen Zeitraum um knapp 50 000 Menschen. Keith ist seit 2006 in der Stadt. Im Hauptberuf arbeitet er als Jurist für eine NGO, nebenher bietet er über Airbnb eine Tour der versteckten Orte Denvers an.

          Denver nennt man auch „Mile High City“, weil sie auf 1600 Metern liegt. Das ist in Colorado nicht sonderlich hoch. Der Bundesstaat ist von den Rocky Mountains durchzogen, die Durchschnittshöhe beträgt knapp 2000 Meter. Die Stadt liegt ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie San Francisco, und es sind 1500 Kilometer Luftlinie an die Westküste und 2400 Kilometer bis an die Ostküste. Aufgrund ihrer zentralen Lage war sie in den 1880ern zum Bahnknotenpunkt geworden. Davon erzählt Keith nun in der Union Station. Und dass die vor knapp fünf Jahren renoviert und restauriert worden ist. Ihr Inneres gleicht einem mondänen Café, einem Wartesaal Ende des 19. Jahrhunderts. Hier trafen sich die vier Bahnlinien, die aus dem Süden, Westen und Zentralcolorado zusammenliefen. In den 1940ern stiegen 50 000 Menschen täglich in Denver ein, aus und um. Bis in den 1950ern die Flugzeuge der Bahn den Rang abliefen und Lower Downtown zur gefährlichsten Gegend der Stadt machten, wo Bordelle, Glücksspiel und Drogenhandel florierten.

          Tunnel aus Zeiten der Prohibition

          Heute sind es eben jene Flugzeuge, die neue Besucher in die Stadt bringen. Die Stadt ist das Drehkreuz für United Airlines. Jeder, der mit United oder einem der 27 Star-Alliance-Partner in die Vereinigten Staaten fliegt, landet irgendwann hier. 2017 kamen knapp 62 Millionen Passagiere durch Denver. Durch Deutschlands größten Flughafen Frankfurt am Main kamen nur 2,5 Millionen mehr. Und wer beschließt, diesen Zwischenstopp ein paar Tage auszudehnen, entdeckt vielleicht mit Keith die Stadt, denn abgesehen von dem gastronomischen Angebot hat die Stadt in Sachen Touristenführer und Besichtigungsprogrammen noch einiges Entwicklungspotential.

          Keith spaziert weiter, jetzt durch Lower Downtown, wo sich rote Klinkerhäuser aneinanderreihen. In den Zeiten der Eisenbahn wurden dort Waren gelagert, heute gibt es hier Wohnungen, Lofts, Bars und Restaurants. Vor einem kleinen Hauseingang bleibt er stehen und zeigt nach unten. Vor dem Haus verläuft eine Art Unterführung, wie eine winzige Kellerterrasse. „Früher waren viele der Warenhäuser durch Tunnel verbunden“, sagt Keith. „Die waren während der Prohibition besonders nützlich.“ Mittlerweile sind die meisten mit Mauern versehen oder in Wohnraum erweitert worden, denn Denver boomt.

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