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Unbekanntes Irland : Eine wilde Geschichte

  • -Aktualisiert am

Was liegt da an Land zwischen all den Attraktionen? Irlands unbekannte Mitte ist eine Erkundungsfahrt wert. Bild: Picture-Alliance

Jeder fährt zum Ring of Kerry, alle wollen zu den Cliffs of Moher. Dublin ist voll wie Amsterdam. Aber wie sieht es eigentlich dazwischen aus? Eine Fahrt in Irlands unbekannte Mitte.

          6 Min.

          Hill of Uisneach

          Was? Nie gehört? Jetzt echt nicht? Dann nehmen wir schnell mal vorweg, was Marty nachher erzählen wird, also: Dieser Hügel ist das Zentrum Irlands. Wer auch immer damals im achten Jahrhundert vor Christus entschieden hat, hier eine Anbetungsstätte für die alten Götter anzulegen, hat die geographische Mitte der Insel um gerade mal vier Kilometer verfehlt. Oder auch nicht, vielleicht ist seitdem auch bloß die eine oder andere Küste ein Stück weit weggebröckelt. Mehr mittendrin geht jedenfalls nicht.

          Mehr versteckt aber auch nicht. Der Hill of Uisneach liegt bei Rathnew, und Rathnew finden wir nicht. Beziehungsweise: Wir finden es, aber es ist nicht das richtige. Rathnew gibt es nämlich zweimal, aber das weiß das Mietwagennavi nicht und lotst uns ins falsche. Rathnew2 ist sehr nett, wenn man im nahen Industriegebiet arbeitet und mittags schnell zum Chinesen will oder auf die Sonnenbank. Sind von hier auch bloß 150 Kilometer nach Rathnew1. Über eine lose Abfolge matschiger Feldwege landen wir irgendwann auf einer Farm. „In vierhundert Metern werden Sie ankommen“, weiß das Navi. Mit all dem Matsch und den Viehzäunen und den Kühen kann das zu Fuß ganz schön weit sein.

          Und was kann man sehen auf dem Hill of Uisneach? Einen Hügel, von dem aus man andere Hügel betrachten kann. Außer uns ist ein Ehepaar aus Montana da, das einen Geschäftstermin im anderen Rathnew hatte. Die beiden schauen ratlos hinaus ins unbekannte Irland. Doch, da braucht es schon einen wie Marty, sonst würde das hier ziemlich langweilig. Der Guide springt wie Rumpelstilzchen durchs Gras, kämpft mit seinem Stab gegen unsichtbare Angreifer, stolpert, rappelt sich auf, erzählt weiter, über Hochkönige und keltische Götter und böse Mächte, das Ganze klingt wie Tolkien auf Speed. Er habe sogar schon Vertreter der Lakota über den heiligen Hügel geführt, ruft er, Lakota! Indianer! Das Ehepaar aus Montana wechselt nun besorgte Blicke. Möglicherweise fürchten die beiden eine ähnliche Attacke wie damals am Little Big Horn.

          Zurück im Auto fühlen wir uns etwas benommen, zehn Minuten später haben wir das meiste bereits vergessen. Bloß die Geschichte von Eire nicht, einer Göttin, die auf dem Hill of Uisneach begraben wurde. Die hat den Ur-Iren ihren Segen für die Eroberung der Insel gegeben. Unter der Bedingung, dass Irland fortan und für immerdar ihren Namen trage.

          Hier residiert der Earl of Longford: Tullynally Castle.

          Tullynally Castle

          Tolle Storys haben die hier sowieso, das muss man schon sagen. Damit man keine entscheidende Szene verpasst, klopft Bartle d’Arcy bei seinen mäandernden Erzählungen an solchen Stellen mit seinem Stab auf den Boden. Wir sind mit ihm schon durch ruinöse Abteien gestolpert und haben uns in den Spinnweben einer Eremitenkapelle verfangen, in der außer Bartle in den letzten Jahrzehnten wahrscheinlich niemand war, noch nicht mal ein Eremit. Jetzt stehen wir im siebten oder achten Wohnzimmer auf Tullynally Castle. Hier klopft er vorsichtiger. Wegen der Teppiche wahrscheinlich.

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