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Belfast : Von Iren gebaut, von Engländern versenkt

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Auf den Brach- und Industrieflächen am Hafen, auf denen einst die Passagierdampfer gebaut wurden, wächst jetzt das Titanic Quarter heran. Bild: Picture-Alliance

Belfast hat die Katastrophen seiner jüngeren Geschichte verarbeitet. Jetzt schaut die nordirische Stadt entspannt zurück und zuversichtlich nach vorne.

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          Nichts mehr erinnert an schlimme Tage, schlimme Taten und fortwährende Gewalt. Und doch kann man beim Betreten der Lobby nicht umhin, an alte Geschichten zu denken. Denn das Europa Hotel in Belfast genoss einmal den zweifelhaften Ruf, das am häufigsten bombardierte Hotel der Welt zu sein; mehr als dreißig Detonationen zählte man zwischen 1972 und 1993. Während des gewaltsamen Konflikts in Nordirland hatten sich hier Reporter aus aller Welt einquartiert, und so konnten sich die Bombenleger sicher sein, mit jedem Attentat eine Welle der Aufmerksamkeit zu erregen. Die Schäden aber wurden immer wieder prompt repariert, und wundersamerweise hat das Hotel all die Jahre durchgehalten.

          Heute erntet man die Früchte dieser Hartnäckigkeit, denn Belfast sieht sich einem Andrang von Besuchern gegenüber, von dem vor zwanzig Jahren niemand auch nur zu träumen wagte. Denn während der „troubled times“, den Jahren der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, verließen nicht nur Zehntausende von Bewohnern die Stadt, es wagte sich auch kaum ein Besucher hierher. Das änderte sich auch nach dem Friedensschluss 1998 nur langsam. „Eines Tages waren wir schon froh, dass uns ein Reiseführer plötzlich als normale Stadt bezeichnete“, sagt Fiona Liversidge, die im Tourismusbüro seit zwei Jahrzehnten die Verwandlung miterlebt. „Rough and handsome“, diesen Hinweis auf den rauhen Charme der Stadt, hielt man für höchstes Lob.

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