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: Das Land der schönsten Wirklichkeiten

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Andere Häuser, etwa das MeridienBeach-Hotel mit seinen neuen Glastürmen, haben angebaut. Auf das verspielte Hermitage mit dem duftigen Wintergarten von Gustave Eiffel wurden zwei Stockwerke im selben weißen Zuckerbäckerstil der Jahrhundertwende so geschickt gesetzt, daß man selbst aus nächster Nähe glaubt, sie seien schon immer dagewesen. An anderer Stelle riß man alte Gebäude ab und baute ein trendiges Hotel hin, wie es im Fall des coolen Port Palace am Yachthafen geschah. Auch das Columbus in Fontvieille zählt zu den schicken neuen Häusern unterhalb der Luxuskategorie und ist offiziell sogar ein normales Drei-Sterne-Mittelklassehotel - aber, wie eben Mittelklasse in Monaco definiert ist: jung, elegant, hochgradig designt, und sein Besitzer heißt David Coulthard. Im Hotel Metropole ist gar dessen Verwandlung zu einem atemraubend opulenten mediterranen Palast zu bestaunen, den der französische Star-Architekt Jacques Garcia besorgte. Was Garcia in Interviews zu seiner Arbeit bemerkte, ist allerdings eine Ohrfeige für seine Zunft. Garcia nämlich hält es für ein "Drama", daß heute selbst Luxushotels für ein Publikum ohne Kultur gebaut würden, denn dies verleihe dann den Gästen tatsächlich den Anstrich von Neureichen. Er hingegen hält es gerade für die Aufgabe von Architektur und Design, "Gäste zu kultivieren und ihren Horizont zu erweitern".

Ob alle neuen Hotels und Restaurants Garcias Anpruch genügen, weiß der Besucher nicht, er sieht jedoch, daß es hier vor Ideen sprüht. Lässige Plätze wie die "Sealounge" entstanden, wo jedermann zu zivilen Preisen - "nach der Arbeit" - in weißen Sofas auf weißem Sandstrand lümmeln, Cocktails trinken, tanzen und Tapas essen kann. Vierundzwanzig Stunden ist das neue Restaurant mit Namen L'intempo im Meridien-Hotel offen, zum Design paßt die Crossover-Cuisine des jungen elsässischen Küchenchefs. Unbefangen mischen die Architekten in alten wie in neuen Häusern gläserne Treppen und Bauhausmoderne mit opulenten Brokatstoffen, kühne Bäder setzen den Kontrapunkt zu seidenbespannten Wänden. Mit einem gewissen Neid stellt der Besucher fest, daß er sich auf einer Insel der Seligen befindet, in der es um Qualität, nicht um Kostensenkung geht.

Mit einer Dynamik, die das Staunen lehrt, baut sich Monaco um. Bernard Lambert, seit drei Jahren Chef der mächtigen Fremdenverkehrsgesellschaft Societe de Bains de Mer (SBM), an der das Fürstenhaus die Mehrheit hält, und Michel Bouquier, seit zwei Jahren Generalbevollmächtigter für den gesamten Tourismus Monacos, haben die Koordinaten für die Zukunft mit den vier Säulen Kultur, Event, Wellness und Geschäftstourismus festgelegt. Vor allem Kongresse sollen helfen, das ganze Jahr über die Hotels und das Grimaldiforum zu füllen, elf Angestellte kümmern sich jetzt allein um die Vermarktung dieser Sparte.

Als weiteres Ziel gilt, bislang unterrepräsentierte Märkte zu gewinnen. Damit sind wir bei der Kehrseite der glänzenden Medaille angelangt: Monacos Ruf, vor allem in Deutschland. Zwar ist durch die Bemühungen der neuen Manager die Zahl der deutschen Besucher bis Ende Juli um fast ein Drittel gestiegen, und die Hälfte davon waren Kongreßteilnehmer - aber der Anteil der Deutschen ist mit fünfzehntausend im Jahr weiterhin unverhältnismäßig klein. Und noch immer ziehen deutsche Firmen dann doch als Kongreßort oft ein anderes Ziel vor, auch wenn das Angebot aus Monaco das beste und billigste war: Ein Kongreß in Monaco klinge nach Vergnügen und Verschwendung, nicht nach Arbeit, sagen sie entschuldigend.

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