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: Das Land der schönsten Wirklichkeiten

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Der erste Schritt zur Rückverwandlung Monacos in ein elegant-seriöses Tourismusziel war der Wiederaufbau der "Thermes Marins" vor zehn Jahren, des ersten und berühmtesten Thalasso-Spa Europas, das 1908 eröffnet worden war. Im letzten Kriegsjahr bei Bombenangriffen zerstört, entstanden die Thermen an gleicher Stelle wieder. Auch architektonisch ist das fächerförmige Gebäude, das sich am Steilhang zwischen Hotel Hermitage und Hotel de Paris mit drei Stockwerke hohen, verglasten Rundbögen Hafen und offenem Meer zuwendet, ein Neubeginn: die Abkehr vom Zuckerbäckerstil. Statt dessen rosa Marmor, helle Edelhölzer, schimmernde Spachtelwände und mindestens ein Quadratkilometer Glas. Bis heute dient das 6600 Quadratmeter große Spa mit dem urbanen Understatementschick der restlichen Wellness-Welt als Vorbild.

Fünf Jahre später entstand das ehrgeizig dimensionierte Kongreß- und Ausstellungszentrum mit Namen Grimaldiforum, oberirdisch eine bauchig-kühne Glas- und Stahlkonstruktion mit weitem Meerblick, die unterirdisch zwanzig Meter tief ins Wasser reicht. Die Bühne des größten der Mehrzwecksäle für Konzert, Kongreß und Oper unter dem Meeresspiegel, gänzlich in rotem Samt ausgeschlagen, ist so dimensioniert, daß auch die aufwendigste Inszenierung der Pariser Oper Platz findet. Deren Architekt baute einst auch das Kleinod Salle Garnier im Casino, Monacos Opernhaus, das jetzt nach einer fünf Jahre währenden komplizierten Restaurierung wieder öffnet.

Und weiter im Masterplan: Seit drei Jahren liegt der schwimmende Kreuzfahrtpier im Hafen, eine spektakuläre Fertigteilkonstruktion, die in einer wochenlangen Seefahrt von Spanien hergebracht und in Monaco dann zusammengefügt wurde. Hier legen seitdem, wie erwartet, internationale Kreuzfahrtschiffe an. Neunzehn Millionen Euro brachten ihre Passagiere im vorigen Jahr Monaco ein, vorwiegend den Luxusgeschäften. Staunend beobachten Schaulustige an Land oder jene Glücklichen, die in einer der vornehmen Suiten des Hotel de Paris residieren, wie sich frühmorgens ein dickes Kreuzfahrtschiff mit Passagieren im weißen Bademantel auf ihrem Glasbalkon Zentimeter für Zentimeter in die schmale Öffnung des Port Hercule schiebt, in dem bislang die saudische Yacht "Lady Moura" das Solo als Hecht im Karpfenteich spielte.

Aber das Aufsehenerregendste ist Monacos Hotelkollektion. Nirgendwo sonst gibt es so märchenhaft restaurierte Hotelantiquitäten. Nun sind die Palasthotels aus der Belle Epoque ein weiteres Mal auf den neuesten Stand gebracht, der Salle Empire im Hotel de Paris strahlt nach aufwendiger Restaurierung in Weiß und unter einem Kilo Blattgold. Doch gab es viel zu wenige Zimmer für Monacos Tourismuspläne, nicht genügend Suiten - für die neuen Russen - und zu wenig Betten in Hotels unterhalb der Fünf-Sterne-Kategorie. So entstand jetzt das dringend benötigte Kongreßhotel auf einem aus dem Meer gewonnenen Grundstück direkt neben dem Sporting Club - der so legendäre Orte wie Sommercasino und Salle Etoiles beherbergt, wo vom Rotkreuzball bis zum Auftritt von Rod Stewart alle jetsetpflichtigen Events stattfinden. Das neue Bay-Hotel ist in einer modernen Version neoklassizistischen Stils errichtet und gilt als ein Resort, das in Europa seinesgleichen sucht mit seinen dreihundertdreißig Zimmern und Suiten, der riesigen Lagune - in der im Moment noch Seevögel planschen -, Schwimmbädern innen und außen, Spa, Restaurants und Kongreßsälen, Anfang Oktober ist Eröffnung.

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