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The Lowell in New York : Wie zu Besuch bei guten Freunden

Hier will ich bleiben: Das Kaminfeuer im Club Room scheint niemals auszugehen. Bis siebzehn Uhr genießen es die Gäste des Hotels unter sich, dann öffnen sich die Türen der womöglich kleinsten Bar New Yorks – und jeder ist willkommen. Bild: Freddy Langer

Das Hotel The Lowell in New Yorks Upper East Side gibt dem Luxus eine Note des Selbstverständlichen.

          Es läuft Jazz. Zwanziger Jahre. Ganz dezent. So leise, dass man glaubt, das Kaminholz knistern zu hören. Obwohl es gar kein Holz ist. Vielmehr halten im offenen Kamin des Club Room im Hotel The Lowell Stunde um Stunde, Tag um Tag künstliche Scheite aus feuerfestem Material den lodernden Flammen stand. Einer der Sessel hat sich ein Leopardenfell übergeworfen, als sei ihm kühl. Aber das ist es nicht in diesem Raum. So warm allerdings auch wieder nicht, dass man – wie Marilyn Monroe an der Wand – allein mit einem durchsichtigen Seidentuch ausreichend gekleidet wäre. Eine Arbeit des Verpackungskünstlers Christo ist dick mit Folie umwickelt und verschnürt. Einpacken, auspacken, zupacken scheinen die Begriffe zu sein, mit denen hier gespielt wird – der zentnerschwere Atlas als Skulptur aus Bronze jedenfalls trägt gleich das ganze Universum auf den Schultern.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Größer ist nur noch der Blumenstrauß mit Nachthyazinthen und Heckenkirsche, Lilien und Jasmin, unauffällig ergänzt um reichlich Thymian und Petersilie – des Aromas wegen, wie Charles Masson erklärt. Er ist der Restaurantchef des Hauses, doch fühlt er sich zugleich für den Duft in den Gängen und offenen Räumen des Hotels zuständig. Es ist ein unauffälliger Duft, den man eher spürt als riecht. Eine verführerische Note, die einen länger im Club Room verweilen lässt, als man es vorgehabt hatte, und die jenes Gefühl unterstreicht, das auch vom Mobiliar ausgeht: bei jemandem zu Hause an dessen Kamin zu sitzen. In die Sofas sinkt man so tief ein, dass man nie wieder aufstehen möchte, die Regale voller Kunstbände wirken antik, und der Spiegel hat schwarze Flecken, als hinge er seit Generationen über dem Kamin. Dabei ist der Club Room noch kein Jahr alt. Michael S. Smith, Barack Obamas Innenarchitekt für Teile des Weißen Hauses, hat ihn eingerichtet. Und bei der Gelegenheit auch gleich noch Lobby, Restaurant und Bar sowie einige weitere Teile des Hotels für fünfundzwanzig Millionen Dollar neu entworfen. Die Vorgabe: Homey atmosphere. Luxus hat er dazu bescheiden in eine Form von Selbstverständlichkeit gekleidet.

          Dass The Lowell ein Hotel ist, seit 1927 und mit immerhin vierundsiebzig Zimmern und Suiten, vergisst man mitunter, so klein, überschaubar, gemütlich und privat wirkt jeder Raum und jede Ecke.

          Für viele New Yorker ist der Club Room bereits Treffpunkt geworden. Bis nachmittags um fünf für die Hotelgäste reserviert, öffnet dann die womöglich kleinste Bar der Stadt. Tagsüber ist sie hinter zwei schmalen Schranktüren versteckt, dennoch verfügt sie über eine großartige Auswahl. Um die Tische und Tischchen versammeln sich Geschäftsleute auf dem Nachhauseweg zum Cocktail, Freunde vor dem Theaterbesuch auf einen Snack, und die Gäste des angeschlossenen Restaurants „Majorelle“ nehmen einen Aperitif, bevor sie zu ihren Tischen abgeholt werden.

          Ein kleines Stück England beim High Tea

          Im kleinen Saal des Restaurants war früher ein Steaklokal untergebracht, eher rustikal, dann stand er einige Jahre leer, nun scharen sich zwei Dutzend Tischchen um einen Blumenstrauß von der Größe eines Baums. Das provozierend asymmetrische Muster des Marmorbodens gibt das Programm der Küche vor: Auch die Kombination der Speisen überrascht durch Verschiebungen. Der Kaviar explodiert förmlich auf einer Blaukrautmousse, die Austern aus Nova Scotia sind in Endiviensalat gebettet, und zu den Langusten gibt es Apfel und Calvados. „Dining is not eating“, sagt Charles Masson. „Ginge es allein ums Sattwerden, könne man ebenso gut in einem Labor essen gehen.“

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