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The Lowell in New York : Wie zu Besuch bei guten Freunden

Das Penthouse mit drei Zimmern für neunzehntausend Dollar pro Nacht umgibt ein Moment von stilsicherer Zurückhaltung.

Charles Masson hat vierzig Jahre lang das 1962 von seinen Eltern eröffnete Restaurant „La Grenouille“ geführt, ein Lokal, dem das Attribut „legendär“ anhängt und dessen Gästeliste sich liest wie ein Who is who des zwanzigsten Jahrhunderts. Als er es aufgeben wollte, holten ihn die Brüder Chartouni – seine Stammgäste seit vielen Jahren – kurzerhand in ihr Hotel.

Das Lowell haben die beiden 1981 gekauft. Es ist ihr einziges Hotel, und auch das mag zu dem Gefühl beitragen, sich in einem Privathaus aufzuhalten. Morgens, in Amerika alles andere als üblich, wird man beim Frühstück im „Pembroke Room“ prompt mit anderen Gästen an einen Tisch gesetzt – und kommt rasch ins Gespräch, das sich bisweilen sogar von Tisch zu Tisch fortsetzt. Den Raum hat Dina De Luca Chartouni, die Ehefrau eines der Brüder und Mitbesitzerin des Hauses, nach eigener Vorstellung mit Stücken ihrer Antiquitätensammlung sowie Andenken ihrer Reisen dekoriert. Ursprünglich ganz in Weiß, einschließlich ihrer Orchideenzucht, nur die Teekannen aus derselben Silberschmiede, die auch das Haus Windsor beliefert, fielen aus dem Rahmen. Sie werden sogar benutzt, nachmittags beim High Tea, der den Raum in ein kleines Stück England verwandelt.

„Famous? What exactly do you mean?“

Dafür, dass sich dann nicht nur ältere Damen im Chanel-Kostüm zum Kränzchen einfinden, sondern auch ein erstaunlich junges Publikum, hat Gerado Castro, der die Zeremonie beaufsichtigt, seine eigene Erklärung: „It’s very instagramable.“ Auf den Etageren stapeln sich Passionsfruchttarte und Hummertörtchen, auf dem Tisch steht neben den Scones ein Schüsselchen Double Whipped Devonshire Cream. Ausgeschenkt allerdings wird Tee aus Frankreich, aus dem Haus der Dammann Frères in Paris, deren Unternehmensgeschichte zurückreicht bis zu Ludwig XIV.

Die Zimmer sind allesamt individuell eingerichtet, stilvoll, ohne jeglichen Prunk.

Dass The Lowell ein Hotel ist, seit 1927 und mit immerhin vierundsiebzig Zimmern und Suiten, vergisst man mitunter, so klein, überschaubar, gemütlich und privat wirkt jeder Raum und jede Ecke. Selbst die Zimmer, dreiunddreißig davon mit offenem Kamin, sind allesamt individuell eingerichtet, stilvoll, ohne jeglichen Prunk. Auch das Penthouse mit drei Zimmern für neunzehntausend Dollar pro Nacht umgibt ein Moment von stilsicherer Zurückhaltung. Ein Himmelbett, zwei kleine Bettchen an die Wand gerückt – mehr ist es nicht in den Schlafzimmern, die Seidentapeten an den Wänden jedoch wären ein Schmuck für jeden Königspalast. Und das Frühstück auf der eigenen Terrasse mit Blick über die Upper East Side ließe man sich gern gefallen. Im Salon stehen um einen Tisch herum ein Sofa und vier Sessel, für den Besuch, den man einlädt. Doch besonders oft komme das nicht vor. Das Penthouse, so erfährt man, werde vor allem von Firmen für Produktpräsentationen gemietet. Wer hier schon geschlafen hat, erfährt man hingegen nicht.

Das Personal ist höflich, nie förmlich, doch bedingungslos diskret. Als sich unter den Gästen herumspricht, dass tags zuvor eine sehr bekannte Dame eine der Suiten bezogen habe, lächeln die Angestellten auf die Frage, wer das denn sei, besonders freundlich, zucken mit den Schultern und fragen schließlich zurück: „Famous? What exactly do you mean?“ Nur so viel ist zu erfahren: Madonna ist es dieses Mal nicht.

Selbstverständlicher Luxus

The Lowell liegt an der 63rd Street zwischen Madison und Park Avenue; die Übernachtungspreise beginnen bei umgerechnet etwa 525 Euro plus Steuern, das Menü im „Majorelle“ kostet etwa 100 Euro, die Preise für ein High Tea-Menü beginnen bei etwa 55 Euro. Information und Buchung über www.lowellhotel.com

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