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Über Nacht in Paris : Stadt, Land, Fluss, Hotel

  • -Aktualisiert am

Alles schwimmt, und auch die Bar ist flußnah. Bild: Seine Design

Mitten in Paris hat Frankreichs erstes Hotel auf dem Wasser angedockt: das Off Paris Seine. Sein Architekt hat sich auf schwimmende Architektur spezialisiert.

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          Leben an und auf dem Wasser hat Tradition in Frankreich. „Sogar bis ins Jahr 1971 fuhren Waschboote, die hölzernen bateaux-lavoirs, auf dem Fluss Mayenne durch Laval“, sagt Gérard Ronzatti. Eine Tradition, an die der Architekt anknüpft: Im Sommer 2016 eröffnete das erste schwimmende Hotel Frankreichs auf der Seine. Nur ein paar Schritte von der Gare d’Austerlitz liegt das „Off Paris Seine“ am südlichen, linken Ufer der Seine im 13. Arrondissement – zwischen zwei Brücken, dem nostalgischen Viaduc d’Austerlitz von 1904, der sich im dynamischen Bogen über das Wasser spannt, und der modernen Trägerbrücke des Pont Charles-de-Gaulle von 1996.

          Stahl, Glas und Holz, das sind die Materialien, aus denen das schwimmende Vier-Sterne-Basecamp mit seinen zwei Wohnetagen gemacht ist. Eine Gangway führt direkt vom Quai d’Austerlitz in die Lobby. Von hier schweift der Blick auf die beiden langen Wohntrakte und linke Hand über das offen gestaltete Restaurant – dazwischen schneidet ein schmaler Pool den Bar-Bereich spektakulär in zwei Teile. Wie eine überlange Badewanne hängt das Becken zwischen den hölzernen Decks, Gäste können hier intim und geschützt auf der Seine planschen. Selbige strömt unterhalb des Pools ruhig und offen zwischen den beiden Schiffsrümpfen dahin. Ein symbolhaftes Bild: „So verkörpert das Off Paris Seine ein Sinnbild für die Stadt Paris mit ihren zwei Ufern, der rive gauche und der rive droite, dazwischen die Seine“, erklärt Architekt Gérard Ronzatti bei einem Rundgang.

          Wie ein fließender Spiegel

          Achtzig Meter lang und 18 Meter breit, das sind die Abmessungen des langgestreckten Hotels mit seinen vier Suiten und 54 Zimmern, die sich auf zwei Wohntrakte über tragenden Schwimmkörpern verteilen. Dazwischen hat der Architekt einen glasgedeckten Lichthof integriert, der wie ein Atrium mit gemütlichen, glänzenden Sitzkissen als Lounge fungiert und überraschende architektonische Perspektiven bietet. Es ist das Licht, dem Ronzatti hier buchstäblich seinen eigenen Raum gibt und das er im gesamten Objekt mit einbezogen hat: „Das natürliche Tageslicht wird ja auf dem Land vom Erdboden nicht reflektiert, auf dem Wasser aber sehr wohl, es verdoppelt sich sogar. Das vermittelt eine ganz neue Erfahrung. Die Seine ist wie ein fließender Spiegel mit all ihren Reflexen und Lichtern bei Tag und bei Nacht. Man braucht 24 Stunden, um all die wechselnden Schattierungen eines Tagesverlauf zu erleben.“

           Ein Sinnbild für die Stadt Paris mit ihren zwei Ufern: Die Zimmer im Off Seine.
          Ein Sinnbild für die Stadt Paris mit ihren zwei Ufern: Die Zimmer im Off Seine. : Bild: Seine Design

          Als Zweites fällt auf: Obwohl lebhafter Schiffsverkehr auf dem Fluss herrscht, obwohl ständig Frachtschiffe, Ausflugsboote und Motoryachten vorbeiziehen, liegt das Hotel seelenruhig im Wasser, nur minimale Bewegungen sind zu spüren und vermitteln ein eher reduziertes Bootsgefühl. Wie der Architekt das hinbekommen hat? Es gibt einen Trick: Was von außen wie die starre Struktur eines Katamarans mit fest verbundenen Zwillingsrümpfen wirken mag ist gar keine. Der Kniff liegt in den Gelenken, mit denen die beiden Körper verbunden sind. Diese erlauben es, sich unabhängig voneinander auf dem Wasser zu bewegen und so den Wellengang abzufangen. Quelle raffinesse!

          Das hat mit Bauen auf dem Land nichts zu tun

          Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie sehr die aquatische Lage die Konstruktion des Baus bestimmt, bedingt und völlig durchdringt. „Viele Hotelgäste sind das Schwanken eines Schiffes einfach nicht gewohnt, darum haben wir es minimiert“, erklärt Ronzatti. Den stärksten Wellengang erzeugten übrigens gar nicht die großen, langsamen Frachter oder Bargen, sondern die kleinen, schnellen Personenboote des nahen Finanzministeriums.

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