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Grand Hotel in Madrid : Ein Palast für Puristen

Im Palacio de los Duques verweisen Kunstdrucke auf einstige kunstliebende Vorbesitzer. Zu den Originalen im Prado kommt man leicht zu Fuß. Bild: Melia

Mitten in Madrid, aber erstaunlich ruhig liegt der Palacio de los Duques. Vor zwei Jahren wurde er gründlich renoviert und zeigt, was ein Grandhotel heute sein kann: lässig, entspannt und doch elegant.

          Und plötzlich steht man vor der Tür des alten Stadtpalastes. Die weiße Fassade wäre kaum aufgefallen zwischen den Bäumen und den anderen hohen Altbauten mitten in Madrid, zwischen Restaurants und Läden und dem ganzen Leben, das eine Metropole so mit sich bringt. Doch die Herren an der Tür sind sehr aufmerksam und lotsen einen sogleich ins Innere des Gran Meliá Palacio de los Duques. Doch was nach einem lebhaften bis lauten Stadthotel klingen mag, ist bei genauerer Betrachtung und einer erstaunlich ruhig verbrachten Nacht ohne Straßenlärm eher das Gegenteil. Hinten im Hof, dort, wo ein Marmorbrunnen beschaulich vor sich hin plätschert und auf den Tischen kleine Mandarinenbäumchen stehen, glaubt man sich allerhöchstens in einer Kleinstadt, so ruhig ist es hier, nur ein paar Meter abseits des Zentrums. Das soll wirklich die Innenstadt sein?

          Doch, das ist wirklich die Innenstadt. El Madrid de los Austrias, das Madrid der Österreicher, so heißt das alte Zentrum offiziell. Erbaut wurde es mit seinen Plätzen und Anlagen von den spanischen Habsburgern, eben „los Austrias“, so nennt man sie hier. Der Königliche Palast, das barocke Stadtschloss der Bourbonen, ist auch nicht weit, fünf Gehminuten vielleicht. Allerdings wohnt der König bescheidenerweise nicht dort, sondern in einer kleineren Villa etwas außerhalb, dem Zarzuela-Palast, der trotz seines Namens kaum als Herrenhaus durchgeht.

          Mit einer Verneigung vor der goldenen Vergangenheit: Blick durch die Lobby zur Rezeption.

          Auch alles andere kann man zu Fuß erreichen. Den Mercado de San Miguel zum Beispiel, eine Lebensmittelkathedrale voller Schinken, Bier, Tapas und kleinen Törtchen. Man kann Salami-Stücke in pommestütenartigen Gebinden kaufen und bei einer Cerveza wegknabbern. Man möchte nie wieder hier weg, und warum sollte man auch, es gibt in dieser Markthalle ja alles. Und geht dann schließlich nur ungern, unter Protest und aus Gründen der Stadtbesichtigung.

          Wie Prenzlauer Berg, nur schöner und leerer

          Die Plaza Mayor ist der Hauptplatz der Stadt, hier ist immer etwas los, was man von den Logenplätzen der umliegenden Cafés aus beobachten kann. Die Puerta del Sol jedoch ist der Mittelpunkt des Landes, denn von ihm gehen alle Straßen Spaniens aus. Ein bisschen weiter, aber immer noch bequem laufen Kunstfreunde vom Palacio de los Duques zum Prado und zum Museum Thyssen-Bornemisza, und Ruhesuchende finden gleich dahinter den kleinen, aber sehenswerten Botanischen Garten und den großen Parque de Retiro. Allein hier kann man gut einen halben Tag verbringen, kann den ältesten Baum Madrids besuchen – eine Mexikanische Sumpfzypresse –, kann das alte Observatorium besuchen, den Palacio de Cristal, der im Gegensatz zu seinem Londoner Vorbild noch steht, kann auf dem künstlichen See rudern und Alfons XII. auf seinem Monument zuwinken. Oder man setzt sich einfach mit einem Eis auf eine Bank und schaut dem Leben zu, das auf den breiten barocken Wegen vorüberflaniert.

          Einen Überblick verschafft man sich am besten auf dem Dach. Zum Glück gibt es hier auch Pool, Whirlpool und Bar.

          Oberhalb des Parks, im Stadtteil Salamanca, gehen die betuchten Gäste in feinen Boutiquen einkaufen. Wer weniger Geld in der Urlaubskasse hat, wird gleich nördlich des Hotels fündig: Im eher alternativen Stadtteil Malasaña findet man originelle Nachwuchsdesigner, Second-Hand-Shops und erstaunlich wenige Touristen. Es ist ein bisschen wie in Prenzlauer Berg, nur schöner und leerer, und vermutlich darf man das gar nicht so laut sagen, damit es noch eine Weile so bleibt. Kurz: In welcher Richtung man das Hotel verlässt, ist eigentlich egal, es gibt überall etwas zu sehen.

          Das Prunkstück der Marke

          Den Gran Meliá Palacio de los Duques gibt es in dieser Form erst seit zwei Jahren. Vorher firmierte er unter dem Namen Tryp Ambassador und war ein Traum in Beige mit Stilmöbeln und Plüschteppichen, Kristalllüstern und raumhohen Samtvorhängen. Die Zimmer waren samt und sonders vollgestellt mit Möbeln, in die man tief einsank, Messingstehlampen und allem, auf das man Blumenmuster drucken kann. Eben ein klassisches Grandhotel im viel zu alten Stil. Die Marke Tryp gehörte lange zu der spanischen Kette Meliá, die mehr als dreihundert Hotels und Resorts weltweit betreibt. An der Konzernspitze erkannte man das Potential des alten Palastes, entstaubte das Gemäuer gründlich und baute es zum Prunkstück der Marke aus. Neunzehn Millionen Euro ließ sich der Konzern das Vorhaben kosten. Nun gehört es zu den Gran-Meliá-Hotels der obersten Kategorie, ist Mitglied bei den durchwegs ausgesucht luxuriösen Leading Hotels of the World und Verstaubtheit so ziemlich das Letzte, das man diesem Haus vorwerfen kann.

          Wo man seine Abende verbringen möchte: Der Innenhof mit dem Reitstall, der heute das Restaurant „Dos Cielos“ beherbergt.

          Die von außen so unauffällige weiße Fassade hat es nämlich in sich. Die Farben sind allesamt sehr zurückgenommen, es dominieren Beige, Schwarz und Gold. Die Klimperlüster wurden durch moderne, schlichte Pendelleuchten ersetzt, die knöcheltiefen Teppiche durch elegante Marmorböden. Auch bei den Möbeln dürfen es nun ein, zwei Troddeln weniger sein, dafür haben die Hausherren ein paar ausgesuchte Antiquitäten aus der Privatsammlung untergestellt.

          Schwellenangst muss niemand haben

          Luftig und leicht trotz des historischen Gebäudes ist der Eindruck nun, unaufdringlich der Service, unprätentiös und doch elegant die Gesamtwirkung. Nur wer genau hinschaut, bemerkt die Zweiklassengesellschaft in der Lobby: Bestimmte Zonen sind dem Red-Level-Service zugeordnet. Diese Zimmer kosten etwas mehr, dafür kann man sich rund um die Uhr in der entsprechenden Lounge aus dem Getränkekühlschrank und vom Buffet mit Häppchen bedienen – etwa so wie in einer First-Class-Lounge am Flughafen. Dazu kommt ein Butler-Service, ein persönlicher Check-in und etliche andere Zusatzleistungen. Das ist ein netter Zusatzdienst für Geschäftsleute, die zu unmöglichen Zeiten hungrig aus langen Besprechungen fallen und sich schnell verpflegen wollen, für entspannte Stadtbummelanten jedoch eher unnötig. Draußen gibt es schließlich alles. Oder in der schlichten, in Cremetönen und dunklem Marmor gehaltenen Bar mit ihrer erfreulich großen Auswahl an Spirituosen, in der auch hervorragendes Essen und das sehr frische Frühstück gereicht werden. In der Getränkekarte findet sich unter anderem das schöne Versprechen, aus allem im Haus auffindbaren Obst den perfekten Fruchtsaft der Wahl zu pressen.

          Morgens Frühstücksraum, mittags Restaurant, abends Bar: Das Hotel ist nicht groß, nutzt seine Räume aber perfekt.

          Das einzig spielerische Element des eher strengen Gesamteindrucks ist die wiederkehrende Dekoration mit Elementen aus den Gemälden von Diego Velázquez. Die einstigen Hausherren des Palastes, die Herzöge von Granada und Villahermosa, waren eifrige Kunstsammler, die sich besonders für den spanischen Hofmaler begeisterten. In allen Räumen und sogar im Flur begegnet man nun überdimensional vergrößerten Ausschnitten aus „Las Meninas“, der berühmten Hofdamenszene, sowie diversen Ansichten der Infantin Margaret Theresa, die unschönerweise langsam in ihr Habsburgergesicht hineinaltert. Groß und golden und noch ausnehmend jung thront sie über dem Doppelbett und wacht mit ausgebreiteten Armen über den Schlaf ihrer Gäste wie eine Schutzmantelmadonna.

          Als die Herzöge hier residierten, fuhren die Kutschen im rückwärtigen Hof vor. Dort gab es einen Pferdestall, der seit 2017 das Restaurant „Dos Cielos“ beherbergt. Geführt wird es von den Zwillingsbrüdern Javier und Sergio Torres, die in Spanien als Kochbuchautoren und Fernsehköche bekannt sind. Auch das Restaurant geht mit der alten Bausubstanz äußerst lässig um. Eisenstützen stabilisieren die freigelegten Backsteinmauern, Sukkulenten in Terrakottatöpfen bilden die Dekoration, schwarze Industrielampen beleuchten das Ganze. In einem solchen Ambiente werden gern auch Steaks oder Burger serviert, Schwellenangst muss jedenfalls niemand haben – hat anscheinend auch keiner, denn das Restaurant ist an diesem Werktag erstaunlich gut besucht, das Publikum durchweg eher jung. Man kann sich also nur zurücklehnen und Fisch-Risotto, spanisches Spanferkel und Honig-Sorbet in angenehm familiärer Runde bestellen, und kein steifleinernes Tischtuch stört weit und breit. Das „Dos Cielos“ passt damit ganz hervorragend zum Palacio de los Duques und seiner lässigen Eleganz mit Substanz.

          In Madrid

          Das Hotel Gran Meliá Palacio de los Duques liegt an der Cuesta Santa Domingo 5. Anfragen und Reservierungen unter gmpalacio@melia.com oder telefonisch unter 00 34/91/5 41 67 00. Die Zimmer kosten ab 240 Euro pro Nacht. Insgesamt hat das Hotel 180 Zimmer und Suiten.

          Das Restaurant „Dos Cielos“ by Hermanos Torres ist täglich außer Sonntag und Montag mittags von 13.30 bis 15.30 und abends von 20.00 bis 22.30 geöffnet. Ein Degustationsmenü kostet 75 Euro pro Person ohne Getränke. Im Sommer kann man auch draußen im Hotelgarten essen. Reservierungen und Informationen auf der Website unter www.restaurantedoscielos.es und per E-Mail: doscielosmadrid@melia.com.

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