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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Was kann ich für Sie tun: das Oberhaupt der Familie Oruzogo im Bwindi-Regenwald Nationalpark. Bild: Freddy Langer

Idi Amin und Obote, Bürgerkriege und Kindersoldaten: Bis heute verfolgt Uganda seine düstere Vergangenheit. Doch wenn man erst einmal dort ist, reist man durch ein bezauberndes Land und schaut Tieren ins Angesicht, die es nirgendwo sonst gibt.

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          Es war unser erster Abend in Uganda, kaum mehr als ein, zwei Stunden waren wir überhaupt erst im Land, als Corne uns zum Viktoriasee fuhr. Zu einem schmalen Strand am Stadtrand von Entebbe, mit einer Handvoll Souvenirbuden entlang der Straße und einer Pizzeria, die ihre Tische und Stühle im Sand aufgestellt hatte. Eine junge Frau in einer Uniform mit solch bunten Streifen, als diene sie unter Sergeant Pepper, tastete uns mit einem Metalldetektor der Reihe nach ab, dann durften wir Platz nehmen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Die Speisekarte glich der jeder Pizzeria überall auf der Welt, nur dass die Ananas der Pizza Hawaii vermutlich gleich um die Ecke gewachsen war und ganz sicher nie eine Dose von innen gesehen hatte. Zarte Wellen umschmeichelten den Küstensaum. Im Wasser standen Palmen, die Stämme so hoch wie die Säulen einer gotischen Kirche. Um uns herum wuchs allerlei exotisches Gestrüpp, und irgendwann schwamm ein kleiner Junge vorüber. Neugierig reckte er den Kopf aus dem Wasser. Er winkte uns zu. Wir winkten zurück. Dann schwamm er weiter. Mittlerweile war unser Bier gekommen: „Nile Special“. Mit einem goldenen Löwenkopf auf dem Etikett. Wir würden im Laufe der folgenden Tage noch etliche davon trinken.

          Und ein Mann war gekommen. Wie aus dem Nichts. Groß. Schlaksig. Schwarzes, krauses Haar. In kurzen Hosen und einem ärmellosen Hemd, barfuß. Auf der Schulter trug er einen riesigen Plastikeimer. Er bot uns Grashüpfer an. Aber Corne schickte ihn weg, bevor wir nur irgendetwas fragen konnten oder gar eine Portion bestellen. Die Tiere werden alt sein, sagte er. Zwei, vielleicht sogar drei Tage. Das wisse man bei diesen Händlern nie so genau. Da müsse man vorsichtig sein. Mit Grashüpfern sei nicht zu spaßen. Aber es war ja erst unser erster Abend.

          ***

          Es gibt noch andere Tiere in Uganda. Berggorillas zum Beispiel. Im Bwindi Impenetrable Rainforest im Südwesten des Landes. An der Grenze zu Kongo und nicht allzu weit von Ruanda entfernt. Ihretwegen waren wir nach Uganda gereist. Für manche Besucher ist die Begegnung schon fast so etwas wie ein spirituelles Erlebnis. Einmal, würde man uns später erzählen, hatte ein alter Mann sogar bei den Affen sterben wollen. Er hatte alles genau geplant und dem Führer eigens eine Bestätigung geschrieben, dass er auf eigenen Wunsch im Regenwald zurückgeblieben sei und dass sich nun sein größter Wunsch erfüllt habe. Er setzte sich auf den weichen Boden, ganz in die Nähe der Gorillafamilie, die sie gefunden hatten, und wollte keinen Schritt mehr tun. Aber das konnte der Führer natürlich nicht zulassen. Er hätte seinen Ruf verloren. Und seinen Beruf. Und man möchte sich nicht ausmalen, was im Regenwald mit dem alten, wehrlosen Mann geschehen wäre. Denn es kreucht und fleucht hier doch einiges mehr an Getier durch die Flora als nur die pflanzenfressenden Menschenaffen. Sogar Bergelefanten leben im Bwindi Regenwald. Und weil alles Zureden nichts half, nahm der Führer seinen Gast kurzerhand auf den Rücken und schleppte ihn Stunde um Stunde durch den kaum durchdringbaren Urwald zurück zur Rangerstation von Ruhija. Bis sie das Ziel erreicht hatten, war es stockfinstere Nacht.

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