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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Die Speisekarte glich der jeder Sportsbar überall auf der Welt. Mit einer Auswahl an Burgern und Steaks. Wir aber hatten unser eigenes Essen mitgebracht. In einer Plastiktüte, keine Stunde zuvor auf dem Markt gekauft: Grashüpfer. Frischer ging es nicht, und nicht einmal Corne hätte Bedenken äußern können: Die Tierchen fuchtelten ja sogar noch mit den Fühlern in der Luft herum. Sonst bewegte sich allerdings wenig in dem Plastikbeutel. Die Frauen auf dem Markt hatten den Grashüpfern die Flügel und Beine abgeknipst.

Aisha nascht Heuschrecken

Die Saison für Grashüpfer, lernten wir, dauert von Mai bis Juli. Die Jagd auf die Tiere ist einfach. Nachts werden die Metalldeckel großer Tonnen aufgeklappt und so angestrahlt, dass sie im Finstern leuchten. Hüpfen die Tiere auf das Licht zu, fallen sie automatisch in die Tonne. Säckeweise trägt man sie dann zum Markt, auf dem Frauen sie auseinandernehmen, wie anderswo auf der Welt Krabben gepult werden, nur dass die Tierchen dabei am Leben bleiben. Sie sind eine Spezialität. Und teuer. Sehr teuer. Auf dem ganzen Markt gab es unter Hunderten von Verkäufern und Verkäuferinnen nur fünf mit Grashüpfern im Angebot, den „Esenene“. Wie beliebt sie sind, merkten wir erst in der Sports-Bar, als Aisha, die junge Kellnerin, in immer kürzeren Abständen nach unseren Wünschen fragte - und jedes Mal mit einem charmanten Lächeln beherzt in unsere Schüssel griff.

Aisha hatte uns mit in die Küche genommen, in der wir dem Koch die Tüte mit den Grashüpfern hinhielten. Sehr gut, sagte er und bedauerte es, dass sie nirgendwo auf der Speisekarte stünden. Über die Zubereitung, sagte er, gebe es unterschiedliche Meinungen. Fünfzig verschiedene Rezepte würde es geben, das hatten wir schon vorher gehört. Simon, der Koch, entschied sich für die puristische Variante: Die Tierchen werden für fünf Minuten in Salzwasser gegeben, anschließend brät man sie in einer Pfanne mit nur einem einzigen Tropfen Öl und ein wenig klein geschabter Zwiebel kross. Fertig. Von Knoblauch, scharfen Gewürzen oder anderen Varianten riet Simon ab. Wir vertrauten ihm. Als die kleinen Körper nicht länger honiggelb und pfefferminzgrün leuchteten, sondern geröstet braun, fast bronzen, reichte er sie uns auf einem Teller. Ihre Fühler hatten sich aufgelöst in nichts. Aber noch immer sah es so aus, als starrten sie uns aus ihren winzigen Knopfaugen an.

Eine Prise Paprika

Gebratene Grashüpfer sind keine Speise. Sie sind ein Snack. In einer Plastikdose halten sie einen Monat, erfuhren wir jetzt. Und wir stellten uns vor, wie man in Entebbe sonntagabends zum „Tatort“ Grashüpfer knabbert. Allerdings findet man sie nirgendwo abgepackt im Supermarkt. Man muss sie selbst braten. Oder seine Tüte zu Simon bringen.

Am besten schmecken sie frisch aus der Pfanne. Wenn ihre Hitze noch ein wenig auf der Zunge bitzelt, wenn sie ein sanftes Raucharoma verbreiten und in dem Moment, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt, eine Prise Paprika entweicht, sobald ihre Schale zart zwischen den Zähnen knackt. In meinem Notizbuch findet sich nur der knappe Eintrag: „Köstlich!“

Wenig später saßen wir im Flugzeug - und ich war eingeschlafen, noch bevor die Maschine abgehoben hatte.

Einmal Wildnis und zurück

Anreise: Ihr Drehkreuz Addis Abeba fliegt die Ethiopian Airlines von einer Reihe europäischer Städte an, darunter Frankfurt und Wien. Samt Anschlussverbindung nach Entebbe kostet der Hin- und Rückflug ab 600 Euro (Ethiopian Airlines c/o Aviareps AG, Kaiserstraße 77, 60329 Frankfurt, Telefon: 069 / 770673052, E-Mail: reservationsET.Germany@aviareps.com, im Internet: www.ethiopianairlines.com).

Besuch bei den Gorillas: Die Gorillafamilien dürfen nur mit Führer besucht werden. Pro Gruppe sind maximal acht Personen gestattet. Das Permit kostet für Besucher aus dem Ausland je nach Saison zwischen 350 und 600 Dollar. An Ort und Stelle bieten Träger an, den Rucksack zu tragen und im unwegsamen Gelände zu helfen. Für 300 Dollar kann man sich von ihnen sogar zu den Tieren und zurück tragen lassen.

Pauschalarrangements: Rundreisen durch Uganda hat unter anderem Karibu Safaris im Angebot (Seestraße 40, 82229 Seefeld bei München, Tel.: 08152 / 395639-0, anfrage@karibu-safaris.de, www.karibu-uganda-safaris.de). Rundreisen kosten ab 2860 Euro zuzüglich Flug und Gorilla-Tracking. Individuell gestaltete Reiseangebote fertigt Premier Safaris aus Uganda (reservations@premiersafaris.com, www.premiersafaris.com).

Literatur: „Uganda, Ruanda“ von Heiko Hooge; Iwanowski Verlag, 25,95 Euro. „Uganda, Ruanda - Reiseführer für individuelles Entdecken“ von Christoph Lübbert; Verlag Reise Know-How, 24,95 Euro.

Die Reise wurde unterstützt von Ethiopian Airlines und der Hotelkette Marasa Africa, die nahe den meisten Nationalparks im Land Lodges betreibt.

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