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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Längst prägt der Einfluss der westlichen Welt Ugandas Straßenbild. Gerade in den kleinen Ortschaften scheint jeder Erwachsene und jedes Kind in Hosen, Hemden und T-Shirts aus den Rotkreuzsammlungen gekleidet zu sein. Die Fassaden der Häuser sind übertüncht mit Werbung für amerikanische Erfrischungsgetränke und einen Hersteller von Wandfarbe. Und dort, wo in einem bescheidenen Friseursalon mit einem Stuhl und einem Spiegel auch ein Fernsehapparat steht und dazu ein halbes Dutzend Holzbänke, erklärt der Betreiber, dass sein Salon am Abend zum Kino werde. Dann holt er eine Schuhschachtel voller DVDs mit drittklassigen Actionfilmen aus einem Schrank, aus denen man sich die Vorstellung auswählen kann. Strom liefert ihm zurzeit ein kleiner Generator, weil das Wasserkraftwerk, das die GIZ unweit des Ortes errichtet hat, seit mehr als einem halben Jahr stillsteht. Das ändert freilich nichts daran, dass Uganda momentan als Vorzeigeland Afrikas gilt. Es ist eine solche Oase der Stabilität, dass die UN hier für ihre Missionen in Kenia und Sudan, in Kongo und Ruanda ihre Basislager errichtet haben.

Slalomfahrt auf Schlaglochpisten

Seit in Uganda Ölvorkommen entdeckt wurden, sind die Hoffnungen hoch, dass sich damit alle Probleme lösen ließen; übertrieben hoch vermutlich. Aber China hat bereits zahlreiche Straßen finanziert, um demnächst die Quellen anzuzapfen und eine Großindustrie zu errichten. Zugleich sitzen die Handwerker noch entlang der Straße auf dem Boden, reparieren die zum Transport für geradezu alles verwendeten Boda-Boda-Mopeds oder nähen den Kindern ihre Schuluniformen. Epochen prallen hier aufeinander. Und während in jedem Ort in einer kleinen Bude alle Geldgeschäfte samt Ein- und Auszahlungen über Handys abgewickelt werden können, deren Telefonnummern zugleich immer auch die Kontonummern der Besitzer sind, stehen zwei Meter weiter Marktfrauen mit ihrem bescheidenen Angebot von einem Dutzend Tomaten oder Kartoffeln, die sie auf Brettern kunstvoll zu Türmen aufgeschichtet haben, die dem Gesetz der Schwerkraft hohnsprechen. Und es transportiert ein Bauer mit dem Fahrrad seine Ernte zum Markt: zwei Stauden Matoke, die grünen Kochbananen. Die Straßen sind selten mehr als rote Lehmpisten, deren Schlaglöchern man im konstanten Slalom ausweichen muss und auf denen die Wagen bei Regen rutschen wie bei Glatteis. Auch gegessen wird auf der Straße. Vor allem Fritiertes aus einer großen Schüssel mit siedendem Fett. Das Hauptgericht heißt Rolex und wird an Buden in großen Buchstaben beworben - als Kurzform für: Rolled Eggs. Aber als wir einmal anhielten, um solch eine gerollte Scheibe Chapatta mit Ei zu bestellen, waren die Eier leider gerade ausgegangen.

***

Es war unser letzter Abend in Uganda, in zwei, drei Stunden würden wir zum Flughafen fahren und nach Hause fliegen. Corne hatte uns zu einer Sports-Bar gefahren. Am Stadtrand von Entebbe, direkt an einer der Hauptverkehrsstraßen. Ein Mann in grauer Uniform wedelte am Eingang mit einem Metalldetektor, aber dann machte er nur eine lässige Handbewegung und ließ uns ohne Überprüfung Platz nehmen. In einer Halle waren Billardtische aufgestellt, und überall an den Wänden hingen große Fernseher. Selbst draußen wurden Fußballspiele, Tennisturniere und Formel-1-Rennen übertragen.

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