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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Weil er elf dieser Tiere ein Band mit einem Sender um den Hals gelegt hat, ist es nicht schwer, sie zu finden. Mit einer großen Empfangsantenne tasten wir die Gegend ab und finden schon bald eine Mutter mit ihren Welpen und ein wenig später drei ausgewachsene Löwen, die es sich in den unteren Ästen eines Candelabra-Baums bequem gemacht haben. Dass sie in der vorangegangenen Nacht gute Beute gemacht haben, ist nicht zu übersehen. Ein Zentner Fleisch baumelt als dicker Klumpen in ihren Wänsten, sobald sie versuchen, auf alle viere zu kommen. Die meiste Zeit dösen sie. Mit offenen Augen. Sabber läuft ihnen aus dem Maul. Immerhin schauen sie uns bisweilen an.

Keiner mag den König der Tiere

Die Löwen, sagt Siefert, haben keine Fürsprecher. Die Elefantenherden würden wieder größer, von den Nilpferden mussten sogar schon etliche geschossen werden, weil sie das Tal leer fraßen, und die Gorillas werden sowieso mit allen Mitteln unterstützt. Sie sind die Zugpferde für den Tourismus in Uganda. Die Löwen aber mag niemand. Nicht einmal in den Andenkenläden spielen sie eine Rolle, während die anderen Tiere dort dutzend- und hundertfach aus Holz oder Speckstein geschnitzt in den Regalen stehen. Auch in Lokalen und Hotels dienen immer nur Affen und Elefanten als Dekoration.

Wir haben nicht viele Häuser von innen gesehen. Kaum je sind wir einmal durch Dörfer und Ortschaften gelaufen. Vielmehr flog der afrikanische Alltag immer nur am Autofenster vorüber. In einem Fischerdorf allerdings waren wir spazieren, mitten im Nationalpark, trotzdem von den Touristen ganz offensichtlich nicht beachtet. Die Kinder kreischten vor Vergnügen, als wir unser Boot anlegten und die Uferböschung zum Dorf hinaufliefen, tanzten um uns herum und führten uns zum Brunnen, zu einem alten Mann, der sein Netz reparierte, und zu ihrer Schule am Ortsrand, wo in jedem Klassenraum eine Tafel an der Wand hängt, es aber sonst keinerlei Einrichtung gibt. Die Erwachsenen saßen vor ihren Häusern und staunten uns an. Dort, wo Türen und Fenster geöffnet waren, sah man primitive Möbel auf dem Lehmboden stehen. Die Wände waren beklebt mit bunten Zeitschriftenseiten. Als Herd dienten Feuerstellen aus Lehm, in denen zwei, drei Äste glimmten. Strom gibt es nicht. Wasser muss aus dem Brunnen geholt werden. Uganda hat die höchste Geburtenrate Afrikas. Zugleich zählt es zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Fünfundsiebzig Prozent der Bevölkerung sind unter dreißig Jahre alt, fünfzig Prozent unter achtzehn.

Afrikas Vorzeigeland

Als wir an einem Abend mit drei Männern in einer Dorfschenke ins Gespräch kommen und nach ihrer Familie fragen, lachen sie laut auf und erzählen so fröhlich und leutselig von sich wie jeder in Uganda, mit dem wir uns unterhalten haben. Zwölf Kinder habe er, sagt einer von ihnen. Er sehe sie kaum und kenne auch nicht von allen den Namen. Wenn er am Abend aus der Bar nach Hause komme, schliefen sie schon. Und wenn sie morgens in die Schule gingen, schlafe er noch. Irgendwo unterwegs stand das Schild eines Grundschulchores mit der Aufschrift: „Wir sind es leid, Ziegen zu hüten. Wir wollen Bildung.“ Es ist abzusehen, dass es mit der Gelassenheit im Angesicht der Armut demnächst ein Ende haben wird.

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