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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Delikatessen aus dem Hochland: eine Kaffee-Plantage in Uganda.

Von der Terrasse der Mweya Safari Lodge bietet sich ein Blick über die Ebene, als breite sich dort unten der Garten Eden aus. Im Wasser dösen Nilpferde, Büffel stehen im Schlamm, Krokodile liegen mit offenen Maul am Ufer, eine Pavianfamilie hüpft um einen Baum, ein Seeadler dreht seine Runden - und zwischen Bäumen und Büschen taucht unerwartet eine Elefantenherde auf. Aber die Zustände im Park sind alles andere als paradiesisch.

Leichtes Spiel für Wilderer

Als wir am frühen Morgen mit dem Geländewagen jenseits der Straßen und Lehmpisten durch die Weite der Savanne holpern, ist wenig davon zu sehen, dass sich die Tierwelt zwischenzeitlich von den großen Gemetzeln in den Nationalparks unter den Diktatoren Idi Amin und Obote ein wenig erholt hatte. Damals wurden Zehntausende von Tieren wegen der Trophäen geschossen, auch Tausende von Elefanten. Doch schon wieder muss man lange Ausschau halten, bevor die erste Antilope irgendwo im Grasland erscheint. Dass sich die Wildtierbehörde alle Mühe gibt, den Bewuchs zumindest entlang der Straßen durch regelmäßige Feuer niedrig zu halten, ist keine Hilfe; im Gegenteil. Auf die Weise, schimpfen die Tierschützer, wird es vor allem den Wilderern leichtgemacht, nachts unmittelbar neben den Pisten zu jagen und sich umso schneller aus dem Staub zu machen. Die Population der Antilopen soll sich in kürzester Zeit auf fünfzehntausend halbiert haben.

Die Zahl fast aller Tiere im Queen-Elisabeth-Nationalpark geht zurück. Teils drastisch. Und das Problem ist zu komplex, um es mit ein paar Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Der Raubtierforscher Ludwig Siefert, der den Park seit vierzig Jahren kennt und uns im Wagen begleitet, gibt sich alle Mühe zu verdeutlichen, mit welchen Verkettungen man es zu tun hat. Da ziehen Löwen ihre frisch geschlagene Beute in die Büsche, um aufdringlichen Touristen zu entkommen - und prompt geht die Zahl der Geier zurück, weil sie die Kadaver nicht mehr finden. Aber wegen des Klimawandels ziehen sich auch die Gletscher im Ruwenzori-Gebirge zurück, und es verbreitet sich die Malaria in größere Höhen.

Die Löwen machen fette Beute

Am Ende ist das größte Problem die Übersiedlung des Landes. Dreißigtausend Menschen leben im Nationalpark, und je angenehmer man ihnen das Leben mache, etwa mit Schulen und Kindergärten, desto größer sei der Zuzug. So stünden an den Grenzen mittlerweile siebzigtausend Menschen mit gepackten Koffern, sagt Siefert, um sich demnächst im Schutzgebiet niederzulassen. Ihre Herden dienen derweil den Löwen und Hyänen als Nachtmahl, was die Menschen mit ausgestreutem Gift beantworten. Da wäre es doch besser, schlägt Siefert vor, man ließe sie gleich Beutetiere züchten, Schweine, Böcke und was immer die Raubtiere fressen, und er hat auch schon einen Plan entwickelt bis hin zu kleinen Schlachthäusern. So aber gibt es von vierundfünfzig Hyänen im Jahr 2006 heute noch zwei. Und die Zahl der Löwen ist von neunzig im nördlichen Teil des Nationalparks in den Neunzigern auf neununddreißig im vorigen Jahr zurückgegangen. Nur zwanzig von ihnen sind geschlechtsreif, da liegt die Gefahr der Inzucht nah.

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