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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Zerstörungswerk aus purem Übermut

Vielleicht ist eine Stunde zu kurz. Was hatte ich erwartet? Dass wir uns mit Handzeichen verständigen, höflich zunicken wenigstens. Oder dass ich in die eigene Vergangenheit blicke, in eine Art Urgrund der Seele - dass sich im dunklen Konterfei des Silberrückens, das sich als so undurchdringlich erwies wie der Regenwald, etwas über unsere Herkunft erfahren lässt, als bildeten Instinkt und Verstand darin eine Einheit. Aber die Affen schauten uns ja nicht einmal besonders interessiert an. Erst als die Stunde vorüber war und wir uns auf den Rückweg machten, drehten sie sich für einen Moment um. In ihrem Blick glaubte ich so etwas wie eine Einladung zu erkennen, gern einmal wieder vorbeizuschauen.

In den Dörfern am Fuße der Berge hat man sich mit den Gorillas arrangiert. Sie kämen oft in die Siedlungen, erzählen einem die Menschen dort. Und jeder kennt die Gorillafamilien und deren Mitglieder mit Namen. Aber weil die Tiere aus lauter Übermut bisweilen ganze Plantagen zerstören, sind sie nicht bei allen Dorfbewohnern gern gesehen, und man versucht, sie mit Trommeln und Lärm zu vertreiben. Andererseits verdanken ihnen viele der Bewohner ihr Auskommen - durch den Tourismus. Viele arbeiten in Pensionen und Lodges oder begleiten als Träger und Führer die Ausflüge zu den Affen, Kunsthandwerker schnitzen Gorillafiguren, und die Waisenkinder im Ort erhalten Zeichenunterricht, damit sie kleine Affenbildchen malen können, die sie für einen Dollar das Stück verkaufen. Nachdem im Jahr 2000 ein Gorilla an den Folgen von Krätze gestorben ist, wurde in Buhoma ein Hospital errichtet, das sich um die Kranken in den Dörfern kümmert und das Hygieneregeln verbreitet, damit kein Affe mehr angesteckt wird. Schon ein Schnupfen kann für Gorillas tödlich sein. Erst die Gorillas, sagt ein Lebensmittelhändler in seinem sehr kleinen Geschäft mit seinem sehr spärlichen Angebot, hätten ein wenig Wohlstand in die Region gebracht. Dann kramt er Fotos hervor, die er selbst von den Affen gemacht hat. Als ein Gorilla auch auf einem zweiten Bild zu sehen ist, sagt er tatsächlich: „Same person.“ Dieselbe Person.

Die schlimmsten Viren der Menschheit

Von solch einem fast schon symbiotischen Nebeneinander von Mensch und Kreatur können jene, die sich um den Queen-Elisabeth-Nationalpark kümmern, nur träumen. Einige Autostunden nördlich des Bwindi-Regenwaldes, am Fuße des mehr als fünftausend Meter hohen, schneebedeckten Ruwenzori-Gebirges, folgen die Grenzen des Schutzgebietes einem der beiden Arme des ostafrikanischen Grabenbruchs. Das Landschaftsbild reicht von der offenen Grassavanne bis zum dichten Wald, von Sümpfen und Kratern bis zu tiefen Schluchten. Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere ist schier unvorstellbar. Zweihundertfünfzig Baumarten, sechshundert Vogelarten, acht Primaten. Es ist keineswegs übertrieben, diesen Teil Afrikas als das große Laboratorium der Evolution zu bezeichnen. Hier beschloss vor Millionen von Jahren ein Affe, fortan aufrecht zu gehen; hier entwickeln sich aber auch bis heute Viren wie Hanta und Marburg, Ebola und HIV.

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