https://www.faz.net/-gxh-7qija

Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Knapp eine Stunde hatten wir gebraucht, bis wir nach schwer verständlichen Angaben über das Funkgerät und auf Zurufe mit halbherzig kopierten Tierlauten auf die beiden Fährtenleser trafen. Mit langen Macheten kamen sie uns entgegen, rasierten den Weg frei, und wir stolperten eine Zeitlang hinter ihnen her. Da deutete einer von ihnen in die Baumkronen, in denen sich eine Bande kleiner Äffchen im Klettern übte. Und ein paar Meter weiter saß groß und mächtig ein Silberrücken unter den Wedeln eines riesigen Farns und starrte ins Dickicht. Keiner tat mehr einen Schritt. Eine Stunde würden wir jetzt die Affen beobachten dürfen. Zuschauen, wie sie an Zweigen knabbern. Wie sie sich am Bauch kratzen. Und wie die Kleinen von den Bäumen purzeln, wenn sie die Stärke eines Astes unterschätzt hatten. Sie sind die Einzigen gewesen, die sich nennenswert bewegten. Die anderen lagen im Moos oder saßen faul am Steilhang, mit dem Rücken zu uns. Ein wenig machte es den Eindruck, als wüssten sie sehr genau, dass es Sonntag war. Als sich der Silberrücken einmal kurz schüttelte, sprangen tausend Mücken aufgeregt aus seinem Fell und bildeten eine schwarze Wolke um seinen Kopf.

Menschenrechte für Menschenaffen?

Bis auf sieben Meter darf man sich den Tieren nähern. Manchmal aber sind sie es, die diese Grenze überschreiten. Manchmal, so wird erzählt, berührten sie die Besucher sogar. Doch von Kontakt konnte bei uns nicht die Rede sein, wenn man von dem heranwachsenden Silberrücken einmal absieht, der unerwartet aus dem Unterholz hervorbrach und einen unserer Gruppe fast mit sich gerissen hätte. Aber dann fiel er auch so um, ohne dass der Affe nachgeholfen hatte. Vor Schreck.

Unsere Verwandtschaft aus dem Dschungel: Berggorillas in Uganda.

Dass die Menschenaffen unsere nächsten Verwandten sind, dass ihre DNA der unseren zu achtundneunzigeinhalb Prozent gleicht, hat in den vergangenen Jahren für ernsthafte Diskussionen darüber gesorgt, ob man ihnen Grundrechte zubilligen solle, die bisher den Menschen vorbehalten sind: das unantastbare Recht auf Leben, auf freie persönliche Entfaltung und auf körperliche Unversehrtheit. „Great Ape Project“ nennt sich diese Bewegung. Sie fordert, nicht Artenschützer, sondern die UN müssten sich der Affen annehmen und sie samt ihrem natürlichen Lebensraum so schützen, wie man es bei Naturvölkern macht. Und dann geht sie auch den letzten Schritt und regt an, dass Schimpansen und Bonobos als unsere Geschwister in die Gattung Homo aufgenommen werden sollten, als Homo troglodytes und Homo paniscus. Gorillas und Orang-Utans wären nach diesem evolutionären Stammbaum immerhin noch so etwas wie unsere Großcousins. Was diese Bewegung nicht fordert, ist ein Recht auf Bildung für Schimpansen oder das Wahlrecht für Gorillas, wie Spötter bisweilen behaupten. Im Übrigen ist es noch keine zwanzig Jahre her, dass die Pygmäen vom Stamm der Batwa, die ihr Dorf bis vor nicht allzu langer Zeit im Nationalpark hatten, nun aber umgesiedelt wurden, von den Bewohnern der Gegend als Affen betrachtet wurden.

Weitere Themen

Topmeldungen

Die Ziele der EZB sind umstritten.

Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.