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Berggorillas in Uganda : Tatort Entebbe oder Das große Affentheater

Wir erreichten die Station kurz nach Sonnenaufgang. Zwei Stunden hatten wir mit dem Geländewagen von Nkwenda aus gebraucht, einem kleinen Dorf am anderen Ende des Nationalparks, über eine schlammige Piste voller Schlaglöcher, die sich in langgestreckten Serpentinen die Höhenzüge des Regenwalds bis auf gut zweitausend Meter hinaufwindet. Es war eine Fahrt wie durch einen botanischen Garten. An den Baumstämmen wuchs dick Moos, von den Ästen baumelten Flechten wie lange Bärte, und von den Blättern tropfte der Morgentau, dass man meinte, ihn klatschen zu hören. Das Dickicht war erfüllt vom Schreien und Kreischen der Vögel. Und Zikaden schrillten mit unendlicher Ausdauer nur einen einzigen hohen Ton, dass man an diesem Beispiel jedem Nichtbetroffenen gut erklären konnte, was ein Tinnitus ist.

Ein riesiger Klumpen Biomasse

Nur dann und wann öffnete sich im frühen Dämmer der Blick durch den tiefgrünen Vorhang, dann sah man in den weiten Tälern silbern den Nebel aufsteigen, und manchmal krallten sich die adrett geschnittenen Büsche einer Teeplantage in die steilen Hänge, dann schälten sich auch zwei, drei Lehmhäuser aus dem Grün. Aber einerlei, wann oder wo wir anhielten und uns vergeblich darum bemühten, die verzaubernde Stimmung in ein Foto zu bannen, tauchten wie aus dem Erdboden Kinder neben dem Wagen auf. In Lumpen gehüllt, mit weit aufgerissenen Augen. „Reit, reit“, riefen sie. Sie wollten Kugelschreiber. Einmal fuhren wir an einem Mann vorbei, der an einer Leine ein Schwein spazieren führte. Und einmal kamen uns drei hochgewachsene Frauen entgegen, in bunte Tücher gehüllt, auf einnehmende Weise elegant. Vielleicht waren sie auf dem Weg zum Gottesdienst irgendwo weit entfernt in einer kleinen Siedlung. Es war Sonntag.

Auch Afrika hat seine dramatische Bergwelt: das Rwenzori-Gebirge im Grenzland von Uganda und Kongo.

Die Ranger warteten schon auf uns. Sie hatten die Oruzogo-Familie für uns ausgesucht. Eine Gruppe von dreiundzwanzig Berggorillas, die tags zuvor nahe der Straße gesehen worden war. Das klang einfach. Späher waren vorausgegangen, und über Funk ließen sie unseren Guide wissen, dass die Affen auf dem Weg nach oben seien. Dann warten wir doch am besten gleich am Parkplatz, scherzten wir. Aber es wurde doch ein wenig komplizierter. Wir stiegen zu ihnen hinab. Steil hinunter, durch dichtes Unterholz, dessen verschlungene Wurzeln sich um unsere Füße wickelten, an Bäumen vorüber, aus deren Stämmen dicke Dornen wuchsen, und gebückt unter Zweigen hindurch, die wie Hände nach uns griffen. Längst hatte sich das Grün der Botanik zu einem riesigen Klumpen Biomasse verdichtet.

Äffchen purzeln von den Bäumen

Gut achthundert Berggorillas leben vermutlich noch auf der Welt, knapp die Hälfte von ihnen streift durch die Wälder Ugandas. Von ihnen wiederum sind zehn Familien habituiert, wie man es nennt, wenn man Menschenaffen an den Besuch von Menschen gewöhnt hat. Das ist sehr aufwendig und dauert allemal zwei Jahre. Am Ende hat man erreicht, dass die Affen nicht mehr fortlaufen, wenn Besucher in ihr Revier einbrechen, sondern sich weiterhin mit dem beschäftigen, was sie auch sonst tun. Meistens liegen sie am Boden, zupfen Blätter von Zweigen und schieben sie sich in den Mund. Das war auch bei uns so.

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