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Pyrenäen : Sagt der Bär dem Geier gute Nacht

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Im Pyrenäenvorland herrscht ein idealer Boden für Bauern und Schäfer. Das bedeutet: Bester Käse! Bild: Picture-Alliance

Das Béarn am Fuß der französischen Pyrenäen ist die Heimat eines köstlichen Käses und eines guten Königs, eigenwilliger Menschen und mysteriöser Steinkreise – gute Gründe, diese Gegend zu besuchen.

          Die Stadt, die Frankreich seinen menschenfreundlichsten König geschenkt hat, ist erfüllt vom Summen aufgebrachter Hornissen aus Stahl und Blech. Giftig brettern die Wagen der Formel3 über den Rundkurs zwischen den Häusern von Pau, zu dem einige der Straßen mit Leitplanken und Betonmauern verbunden wurden. Hoch darüber aber thront unbeeindruckt das Schloss, in dem der spätere Henri IV. am 13. Dezember 1553 auf die Welt kam.

          Die ehemalige Festung aus dem zwölften Jahrhundert hat dank diverser An- und Umbauten immer wieder ihre Gestalt verändert und bekam ihr heutiges Aussehen mit den harmonischen, viereckigen Türmchen, dem Bergfried aus Backstein und dem vielen Zierrat an den Fassaden in der Renaissance. Hier schaukelte Großvater Henri d’Albret den Kleinen in einem Schildkrötenpanzer, der immer noch stolz vorgezeigt wird, und bestrich seine Lippen mit Knoblauch und Wein, um die Liebe zu Land und Leuten in ihm zu wecken. Es gelang. Henri wurde ein lebenslustiger, aufgeklärter Herrscher mit einem wachen Gespür für Lust und Leiden seiner Untertanen. Und er ging als jener König in die Geschichte ein, der sich wünschte, dass jeder seiner Bauern sonntags ein Huhn im Topf haben möge.

          Denkmäler für Fahrradfahrer

          Natürlich würde Henri, käme er heute zurück, seine Geburtsstadt nicht wiedererkennen. Er würde sich über die akkurat zu Quadern geschnittenen Lindenbäume wundern und mit großen Augen durch die gepflasterten Fußgängerzonen gehen. Gerührt würde er feststellen, dass beinahe jedes Restaurant neben der traditionellen Kohlsuppe Garbure auch sein Sonntagshuhn auf der Karte hat: „Le Poule au Pot“, geschmort mit Karotten, Thymian, Lauch und Zwiebeln. Geradezu entzückt würde er über den Boulevard des Pyrénées mit seinen herrschaftlichen Fassaden flanieren, mit dem sich Pau Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ein elegantes Gepräge verschaffte. Fast zwei Kilometer ist dieser Balkon der Stadt lang, hinter dem sich die weißen Gipfel der Pyrenäen als phantastische Kulisse erheben.

          Der Boulevard des Pyrenees im Städtchen Pau.

          Neugierig würde der gute König in die Standseilbahn steigen, die 1908 erstmals verkehrte, und hinunterzuckeln in die Unterstadt, in der er sich den rennsportverrückten Einwohner von Pau auf der Tribüne anschließen würde. Hinterher liefe er neugierig durch den gelben Stelenwald der „Tour der Giganten“ und schüttelte den Kopf darüber, dass heute nicht mehr Schlachtenlenkern und Intriganten Denkmäler errichtet werden, sondern Tour-de-France-Siegern. Und zum guten Schluss eines aufregenden Tages würde er sich ein Stück „Le Russe“ gönnen, eine Cremeschnitte, deren Füllung angeblich an die verschneiten Weiten Russlands erinnert.

          Auf alten Wegen nach Spanien

          Pau mit seinen heute achtzigtausend Einwohnern war und ist die Hauptstadt des Béarn, das zusammen mit dem französischen Baskenland das Département Pyrénées-Atlantiques im äußersten Südwesten des Landes bildet. Das grüne Pyrenäenvorland läuft nach Süden in vier Bergtäler aus, die einige der schönsten Wanderstrecken Frankreichs beherbergen. Jahrhundertelang war die Region sich selbst genug und schaffte es, ihre politische Eigenständigkeit und ihre eigene Sprache, das Béarnais, zu bewahren. Mal gehörte das spanische Königreich Navarra den Herrschern des Béarn, dann wieder nicht, mal mischten sie ein wenig in der französischen Politik mit, dann hielten sie sich wieder heraus.

          Beistand für die Pilgerreise suchte man einst und jetzt in der Kirche Sainte-Marie in Oloron.

          Die Pilger, die auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela wanderten, schützten sie und bauten ihnen Unterkünfte und Kirchen wie Sainte-Croix in Oloron-Sainte-Marie. Das dunkle, romanische Gewölbe mit seinen mächtigen Rundbögen wirkt zugleich einschüchternd und beschützend. Zarter Frauengesang aus verborgenen Lautsprechern unterstreicht die strenge Schönheit des Ortes und versetzt den Besucher in die Zeit zurück, als die abgekämpften, ausgemergelten, verschwitzten Pilger hier Gottes Segen für den lebensgefährlichen Rest der Reise durchs Gebirge erflehten. Und auch heute noch wandern jedes Jahr Tausende von ihnen auf den alten Wegen nach Spanien.

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