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Daressalam : Am Haus des Friedens wird hart gearbeitet

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Mit dem Land geht es aufwärts, mit den Häusern ebenso: Skyline von Daressalam. Bild: Picture-Alliance

Daressalam ist seit der Kolonialzeit das wirtschaftliche Zentrum Tansanias. Die Stadt wächst und wächst, offensichtlich ohne Ende, und die Träume vor allem ihrer jungen Bewohner sind genauso grenzenlos.

          8 Min.

          Wenn man übers Meer nach Daressalam kommt, bemerkt man als Erstes den Gestank. Viele Touristen wählen diesen Weg, wenn sie von den Stränden Sansibars in die Weiten der Serengeti wollen. Und ihnen dämmert schon beim Anlegen der Fähre, dass die größte Stadt Tansanias mit den beiden touristischen Perlen des Landes nicht mithalten kann.

          Auch wir stolpern in der Hoffnung auf frische Luft nach draußen, sobald der Katamaran, der Sansibar mit dem Festland verbindet, das Tempo drosselt und in den Hafen einläuft. Die Fähre hüpft in weniger als zwei Stunden mit Volldampf über die Wellen des Indischen Ozeans, und so gut wie alle afrikanischen Passagiere, ganz gleich ob vom Festland oder von der Insel, hängen im Innern des Bootes über Tüten, die die Besatzung zu Beginn der Fahrt routiniert austeilte. Vielen Ostafrikanern sind offene Gewässer generell nicht geheuer, und den wilden Ritt über das Meer überstehen ihre Mägen nicht. Wir fliehen also vor dem Geruch des Erbrochenen nach draußen, nur damit uns der Duft nach verbranntem Müll und verfaultem Fisch in die Nase ziehen kann.

          Wir schauen nach oben und blicken direkt in das moderne Daressalam, das sich seine Träume in Form einer imposanten Skyline an die Hafenpromenade in den Himmel gebaut hat. Als wir schließlich aus dem Hafengebäude treten, folgt auf den Gestank der Lärm. Dreißig Taxi-, zwanzig Tuk-Tuk- und zehn Motorradfahrer bestürmen uns gleichzeitig, dazwischen Mamas, die Körbe voll Bananen auf ihren Köpfen balancieren, indische Geschäftsleute, die kiloweise Gepäck hinter sich herziehen, und fliegende Händler, die Kekse, Wasser und Ladekabel verkaufen.

          Zwischen Safari und Strandurlaub

          Es ist einer dieser Empfänge in einer fremden Stadt, bei denen man erst durchatmet, wenn man die Zimmertür hinter sich geschlossen hat. Für die meisten Besucher wird Daressalam so zu kaum mehr als einem Nadelöhr zwischen Safari und Strandurlaub, durch das sie gehen müssen, weil Reisen in Afrika sehr lange dauert und man eine Distanz von knapp neunhundert Kilometern unmöglich innerhalb eines Tages zurücklegen kann. Da so gut wie alle namhaften Hotelketten hier einen Ableger haben, ist zum Übernachten genug Platz für alle. Vielleicht schafft es der ein oder andere noch, sich über die beiden Kirchen in der Nähe des Hafens zu wundern, die man eher in Schwaben als in einer afrikanischen Tropenstadt vermuten würde. Aber bevor darüber ernsthafte Gedanken aufkommen, wird früh am nächsten Morgen bereits zur Abfahrt gerufen, denn man will zum Sundowner am Lake Manyara sein. Wir atmen hinter unserer Zimmertür ein paarmal tief durch und bleiben trotz Lärm und Gestank länger in der Stadt.

          Am Altar der lutherisch-evangelischen Azania-Kirche steht noch heute eine Inschrift in deutscher Sprache.

          So lernen wir: Die evangelische Azania-Kirche wurde 1898 und die katholische St.-Josefs-Kathedrale zwischen 1897 und 1902 gebaut, knapp zehn Jahre nachdem der Sultan von Sansibar Daressalam und die gesamte Küste des heutigen Tansanias an die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft verpachtet hatte. Im Jahr 1890 verkaufte sein Nachfolger Stadt und Küste an die Deutschen. Ein Vorgänger der beiden, Sultan Sayyid Mâdjid, war es, der 1862 seine Residenz auf das Festland verlegen wollte und dafür das Dorf Mzizima in Dar as-Salâm verwandelte, was arabisch ist und „Haus des Friedens“ bedeutet. 1891 machte die Kolonialverwaltung Deutsch-Ostafrikas die Stadt zu ihrem Hauptsitz. Nachdem die Briten die Deutschen im Ersten Weltkrieg auf afrikanischem Territorium besiegten, wurde Deutsch-Ostafrika zu Tanganyika mit Daressalam als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Stadt immer weiter, nicht zuletzt aufgrund der Inder, die während der britischen Mandatsregierung ins Land kamen, um Handel zu treiben.

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