https://www.faz.net/-gxh-nz1a

Concorde : Jet ohne Set

  • -Aktualisiert am

Bald hat die Concorde ihren endgültigen Halt erreicht Bild: AP

Wohl im Lotto gewonnen: Die letzten Überschallflüge der Concorde sind fast ausgebucht, und an Bord herrscht Partystimmung.

          3 Min.

          Sir Paul McCartney trägt einen eleganten dunkelblauen Anzug, er ist ebenso wie Ehefrau Heather Mills bester Stimmung, als er die Concorde-Lounge von British Airways auf dem Flughafen London-Heathrow betritt. Eben noch ist eine Servierdame mit einem ganzen Tablett voller Kristallgläser mit Champagner und Orangensaft gestolpert, die geballte Ladung ging krachend hernieder auf die feine Auslegeware. Hilfreiche Gestalten haben das Malheur aber schnellstens beseitigt, und der Ex-Beatle bemerkt nichts, als er die Stelle Minuten später passiert.

          Einige andere Concorde-Gäste, offensichtlich zur hier kaum vertretenen Spezies der Selten-Überschallflieger gehörend, tuscheln miteinander und trauen sich schließlich, Sir Paul anzusprechen und höflich um ein Autogramm zu bitten. Schon das ist hart am Rande der ungeschriebenen Benimmregeln dieses exklusiven Clubs, wo, wenn man schon selbst nicht reich, berühmt oder wichtig ist, man wenigstens emsig so tut und sich durch ein paar Weltstars nebenan nicht aus der Ruhe bringen läßt.

          1A-Prominenz immer in der ersten Reihe

          Sir Paul weist die Bittsteller daher auch lächelnd in ihre Schranken: "I never do this when I am travelling, but I can shake your hand", verkündet er großmütig und mit distinguiertem Akzent. Ergeben nehmen die zwei Vorwitzigen die Geste entgegen und ziehen sich wieder in die andere Ecke des Concorde Room zurück.

          Niemand würde auch nur daran denken, hier seine Kamera zu zücken für ein Erinnerungsfoto. Das weiß auch Hugh Grant, der sich in der Nähe in einem Eames-Designersessel lümmelt, die Haare wirr zu Berge stehend, und unablässig in ein Mobiltelefon spricht. Hier kann er sich geben, wie er wirklich ist - und das kommt einigen seiner Filmrollen recht nahe. Irgendwann steht er auf, plaudert vertraut mit einem ergrauten Banker - Concorde-Stammkunden unter sich.
          Als sich auch ihm einer der mitfliegenden Autogrammjäger nähert, verweigert sich der Filmstar nicht, fühlt sich aber unbehaglich. Mit leicht tänzelnden Beinbewegungen wirft er hastig etwas aufs Papier und verschwindet anschließend sofort auf die Toilette. Nur königliche Hoheiten (und solche, die es mal waren) haben es besser: Sarah Ferguson, die Herzogin von York, wird direkt in ihrer Limousine an die vor der Lounge parkende Concorde gefahren, als alle bereits sitzen. Weit hat sie es in der Kabine nicht: Für 1A-Prominenz wird stets bis zuletzt die erste Reihe freigehalten.

          Nur noch wenige Plätze buchbar

          Unterwegs mit den Großen dieser Welt - so war Concorde-Fliegen bis zum Frühjahr 2003, fast 27 Jahre lang. Das Beste war gerade gut genug, wenn man bis zu 15 000 Euro für den Hin- und Rückflug und damit das Eintrittsgeld für den Jet-set in seiner reinsten Form hingeblättert hatte. Schon in der holzgetäfelten Lounge standen feinster Rose-Jahrgangschampagner und andere Edeltropfen bereit. Doch seit dem 10. April ist alles anders. An diesem Tag gaben Air France und British Airways bekannt, noch in diesem Jahr die Flüge mit dem schönsten und mit Mach 2,02 (doppelter Schallgeschwindigkeit von rund 2190 km/h) auch schnellsten je gebauten Passagierflugzeug einzustellen. Um die in den frühen siebziger Jahren gebaute Flotte aus zu Jahresbeginn gerade noch neun flugfähigen Maschinen weiter in der Luft zu halten, wären derart hohe Millionen-Investitionen erforderlich gewesen, daß sich die wirtschaftlich ohnehin leidenden Airlines dazu nicht entschließen konnten.

          Weitere Themen

          Touristenboom auf Kosten der Natur? Video-Seite öffnen

          Grönland : Touristenboom auf Kosten der Natur?

          Mit seiner wilden Natur und der unberührten Landschaft lockt Grönland immer mehr Touristen an. In den Regionen im Osten freuen sich zwar viele über die Entwicklung, doch sie fürchten auch Negativfolgen.

          Acht Rubens im Niemandsland

          Spanien : Acht Rubens im Niemandsland

          Die Hochebene der kastilischen Provinz Soria ist ein Paradebeispiel für das „leere Spanien“. Doch sie hält einige Überraschungen bereit.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.