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Chinesische Landschaft : Mondsichel und Märchenfee

Dem Poeten Fang Chengda wollte im zwölften Jahrhundert niemand glauben, dass es in Guilin wirklich so aussieht. Heute gibt es zum Glück Fotografien. Bild: Freddy Langer

Zu schön, um wahr zu sein: Die Karsthügel von Guilin sind der Inbegriff der chinesischen Landschaft. Und der bezauberndste Ort der Welt. Ein Tagesausflug in einen Traum.

          8 Min.

          Beginnen muss die Geschichte dieses Tages mit dem Abend, am Eingang zur Freilichtbühne von Yangzhou, auf dessen Vorplatz etliche Dutzend Busse etliche tausend Menschen entlassen, die sich dort drängen und schieben und wechselseitig im Wege stehen und mit gereckten Hälsen nervös nach roten Schirmen, blauen Fähnchen oder goldenen Fächern Ausschau halten, um nicht den Anschluss an ihre Gruppen und Reiseleiter zu verlieren. Es ist ein nicht enden wollender Lindwurm, der durch das große chinesische Tor zieht und weiter durch einen Park bis zu den Stuhlreihen am Ufer des Li-Flusses. Fast viertausend Besucher fasst das Theater, jede Vorstellung ist ausverkauft - vor einer Kulisse, wie es sie auf der Welt kein zweites Mal gibt.

          Freddy Langer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Der Fluss ist die Bühne, und ein Halbrund von Karstbergen mit zerklüfteten Spitzen und sanften Kuppen wird zum Bühnenbild. Später, wenn die Sonne endgültig untergegangen ist und der Nachthimmel die Szene schwarz umfängt, werden diese Felsen angestrahlt in leuchtenden Farben, dass es aussieht, als seien sie riesige Brillanten, die funkelnd über dem dunklen Wasser schweben. Dann schreit das Publikum laut auf vor Begeisterung.

          Romantische Verklärung des Lebens am Fluss

          Aus meterhohen Lautsprechern wabert verzaubernde Musik mit Flötenklängen, Streicherteppichen und dem silberhellen Gebimmel zarter Glöckchen über die Landschaft. Und aus der Tiefe der Finsternis schälen sich die Umrisse Hunderter von Männern auf Bambusflößen. Dazwischen wehen lange Bahnen blutroten Seidentuchs über dem Wasser, so dass man glauben könnte, der Fluss sei von Blut getränkt. Dabei symbolisiert im Verständnis der hiesigen Bevölkerung die Farbe Rot den Stolz und den Enthusiasmus der Fischer, der sie bei ihrer Arbeit befeuert. Danach wird die Szenerie in leuchtendes Grün getaucht, als Zeichen des Gartens. Und bald darauf in leuchtendes Blau, als Zeichen der Liebe.

          “Sanjie Liu“ heißt das Stück, das hier seit knapp zehn Jahren Abend für Abend mit sechshundert Darstellern und Komparsen aufgeführt wird. Es ist ein Spektakel der Massen, der Farben und der Kostüme, das weniger einer Handlung folgt, als mit sehr viel Musik und sehr viel romantischer Verklärung das Leben am Fluss schildert. Männer tragen ihre Kormorane herbei und fangen bei Fackelschein Fische, oder sie treiben ihre Wasserbüffel über schmale Stege nach Hause. Frauen waschen fröhlich ihre Wäsche im Fluss oder stehen am offenen Feuer und kochen für die Familie. Das alles ist so prächtig inszeniert, wie die Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, für die derselbe Regisseur verantwortlich war. Nur noch ein wenig opulenter, grandioser, maßloser, mit ständig neuen Ornamenten, zu denen die Menschenmassen sich formieren.

          Bregenz, Pink Floyd und André Heller in einem

          Und zwischendrin: die Märchenfee Sanjie, die berühmt ist für ihre unübertroffene Schönheit und ihren unübertroffenen Gesang und die sich im Anschluss an ihren Tanz im hautengen Dress nach allen Regeln der Verführungskunst auf einer Mondsichel räkelt, so dass zumindest diese Symbolik an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übriglässt. Und dann kommt am Ende auch wirklich auf einem Boot prächtig und stark ein Prinz herbei getrieben, während auf einem Steg die wohl längste Chorus Line der Welt mit zweihundert Mädchen in silbernen Kostümen das Licht in alle Richtungen reflektiert, als habe sich der Sternenhimmel sanft wie ein Laken auf die Erde gelegt.

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