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Canyoning im Zillertal : Alles in einem Fluss

An manchen Stellen hilft nur Abseilen. Bild: Andreas Lesti

In den Alpen ist genug Platz für Abenteuer auf Abstand: Zum Beispiel beim Canyoning in Tirol – und das geht sogar mit Kindern.

          4 Min.

          Noch schauen die Kinder etwas ungläubig drein. Wie? Sie sollen in einer Schlucht, im Fluss nach unten wandern, dabei durchs Wasser waten, schwimmen, durch Höhlen klettern, von Felsen springen, durch Rinnen rutschen und sich neben Wasserfällen abseilen? Wir sitzen im Auto und fahren von Mayrhofen im Zillertal hinauf in ein Seitental, den Zemmgrund. Dunkle Granitwände ragen links und rechts auf, die Wolken verziehen sich gerade, und auf einer Brücke können wir zum ersten Mal hinunter in die Zemm schauen, den Fluss, in den wir uns gleich stürzen werden. Zum Glück ist Bernhard Neumann dabei, ein Bergführer aus Mayrhofen, der „Jump & Run Canyoning“ anbietet, für Kinder ab neun Jahren, aber er nimmt auch mal eine Siebenjährige mit, wenn sie groß und bewegungstalentiert ist, so wie heute. Und da sitzen sie nun also, sieben und neun Jahre alt, dick eingepackt in Neoprenanzug, Neoprenhaube, wasserfesten Schuhen, Klettergurt, Helm, und beantworten Bernhards Frage, ob sie aufgeregt seien mit einem zarten: „Ja“.

          Andreas Lesti

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber Bernhard Neumann weiß, was er da macht, und sagt mit einer beruhigenden Stimme: „Das mache ich mit meiner Tochter auch, zum Beispiel zum Kindergeburtstag mit ihren Freundinnen.“ Schon vor einer halben Stunde hat er gemeinsam mit seiner Frau Kathrin in einem kindgerechten Briefing erklärt, dass es um den Spaß geht, aber gewisse Gefahren zu beachten seien. Da merkten sie schon, dass wir sie heute nicht durch die Niagarafälle jagen wollen, sondern in einen „natürlichen Abenteuerspielplatz“. Und wenn sie sich etwas nicht zutrauten, einen Sprung oder eine Rutsch etwa, dann müssten sie das auch nicht machen. „Wir haben immer eine Alternative“, sagten sie und fragten abschließend noch, ob sie eine „Allergie gegen kaltes Wasser“ hätten.

          Wasser, maximalerfrischend

          Vor einem Tunnel parkt Bernhard nun das Auto am Straßenrand. Ungelenk steigen wir in unseren Anzügen aus und klettern über einen Pfad hinunter ins Flussbett. Staunend stehen wir zwischen riesigen bemoosten Felsen, durch die sich die Zemm hindurchwindet und an kleinen Kanten Wasserfälle bildet. Ein paar Holzstämme liegen quer, und über uns schwebt eine Hängebrücke vor einem kleinen Ausschnitt des Himmels. Die Kinder stapfen mit den Schuhen durch eine knietiefe Wassersenke, lachen ungläubig und freuen sich darüber, dass sie nun genau das machen dürfen, was man ihnen in solchen Situationen sonst untersagt. Aber das Wasser ist wirklich kalt, es kommt hoch oben aus den vergletscherten Bergen des Zillertals, sammelt sich im Schlegeisspeicher und fließt dann durch dieses wilde Tal hinunter. Hier hat es zehn Grad, „maximalerfrischend“, sagt Bernhard, und zu den Kindern gewandt: „Das kalte Wasser ist am Anfang immer das Gemeinste. Aber dann wird euch schnell warm.“

          Jeder Schritt wird genau besprochen: Canyoning mit Kindern.

          Unser Guide geht voraus, springt von Fels zu Fels, watet durchs Wasser, duckt sich unter einen Baumstamm – und die Kinder tun es ihm gleich. Die Sonne schickt ein paar erste schräge Strahlen in die Schlucht, und das macht das ganze Erlebnis noch märchenhafter. Die drei sehen aus wie ein Elf mit zwei Hobbits im Schlepptau, die irgendwelche Abenteuer in Mittelerde bestehen müssen. An einer Kante bleibt der Elf stehen, und die beiden Hobbits schauen vorsichtig nach unten. „Und, was meint ihr?“, fragt er sie. „Traut ihr euch zu springen?“ Es sind etwa zwei Meter in ein tiefes Felsbecken, Gumpen genannt. Die Zemm fließt hier sehr langsam und schwappt fünf Meter weiter an eine Sandbank, wo man problemlos wieder ans Ufer kommt.

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