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Camping in Deutschland : Raus hier

Das prägt das Bild, und man muss es im Hinterkopf behalten, wenn man den Imagewandel der touristischen Plätze, der sich in den vergangenen Jahren vollzogen hat, genauer betrachtet: Auf vielen dieser Plätze wurde renoviert, saniert, wurden neue Sanitätshäuser gebaut und Stellplätze umgestaltet. Einige wurden zu Fünf-Sterne- oder Glampingplätzen, weil das glamouröse Campen neue und zahlungskräftige Gäste bringt. Mittlerweile gibt es Glampingplätze mit privatem Badezimmer, Schwimmbädern, Wellnesscenter und hochwertigen Restaurants, wie beispielsweise Camping Hopfensee im Allgäu oder der Ferienpark Havelberge an der Müritzer Seenplatte. Dort muss man auch nicht zwingend im Zelt oder Bus schlafen, sondern kann in designten Bungalows, Mobilheimen, Chalets oder Komfortsafarizelten wohnen. Doch das ganze Sanieren und Herausputzen macht die Natur gleich wieder zum ersten Opfer. Ein naturfernes Chalet mit gesalzenen Preisen? Da kann man sich die Frage stellen, warum man nicht gleich in eine Ferienwohnung geht.

Zum Imagewandel tragen auch die vielen Bücher und Magazine bei, die diesen neuen Stil vorgeben. Die Reihe „Cool Camping“ machte 2008 den Anfang. Mit dem Untertitel „sensationelle Plätze zum Zelten“ wählten die Autoren Campingplätze in Deutschland (zuletzt unter dem Namen „Camping-Glück“ neu aufgelegt) und Europa aus, die eben keine bekiesten Parzellen mit akkurat geschnittenen Hecken boten, sondern verwilderte Seegrundstücke mit nicht viel mehr als einem Steg und einer Holzhütte, aus der die Betreiber Espressi und Roastbeef-Sandwiches verkauften. „Die Nachfahren von Robinson Crusoe, Ernest Shackleton und Bruce Chatwin haben sich ihr Fernweh bewahrt. Und damit ihr feines Gespür für die Magie starker Orte, Traumpfade, für das Abenteuer des einfachen Lebens“, ist im Vorwort der ersten deutschen Ausgabe zu lesen. Und bis heute kommen jeden Monat neue Bücher und Magazine auf den Markt, die sich in ihrer Ästhetik kaum unterscheiden und alle auf das Lebens- und Freiheitsgefühl in der Natur abzielen. Sie heißen „Happy Campers – Glück auf Rädern“, „Yes We Camp“, „Depart. Aufbruch in die Freiheit“, „Drive Your Adventure“, „Camp & Cook“, „Off the Road“, „On the Road“ und „Die Vanlife-Kultur“. Und genauso wie kaum ein Titel ohne Anglizismus auskommt, schafft es kein Klappentext, auf die Wörter Individualität, Freiheit, Lifestyle oder Abenteuer zu verzichten.

Dieser ganze Wandel macht, wer hätte es gedacht, deutsche Campingplätze mittlerweile auch fürs Ausland interessant. 13 Prozent der Gäste kamen 2018 aus den Niederlanden, der Schweiz, Belgien und Skandinavien – laut der BVCD ein „historischer Spitzenwert“.

Glückliches Paar, das einen Platz direkt am See bekommen hat.
Glückliches Paar, das einen Platz direkt am See bekommen hat. : Bild: Picture-Alliance

Der Wunsch wird Wirklichkeit

Der Traum: An einem Steg sitzen junge Menschen, Füße baumeln im Wasser, viele haben ein kaltes Getränk in der Hand, die Sonne wird bald untergehen, der See glitzert, und am Ufer bereiten Kinder am Lagerfeuer ihr Stockbrot vor.

Die Realität: Nach einer Nacht am Werbellinsee fahren die beiden in ihrem blauen Bus weiter in die Uckermark, weil ihnen dort ein Campingplatz mit einer angenehmen Atmosphäre empfohlen wurde. Als sie am Abend ankommen, sitzen an einem Steg junge Menschen, Füße baumeln im Wasser, viele haben ein kaltes Getränk in der Hand, die Sonne wird bald untergehen, der See glitzert, und am Ufer bereiten Kinder am Lagerfeuer ihr Stockbrot vor.

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