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Burundi : Trommeln, wenn der Muzungu kommt

Samstagmittag in Bujumbura: Wenn schulfrei ist, entspannt sich die Stadtjugend am Tanganjikasee. Bild: Andrea Diener

Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber reich an Natur und Kultur. Allmählich lassen die Menschen den Bürgerkrieg hinter sich und hoffen auf den Tourismus. Es ist dort noch viel zu tun, aber auch viel zu entdecken.

          Vier strohgedeckte Hütten und ein dicht geflochtener Zaun aus Zweigen, über den man gerade so hinwegsehen kann: das ist der burundische Königspalast in Gishora. Eine Hütte ist für den König gedacht, eine fürs Gefolge, eine für den königlichen Wahrsager, und eine Hütte beherbergt zwei der heiligen Trommeln. König, Gefolge und Wahrsager, gibt es längst nicht mehr, doch die beiden heiligen Trommeln sind immer noch da. Ruciteme und Murimirwa heißen sie. Sie liegen in ihrer schattigen Hütte, und zwei handgeschriebene Schilder weisen die wenigen Besucher, die kommen, um sie sich anzuschauen, auf ihre Namen hin.

          Wer ins ländliche Burundi fährt, muss damit leben, eine Sensation zu sein. Sobald wir aus dem Bus steigen, kommen Kinder angelaufen und rufen „Muzungu! Muzungu!“, das heißt „Weißer“. Dieses Wort ist keine Beleidigung, sondern erst einmal die nüchterne Feststellung eines ziemlich selten auftretenden Sachverhaltes. Sehr bald steht man dann vor einer Kinderhorde, die freundlich „Bonjour“ sagt, um sich dann gegenseitig anzuschubsten und zu kichern, wenn der Muzungu mit einem ebenso freundlichen „Bonjour“ antwortet.

          Als sich der König beim Rinderbauern versteckte

          Heute kommen nicht nur die Kinder angelaufen, sondern auch die Erwachsenen, die auf den kleinen Feldern arbeiten, von deren Ertrag die meisten Menschen hier leben. Das halbe Dorf hat sich versammelt, denn heute werden die Trommler für uns trommeln. Die Trommler sind für Burundi ungefähr das, was die Symphoniker für Wien sind und der Thomanerchor für Leipzig, oder vielleicht sogar beides zusammen und doppelt so wichtig. Was es mit den Trommeln auf sich hat und speziell mit Ruciteme und Murimirwa, das weiß man aber erst, wenn man ihre Geschichte kennt, und die bekommen wir von Antime erzählt, der 78 Jahre alt ist und sein Leben lang für Burundi getrommelt hat.

          Es war im Jahr 1908, erzählt Antime, als der König von seinem Cousin vom Thron gestoßen wurde. Der König floh mit seiner engsten Leibgarde und landete schließlich hier, auf diesem Hügel, auf dem damals ein wohlhabender Rinderbauer sein Haus hatte. „Ich bin’s, dein König!“, sagte der König. „Ich bin auf der Flucht und muss mich verstecken!“ Wenn das wirklich der König ist, muss ich ihn verstecken, dachte der Rinderbauer. Aber wenn man ihn in meinem Haus findet, werde ich umgebracht. „Also gut“, sagte der Bauer. „Ich verstecke dich in meinem Getreidespeicher.“

          Burundisches Kleinstadtleben: Eine Frau trägt ihre Ernte nach Hause.

          Zwei Trommeln für besondere Anlässe

          So geschah es. Der König bekam zwei Gucklöcher gebohrt, dann füllte der Bauer den Speicher bis oben hin voll mit Getreide, bis vom König nichts mehr zu sehen war. Bald darauf kamen zwei Männer mit Suchhunden vorbei. „Wir suchen den König“, sagten sie. „Hast du den gesehen?“ Der Bauer verneinte. Und unter all dem Getreide konnten die Hunde den König nicht riechen. Also gingen die Männer weiter. Kurze Zeit später kamen wieder zwei Männer: „Wir suchen den König“, sagten sie. „Wir wollen ihm nichts Böses, wir sind sein Gefolge.“

          Der Bauer traute den Männern nicht, und so führte er sie erst einmal in sein Haus. Als sie am Getreidespeicher vorbeikamen, hörte der Bauer den König flüstern: „Ja, das ist mein Gefolge!“ Der Bauer befreite den König aus dem Speicher. Das Gefolge und der König sammelten bald eine Armee um sich, und so gelang es ihnen, den Cousin vom Thron zu verjagen. Zum Dank bekam der Rinderbauer zwei prächtige Rinder geschenkt, die Ruciteme und Murimirwa hießen.

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