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Hotel „The Strand“ : Bett, Bar und Billard in Burma

Klein, aber fein: Die klare Fassade hat sich seit dem letzten Umbau in den zwanziger Jahren nicht verändert. Bild: The Strand Hotel

Das älteste Hotel von Rangun ist bis heute das luxuriöseste. Behutsam renoviert, bietet es eine entspannte Basis zur Entdeckung der lebhaften Metropole Burmas.

          Die Kolonialgebäude Burmas sind legendär verfallen, überzogen von einer moosig grünen Schicht, sie bröseln und bröckeln an allen Enden, so dass man beständig um die Statik bangen muss. Die meisten stehen hier seit gut einem Jahrhundert, man würde aber eher auf drei Jahrhunderte tippen. Das tropische Klima nagt an der Substanz der Altstadt aus der Zeit der britischen Herrschaft mit ihrem Zollgebäude und der Hafenverwaltung, mit den alten Wohnhäusern, dem zentralen Bahnhof und dem „Secretary“, der ehemaligen Kolonialverwaltung. Die Militärdiktatur, die lange das Land beherrschte, hat vieles vergammeln lassen. Inzwischen ist zum Glück nicht nur die Diktatur weitgehend Geschichte, auch das Bewusstsein für das Bauerbe ist erwacht.

          Eines der alten Häuser strahlt auffallend frisch poliert und renoviert an der Straße, nach der es benannt wurde: das „The Strand“ am „The Strand“, Yangons ältestes und luxuriösestes Hotel. Es ist einer jener sehr britischen Kästen mit klassizistischer Fassade, humanistisch gebildeter Säulenordnung und ein paar verspielt-exotischen Details, mit einer riesigen, gutbestückten Bar, einem Butler, der jederzeit Tee auf’s Zimmer bringt und allem Komfort des Königreiches.

          Dem Strand geht alles promenadenhafte ab

          Das koloniale Rangun wurde einst nach dem Vorbild Singapurs geplant. In den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts machten sich die Engländer daran, aus der Ansammlung von Bambushütten, die man gerade zur Hauptstadt von Burma erklärt hatte, eine moderne Handelsstadt mit einem Hafen zu entwerfen, und eine Strandpromenade sollte unbedingt dazugehören. Das offene Meer liegt zwar einige Kilometer flussabwärts, doch es war für Schiffe ein Leichtes, sich den Yangon River hinaufzubewegen, der sich vor der Stadt gabelt und Rangun mit einem stärkeren und einem weniger starken Arm umfängt.

          Kühl und ruhig ist es in der Lobby - alles, was man nach einem tropischen Tag in der vollen Stadt braucht.

          Hinter der breiten Promenadenstraße entstand ein schachbrettartiger Grundriss aus Längs- und Querstraßen mit gleichgroßen Rechtecken, der noch heute besteht. Dem Strand jedoch geht alles promenadenhafte ab, er ist nun eine Straße, auf der Taxis und Motorroller, Busse und Transporter entlangbrummen. Gegenüber rund um das Fährterminal der Flussfähre suchen scheue Straßenhunde und ungleich rabiatere Krähen einen kleinen Markt heim, auf dem Obst, Gemüse und Fleisch verkauft werden. Nach rechts hin hat sich entlang des modernen Hafens eine schier endlose Reihe an Garküchen angesiedelt, bei denen man Nudelsuppe und Spießchen in allen Varianten auf niedrigen, bunten Plastikhockern verzehren kann. Wer heute im „Strand“ wohnt, der findet vor der Tür gleich das pralle Leben vor.

          Vom Schiff ins Bett

          Es waren zwei armenische Brüder, Aviet und Tigran Sarkies, Sprösslinge einer umtriebigen Händlerfamilie, die die richtige Nase hatten und das „Strand“ gründeten. Zuvor hatten sie schon mit dem berühmten „Raffles Hotel“ in Singapur Erfolg gehabt, nun nahmen sie sich die junge Handelsstadt am Andamanischen Meer vor. Gleich gegenüber dem Hafenpier, so dass man aus dem Schiff praktisch gleich ins Bett fiel, sollte das Haus entstehen.

          Im Frühstückssalon: Im Jahr 1901, dem Todesjahr Königin Viktorias, eröffnete das „Strand“ nach nur einem Jahr Bauzeit.

          Es half, dass im Jahr 1869 der Suezkanal eröffnet wurde. Vorher musste ein Brite 11.200 Meilen nach Bombay reisen, durch den Kanal war es nur noch die Hälfte. Und mit dem schwunghaften Handel entwickelte sich ein erster, vorsichtiger Trend zum Asien-Tourismus. Es entstand ein Bedarf, nämlich der nach sauberen, annähernd so luxuriösen Hotelzimmern, wie man sie aus dem Savoy in London gewohnt war, dazu ein Billardtisch, Bar und vernünftiges Essen. Davon konnte bislang in ganz Asien keine Rede sein. Und in diese Geschäftslücke stießen die Sarkies vor.

          Das „The Strand“ am „The Strand“: Yangons ältestes und luxuriösestes Hotel mit einer riesigen, gutbestückten Bar, einem Butler, der jederzeit Tee auf’s Zimmer bringt und allem Komfort des Königreiches.

          Im Jahr 1901, dem Todesjahr Königin Viktorias, eröffnete das „Strand“ nach nur einem Jahr Bauzeit. Rangun war, verglichen mit den asiatischen und indischen Metropolen, vergleichsweise beschaulich. Es hatte 250 000 Einwohner, Ölfunzeln beleuchteten nachts die Straßen, man vertrieb sich die Zeit in Clubs und beim Tennis. Eine dampfgetriebene Straßenbahn tuckerte am Ufer entlang durch die Stadt zur großen Shwedagon-Pagode, einem der wichtigsten religiösen Zentren des Landes und auch damals bereits eine weithin berühmte Sehenswürdigkeit. Immerhin gab es eine Filiale der Telegrammfirma Reuters und eine des Reisebüros Thomas Cook, man konnte also nicht verlorengehen.

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