https://www.faz.net/aktuell/reise/bukarest-zum-entdecken-verwunschene-gaerten-und-altstadtviertel-17720093.html

Unbekanntes Bukarest : Kommt, wir teilen ein Geheimnis!

  • -Aktualisiert am

Direkt an der Flaniermeile: Das Kloster Stavropoleos in der Bukarester Altstadt. Bild: picture alliance / robertharding

Für ihre verwunschenen Gärten und die schummrigen Straßen macht die rumänische Hauptstadt keine Werbung. Zu entdecken gibt es dort trotzdem eine ganze Menge.

          6 Min.

          Die Lampen erlöschen, die Handykameras schieben sich Richtung Fenster. Auf Abendflügen das internationale Signal für: Gleich landen wir. Dutzende Displays filmen die Lichtpunkte Bukarests vor dem Tiefschwarz der Provinz. Auch wenn man die Wohnblocks noch nicht erkennt, blinzelt die Stadt ihren Besuchern bereits aus hundert Augen zu. Scheinbar leicht überrascht blinken die Werbetafeln von Coca-Cola und Co.: Schön, dass du da bist. Zumindest könnte man das denken, im Halbschlaf, am Fenster, wenn einem im Billigflieger plötzlich ein fremdes Handy vor dem Gesicht baumelt. Und wenn man weiß, dass jährlich kaum mehr als eine Million Ausländer Bukarest besuchen.

          Geht man eine Liste der größten Städte der EU durch, dann kommen wie von selbst Erinnerungen an Studienfahrten, Filmszenen und Postkartenmotive auf: Schloss Schönbrunn, der funkelnde Eiffelturm, ein raues Kreuzberg. Dann kommt, auf Platz 7, Bukarest, und das innere Auge macht Pause. Die rumänische Hauptstadt wirkt wie der Sonderling, und nach nur wenigen Tagen lässt sich sagen: zu Recht. Und: zum Glück.

          Zu Recht, weil die Stadt ihre Besucher ziemlich ratlos ins Vergnügen wirft. Besucht man die offizielle Website des Tourismusministeriums, „romania.travel“, ist sie nicht erreichbar. Telefoniert man Vertretungen in Deutschland ab, klingelt es ins Leere. Und zum Glück, weil man sich in dieser Stadt, für den Bukarester Schriftsteller Mircea Cărtărescu ein „Spinnennetz“ und „Labyrinth“, hervorragend auf eigene Faust verlaufen kann. Wohldosierte Fremde und Abstand von Deutschland also, mit Kartenzahlung als Standard und dem drittschnellsten Internet der EU.

          „The future will be confusing“

          Den Süden der Stadt kann man sich schenken. Endlose Plattenbauten, gefühlt hundertspurige Straßen – und doch nicht genug, denn aktuellen Studien zufolge verlieren die Bewohner keiner anderen Stadt so viele Stunden im Stau. Also direkt ins Zentrum und in den Norden, wo Gleichförmigkeit kein Thema ist und wo man sich hervorragend zwischen den Autos durchschlängeln kann. Die Calea Victoriei spaziert man am besten komplett entlang: Auf der langen Prachtstraße brühen die Hipster perfekten Kaffee, und es riecht nach frischem Brot, das man sich auf die neue Kleidung der Concept Stores nebenan krümeln kann. In den Seitenstraßen stehen Jugendstilvillen neben modernen Stahlkonstruktionen, Sowjetbauten neben hölzernen Hexenhäuschen. Nichts passt hier zusammen, im Schaufenster eines runtergerockten Wohnhauses steht in Leuchtlettern „the future will be confusing“. Man glaubt es sofort. Schon in der Gegenwart sammeln sich orientalische Einflüsse und Frankophilie, und vor allem Ceaușescus Programm der „Systematisierung“.

          Zusammengewürfelt: Das Altstadtviertel Lipscani mit seinen Kirchen, Regierungsgebäuden und dem winzigen Stavropoleos-Kloster
          Zusammengewürfelt: Das Altstadtviertel Lipscani mit seinen Kirchen, Regierungsgebäuden und dem winzigen Stavropoleos-Kloster : Bild: picture-alliance

          Für seine Alleen, pompösen Bauten und den monströsen Parlamentspalast südlich der Altstadt mussten in den Achtzigern ganze Stadtviertel weichen. Es wurden Klöster gesprengt, ein Drittel des historischen Zentrums verschwand. Heute ist Bukarest eine einzige gemischte Tüte, die die Bewohner kreativ weiterdenken. Direkt am Nationalmuseum etwa, wo orthodoxe und moderne rumänische Kunst hängt, steht ein eigenartiges Haus: Aus der Renaissance-Hülle mit rotem Backstein ragen Quader aus Stahl und Glas. Was früher das Hauptquartier der Geheimpolizei Securitate war, ist heute Sitz des Architektenverbands.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gerade im MINT-Bereich fehlt qualifiziertes Personal.

          Fachkräfte immer knapper : Die Personalnot kommt mit Wucht

          Ein geballter Alarmruf lässt aufhorchen: Der Mangel an Fachkräften verschärft sich drastisch, zeigen zwei neue Studien. Vor allem im MINT-Bereich fehlt Personal. Das bleibt für Unternehmen und Politik nicht ohne Folgen.
          Training für den Notfall: Soldaten aus Taiwan in der Gemeinde Hukou Township im März dieses Jahres

          Angst vor China : Was Taiwan von der Ukraine lernen soll

          Der russische Überfall auf die Ukraine hat Taiwans Bevölkerung aufgeschreckt. Was, wenn China angreift? Die Vereinigten Staaten raten: Man solle sich auf asymmetrische Kriegführung vorbereiten.
          Der eigenen sexuellen Zuordnung soll durch das neue Gesetz Rechnung getragen werden.

          Einspruch Exklusiv : Das Geschlecht sollte mehr als Selbstdefinition sein

          Die Bundesregierung möchte das Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen. Individuelle Wünsche sollten für den rechtlichen Umgang mit dem Geschlecht nicht der alleinige Maßstab sein. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Französisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Spanisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Italienisch