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Buenos Aires : Mate: Zaubertrank und Teufelszeug

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Auf Händen getragen: Mate und Bombilla Bild: Tradiciones Argentinas S.A

Um Buenos Aires in sich aufzusaugen, trinkt man am besten einen „mate“.

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          Wer in Buenos Aires sein Herz verliert, erhält zum Ausgleich einen ausgehöhlten und kunstvoll verzierten Kürbis: einen „mate“. So heißt das Gefäß, aus dem die Argentinier ihr Nationalgetränk, den Mate-Tee, zu sich nehmen.
          Mate-Tee ist mehr als ein Getränk. „Tomar mate“, einen Mate zu trinken, ist eine argentinische Tradition, ein Ritual. Ein Fremder wird mit damit willkommen geheißen und was dem Engländer sein Five-o´clock-tea, ist dem Argentinier sein Zu-jeder-Tages-und-Nachtzeit-Mate. Es bedeutet mehr, als einen Aufguss aus den unfermentierten Blättern des Matestrauches zu schlucken, dem der französische Botaniker Auguste de Saint Hilaire den Namen „Ilex paraguariensis“ gab. Denn Mate trinkt man nicht allein. Mate teilt man.

          Mate, Yerba & Bombilla

          Wenn an einem sonnigen Sonntagnachmittag eine Gruppe junger Argentinier am Plaza de San Martin auf dem Rasen sitzt, gibt es fast immer einen unter ihnen, der die nötigen Utensilien dabei hat, um einen Tee zu brauen: Die meist faustgroße Kalabasse (mate), den Mate-Tee (yerba mate), ein silbernes, 20cm-langes Saugrohr (bombilla) mit einem kleinen Sieb am unteren Ende und eine Thermoskanne mit heißem, aber nicht kochenden Wasser. Bis auf letzteres sind dies Dinge, die in keiner Gaucho-Satteltasche fehlten und die schon die Guaraní, eine indigene Bevölkerungsgruppe, benutzten, um das „grüne Gold der Indios“ zuzubereiten.

          Stilfibel für Einladungen

          Wer das Amt des „Cebadors“ bekleidet, füllt das Gefäß zur Hälfte mit den zerkleinerten Teeblättern, gießt sie mit dem den heißen Wasser auf. Dieser erste Mate ist der bitterste und wird nicht getrunken, sondern ausgespuckt. Erst den zweiten Aufguss reicht der Cebador weiter und jeder Teilnehmer saugt den Mate leer, bevor er, mit neuem Wasser aufgefüllt, rundum dem nächsten gereicht wird. Eine Matefüllung reicht dabei für 8-10 Aufgüsse und erst dann wird die Yerba Mate gewechselt. Ein einfaches, abschließendes „gracias“ zeigt dem Cebador an, dass man keinen Mate mehr möchte. Trotzdem schaffen es die Argentinier im Jahr auf einen Pro-Kopf-Konsum von 5,5 kg Yerba Mate. Sie werden nur übertroffen von den Uruguayern, die im Schnitt acht Kilo des grünen Tees im Jahr trinken. Der Mate ist hier wie dort ein lebenslanger Begleiter; von der Wiege bis zur Bahre.

          Zaubertrank...

          Matetrinken macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund. Wer sich absolut nicht mit dem anfangs etwas bitteren Geschmack anfreunden kann, sollte vor der traditionellen Zubereitung etwas Zucker zufügen. Er kann sich dabei auf die Trinkweise in den nördlichen Gebieten Argentiniens berufen. In Buenos Aires allerdings erhält man meist den „mate amargo“. Die wohltuenden Wirkungen des Tees haben beide Zubereitungsarten: Er ist beruhigend und stärkend zugleich. Auch der spanische Konquistador Pedro de Mendoza, der sich 1536 durch die „grüne Hölle“ des südamerikanischen Regenwaldes kämpfte, trank den hungerstillenden und nährstoffreichen Tee, den die indianischen Träger seiner Expedition stets bei sich hatten. Mate hilft aber auch gegen Heimweh - oder Fernweh, je nachdem.

          ...und Teufelszeug

          Nichtsdestotrotz stand Mate nicht zu allen Zeiten hoch im Kurs. Wie die Indiovölker des Subkontinents trauten auch die europäischen Eroberer dem Trunk magische Kräfte zu. Letztere wähnten seine Wirkungen jedoch teuflischen Ursprungs, während die Legenden der Guaraní und Quecha den Mate als göttliches Geschenk annahmen. 1610 bezeichnete der Priester Diego de Torres das Getränk vor dem Gericht der Heiligen Inquisition in Lima als „offensichtliche Anregung des Teufels“. Das hinderte den Jesuitenorden in der nordargentinischen Provinz Misiones ansässigen Jesuitenorden jedoch nicht daran, bis zu ihrem Landesverweis 1767 den Mate auf Plantagen südlich der Iguazu-Wasserfälle anzubauen und zu vermarkten. Durch sie fand das Getränk seinen Weg nach Europa.

          Meterweise Mate

          Hierzulande wird Mate oft nur pulverisiert und in Teebeutel gepackt angeboten, als Kräutertee. In einem argentinischen Supermarkt hat man hingegen eine große Sortenauswahl. Wer den Tee traditionell genießen möchte, sollte sich auf einem der Kunsthandwerkmärkte in Buenos Aires umschauen. Die Kalebassen und Saugrohre gibt es von der sehr einfachen Ausführungen bis hin zur versilberten und vergoldeten Luxusversion. Ihnen allen ist jedoch gemeinsam: Ein Mate-Equipment ist nicht nur eine authentisches, kommunikatives und dekoratives Erinnerungsstück an einen Aufenthalt in Buenos Aires - es passt auch besser in den Koffer als eine Rinderhälfte.

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