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Brunei : Das Haus des Friedens öffnet seine Türen

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Viele Länder Südostasiens roden ihre Urwälder aus Gier oder Not. Brunei hingegen kann es sich leisten, sie zu schützen. Bild: Philipp Engelhorn/laif

Brunei, der schwerreiche Zwergölstaat auf Borneo, will nun auch zu einem Touristenziel werden. Sein bestes Argument sind seine Regenwälder, die zu den ältesten der Welt zählen. Doch es gibt Hindernisse.

          Dass die Menschen in Brunei ausschweifend lebten, wird ihnen wohl niemand nachsagen können. Fromm schimmern goldene Kuppeln und Minarette unter dem tropischen Sternenhimmel, kaum ein Mensch ist unterwegs, kaum ein Auto, keine Spur von Nachtleben. Alles sieht aufgeräumt aus, schön aufgeräumt wie in einem ganz und gar lasterfreien Leben.

          Brunei Darussalam heißt das Sultanat offiziell, das eine absolute malaiisch-muslimische Monarchie und das „Haus des Friedens“ ist, wie es die nationale Tourismusbehörde verkündet. Was mag das sein? Kompliziert ist es zunächst einmal mit allem Religiösen und hier besonders. Deutungen gibt es, Missverständnisse, Empfindlichkeiten. Doch man kann wohl sagen, dass Darussalam für das islamische Paradies steht und zudem ganz irdisch einen Ort, ein Land, meint, dessen Gesellschaft nach dem Koran und der Sunna lebt, der tradierten Verhaltensweise des Propheten. In Brunei Darussalam gibt der Islam das Leben der Menschen vor, bestimmt und kontrolliert dabei selbst grundlegende Bedürfnisse wie ihr Essen und Trinken, regelt ihr alltägliches, allnächtliches Tun und damit in vielfältiger Weise auch das ihrer nicht muslimischen Besucher.

          Kein Alkohol, kein Schweinefleisch, keine Pornographie

          Damit sich diese besser einfügen, liefert „Brunei Tourism“ im Internet vorab unter „Dos and Don’ts“ ein paar Tipps. Da erfährt man zum Beispiel, dass es als respektlos gilt, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan in der Öffentlichkeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu trinken oder zu essen. Womöglich kennt man das aus anderen islamischen Staaten, aber so deutlich auch nicht immer. Und deswegen ist es gut, sich vorab zu informieren, was einen im „Haus des Friedens“ so erwartet. Wir taten das nicht, sonst hätten wir vorher Kekse gekauft. Wie eine Kompassnadel richtet „halal“ in Brunei das Leben aus und folgt dabei der Scharia als islamischem Moral- und Gesetzeskodex. Erlaubt ist, was „halal“, also rein, ist. Fleisch etwa wird nur verzehrt, wenn es von geschächteten Tieren stammt. Alkohol, Pornographie oder Schweinefleisch sind „haram“, unrein und damit nicht erlaubt. Nicht „halal“ sind im Islam auch Hunde. Wer seinen Hund liebt, gerne am Schinken vom Iberischen Schwein nascht und Wein trinkt, für den ist das „Haus des Friedens“ kein Paradies.

          Das Einfache ist manchmal das Beste: Eine Frau grillt Fisch in Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan.

          Eines der kleinsten und reichsten Länder der Welt ist Brunei obendrein. Bandar Seri Begawan, Stadt des gesegneten Sultans, heißt die Hauptstadt. Dort lebt der Herrscher samt seiner Familie in einem Palast mit goldener Kuppel. An drei Tagen im Jahr dürfen Touristen das Sultansschloss besuchen. Mit etwas Glück sehen sie sogar den Hausherrn, Sultan Hassanal Bolkiah, derzeit einer der vermögendsten Monarchen weltweit, trotz der beinahe tausendachthundert Zimmer und Gemächer. Seit sechshundert Jahren beherrscht seine Dynastie das Sultanat, seine Menschen, ihren Glauben, geleitet sie durchs Leben. Seit 1967 ist Hassanal Bolkiah als neunundzwanzigster Sultan an der Macht, Staatsoberhaupt, Premier, Finanz- und Verteidigungsminister in einem und oberster Hüter der islamischen Staatsreligion.

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