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„Breaking Bad“ in New Mexico : Die Blumen des Bösen

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Auch böse Jungs können den Tourismus ankurbeln: Walter White (Bryan Cranston) aus der Serie „Breaking Bad“ verteidigt seinen Camping-Bus Bild: AP

In New Mexico treibt der „Breaking Bad“-Tourismus die wildesten Blüten. Plötzlich kann die ganze Welt Albuquerque buchstabieren. Auf den Spuren einer kultisch verehrten Fernsehserie.

          Da ist es wieder, dieses kribbelige Gefühl, dass unter dem babyblauen Himmel von Albuquerque nicht alles so harmlos ist, wie es den Anschein hat, dass die Dinge gleich eine schreckliche Wendung nehmen. Ist das im Berufsverkehr auf der Interstate 25 nicht ein Pontiac Aztek, wie Walter White ihn fuhr? Sieht der Mann, der an der Tür des Cafés am San Mateo Boulevard sitzt, nicht irgendwie aus wie Gus Fring? Und hat die junge Frau am Tresen den Barista tatsächlich gerade gefragt, wo sie Blue Sky Donuts bekommt - Gebäck, das nach dem berühmten Heisenberg-Meth aus der Kultserie „Breaking Bad“ benannt ist?

          Ich nicke ihr wissend zu - das „Breaking Bad“-Fieber grassiert in Albuquerque immer noch, Monate nach dem Ende der vielfach preisgekrönten Serie um einen Chemielehrer, der vom verhuschten Loser zum mächtigen Methamphetamin-Baron mit dem Codenamen „Heisenberg“ mutiert. Längst sind die Filmteams abgezogen, aber die Fans können von Walt und Jesse, von Blue Sky und Gus Fring, von Pollos Hermanos und Tuco einfach nicht genug kriegen. Und so haben zahlreiche kleine Unternehmen in Albuquerque einigen Erfindungsgeist bemüht, um einen regelrechten „Breaking Bad“-Tourismus zum Blühen zu bringen.

          Bei der fliegenden Pizza hörte der Spaß auf

          Fans der Serie bekommen hier Badesalze mit dem schönen Label „Bathing Bad“ geboten, Hotelpackungen mit einer „Breaking Bad“- Devotionalientüte, „Biking Bad“- Fahrradtouren mit Videoclips und einer bestimmten Figur aus der Serie als Leitthema, „Blue Sky“-Bonbons und -Donuts, T-Shirts, Heisenberg-Hüte und sogar Kochstunden - „The BaD Cooking Class“ -, in der man die blauen Kristalle selbst zusammenpanschen kann. Auch wenn es sich dabei bloß um Kosmetik handelt.

          Dank „Breaking Bad“ ist Albuquerque, eine 550 000-Einwohner-Stadt in Neu-Mexikos eher öder Hochwüste, auf einmal angesagt. „Wenn man früher jemandem erzählte, dass man aus Neu-Mexiko kommt“, sagt Harold Davis, der Limousinentouren zu den Drehorten der Serie fährt, „wurde man erst mal gefragt: Sprechen Sie auch Englisch? Die Serie hat uns endlich auf der Landkarte verortet.“ Und Ann Lerner, die Direktorin des städtischen Filmbüros, freute sich neulich, „dass man in Hollywood endlich Albuquerque buchstabieren kann“. Nicht nur dort. Menschen aus aller Welt kommen hierher, um sich auf die Spuren von „Breaking Bad“ zu begeben. Harold hat schon Leute aus Norwegen, Deutschland, England und Australien herumkutschiert.

          Albuquerque

          „Ich dachte, es gäbe niemanden mehr in Neu-Mexiko, der nicht schon hier war“, sagt Fran Padilla, als ein Jeep mit lokalem Nummernschild um die Ecke vor ihrem Haus biegt, kurz stoppt und dann weiterfährt. „Ganz Texas ist auf jeden Fall schon vorbeigekommen.“ Fran Padilla ist die Besitzerin des Hauses, das in „Breaking Bad“ die Residenz von Walter White und seiner Familie ist und im Nachhall der Serie zu einer Riesenattraktion wurde. Drei Tourenfirmen in Albuquerque haben einen Stopp an dieser Ecke auf ihrer Route, im Steingarten neben der Auffahrt steckt ein Plastikblumenstrauß, den Fans zurückgelassen haben. „Ich habe nicht das Herz, die Blumen wegzuwerfen“, sagt Fran. Sie hat Spaß am Zirkus um ihr Haus, das sie seit drei Jahrzehnten bewohnt, oft fotografiert sie von drinnen die Leute, die draußen stehen und Faxen machen. „Sie lassen sich im Kopfstand fotografieren oder hopsen in die Luft. Neulich habe ich ein paar Kids gefilmt, die in gelben Schutzanzügen einen Breakdance hinlegten.“ Endlos ist ihre Geduld freilich nicht. Als jemand versuchte, in Anlehnung an eine Szene aus der Serie, eine Pizza auf ihr Garagendach zu werfen, wurde sie sauer. „Das ist doch unverschämt“, sagt sie. „Ein bisschen Respekt gehört sich.“ Ja, pflichtet ihr Harold Davis bei, das sei frech. Frans Haus ist sein Lieblingsstopp auf der Tour - nicht nur, weil es für viele Fans das Highlight ist. „Wenn sie meine Limousine sieht, kommt sie fast immer raus“, sagt er.

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