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Bundesgästehaus Petersberg : Warum nochmal war es am Rhein so schön?

Über dem Rhein thront das renovierte „Steigenberger Grandhotel & Spa Petersberg“ - hier spielt sich die Geschichte in engen Kurven ab. Bild: Volker Lannert

Von Bonn aus wurde einst regiert, und auf dem Petersberg residierten die Staatsgäste. Nun wurde das einstige Bundesgästehaus aufwendig renoviert.

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          Wer mal die gute alte Bundesrepublik besuchen möchte, kann an Bonn vorbei zum Petersberg fahren. Dort liegt ein Grandhotel, eben frisch renoviert, das in seinen Gemäuern die Geschichte der zweiten Republik birgt und in seinem leicht protzigen Wohlstandsdekor noch heute Erinnerungen an die solide Epoche weckt, als ein schwarzer Mercedes S-Klasse noch richtig was hermachte.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Eine schmale Asphaltstraße schlängelt sich den Berg hinauf, Obacht, enge Kurven! Der Legende nach soll hier der Generalsekretär der KPdSU, Genosse Leonid Breschnew, einmal einen Unfall gebaut haben, als er einen neuen Benz auf der Schlängelstraße zur Probe fuhr. Das war im Jahre 1973, zur Hochzeit der neuen Ostpolitik von Willy Brandt. Das Auto, ein grauer 450er SLC, war ein Gastgeschenk, wobei man auch denkt: Donnerwetter, damals gab es noch Geschenke. Der Sowjet-Diktator wohnte bei seinem Besuch ebenso auf dem Petersberg wie andere Staatsgäste der Bonner Republik. Schön abgeschieden und leicht zu kontrollieren. Angeblich soll im Keller der Bundesnachrichtendienst zumindest bei Breschnew sogar aus dem Abwasser des Sowjetlenkers Schlüsse auf dessen Gesundheitszustand gezogen haben.

          Leonid Breschnew, 1973, am Steuer eines Mercedes 450 SLC.

          Oben angekommen schaut man auch schon auf Vater Rhein herab. Rhöndorf, wo der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer wohnte, liegt um die nächste Biegung des Flusses. Fährt man auf das Plateau hinauf, kommt man selbst quasi auf Staatsbesuch: Das „Grandhotel Petersberg“ war das Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland und kann auch heute noch jederzeit in diesen horrenden Status versetzt werden, etwa für eine Syrien-Konferenz. Allerdings fehlt inzwischen das sogenannte Erstbelegungsrecht, das Deutschland als Eigentümerin bei den Pächtern früher geltend machen konnte. Wer also heute im „Grandhotel“ bucht, bekommt sein frisch renoviertes Zimmer nahezu garantiert.

          Etwas schwieriger war es bei unserem Besuch, eine Tasse Kaffee zu bekommen; wir waren etwas unglücklich in die Zwischenepoche zwischen Frühstück und Lunch geraten. Dieser Hauch von Staatsbewirtschaftung adelt das Areal aber ebenso wie die etwas angestaubte zeithistorische Bibliothek, in der Arnulf Barings „Machtwechsel“ von 1982 zu den neueren Bänden gehört. Adenauers Erinnerungen für Schlaflose sind dort selbstredend auch zu finden. „Bitte lassen Sie uns den Artikel zur Freigabe zukommen“, hatte man uns aus dem Hotel Bundesrepublik noch ganz in Staatsmanier nachgerufen. Was wir hiermit gerne tun.

          Konrad Adenauer beim Verlassen des Gebäudes nach der Unterzeichnung des Besatzungsstatuts am 21. September 1949.

          Auch sonst gibt es allerlei historische Reminiszenzen, allerdings gepaart mit moderner und stilvoller Innenarchitektur, finanziert unter anderem mit einer 35-Millionen-Euro Frischzellenkur aus der Bundeskasse. Bereits architektonisch eine Mischung aus Kurhotel und Lazarett hat das Gebäude in den beiden vergangenen Jahrhunderten viel und viele gesehen. Anfangs diente es als romantische, aber auch recht pompöse Sommerfrische eines Kölner Bankiers und seiner „Rheingräfin“, dann ging es prosaischer als „Hotel Nelles“ weiter, in beiden Weltkriegen wurde der Petersberg Lazarett. Und dann kamen 1949 mit Gründung der Bundesrepublik die Westalliierten und residierten symbolisch und tatsächlich hoch über Bonn und der jungen Republik. Am 22. November des genannten Jahres nahm Konrad Adenauer hier das „Petersberger Abkommen“ entgegen, die Teilunabhängigkeitsdeklaration des Weststaats. Fünf Jahre später waren die Alliierten umgezogen, es kamen geladene Gäste wie Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien, oder die Queen. In den neunziger Jahren joggte Bill Clinton ums Haus, und die Queen kam schon zum zweiten Mal.

          Architektonisch eine Mischung aus Kurhotel und Lazarett: Adenauer-Porträts in einem Salon.

          Doch die Zeiten ändern sich. Staatsbesucher bekommen keinen Mercedes mehr als Gastgeschenk, höchstens einen Teller der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur. Und aus dem Petersberg ist ein schönes Grandhotel geworden, wo Rheingräfinnen und Rheingrafen Hochzeit feiern können, wo es aber auch möglich ist, demnächst mit herrlichem Blick auf den Rhein Abende im Sommergarten zu genießen und daran zu erinnern, dass die gute alte Bundesrepublik ein ferner Ort im Kosmos der Geschichte geworden ist, die neue aber auch so ihre Vorzüge hat.

          DZ ab 230 Euro. Informationen im Internet unter grandhotel-petersberg.steigenberger.de

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