https://www.faz.net/-gxh-9s0iu

Dänemarks Gemütlichkeit : Blaue Stunde mit Blick auf den Fjord

  • -Aktualisiert am

Das Boutique-Hotel am Als Fjord hat nur einundzwanzig Zimmer, jedes ist mit viel Liebe zum Detail in einer anderen Farbe und mit anderen Möbeln eingerichtet. Bild: Picture-Alliance

Das einsam in Dyvig gelegene Ensemble aus rot-weißen Holzhäusern wirbt damit, Dänemarks schönstes Badehotel zu sein. Das könnte sogar stimmen.

          4 Min.

          Wie viele Schattierungen kennt die Farbe Blau? Enzianblau, Kobaltblau, Lapislazuliblau, Preußischblau, auch Azurblau? Die Eingangshalle im Badehotel Dyvig jedenfalls ist so porentief blau, dass Gäste erst einmal stehen bleiben und sich glücklich seufzend umschauen. Das Entrée ist mit Naturstein ausgelegt, Jugendstilgemälde glänzen in opulenten Goldrahmen, und vor dem Fenster lockt ein antikes Sofa zum Ausruhen. Das Blau der Wände umfängt den Körper wie ein wolkenfreier Himmel an einem perfekten Hochsommertag und setzt augenblicklich Urlaubsgefühle frei. Ist das jetzt bloß die Liebe der Skandinavier für frische Farben oder schon der raffinierte „Hygge“-Wohlfühltrick eines psychologisch geschulten Marketingexperten aus Dänemark? Morten Johansen, Hotel- und Restaurantmanager, lacht. Auf Dänisch nennt sich das „Bindesbøll“, erzählt er.

          Gemeint ist der nordische Stil, der bei der charakteristischen Holzarchitektur beginnt, in der das Badehotel Dyvig erbaut wurde. Ochsenblutrot leuchtet die Fassade, deren kräftige Farbe durch weiße Fenster und Zuckerbäcker-Verzierungen erst richtig zur Geltung kommt. Im Jahr 2010 wurde das Badehotel eröffnet, ein Neubau, doch innen sieht alles aus, als stünde es schon hundert Jahre oder länger. Die enzianblaue Halle geht in einen safrangelben Flur über, in dem eine elegante Holztreppe in das obere Stockwerk führt. Im Restaurant fällt der Blick durch Sprossenfenster auf den kleinen Hafen, Segelboote und den Fjord. Auch im Speisesaal sind die Wände in sanftem Blau und die nordische Möblierung in strahlendem Weiß gehalten. Ein Piano steht mitten im Raum. Hier nehmen die Gäste morgens das Frühstück ein und am Abend ein mehrgängiges Feinschmecker-Menü. Imposant ist der Ballsaal und große Aufenthaltsraum, dessen Tapeten lindgrün schimmern, in dem Kristallleuchter funkeln und man sich mit Tee und Gebäck in zierliche Polstermöbel sinken lassen kann.

          Traumjob für die Innenarchitektin

          Zwei Jahre vor der Eröffnung des Hauses, erzählt Morten Johansen, durfte eine Innenarchitektin auf Shopping-Tour durch Galerien, Auktionshäuser und die Läden von Antiquitätenhändlern gehen. Sie kaufte Rokoko-Kronleuchter, gustavianische Spiegel, Louis-Quatorze-Möbel, Holländische Fayencen, edles Silber, bestickte Gardinen, handgemachte Tapeten aus London und vor allem Gemälde aus der Schule der Fünen-Maler und dem Umkreis der dänischen Künstlerkolonien. Es muss ein Traumjob gewesen sein.

          Nein, hinter diesem Ambiente versteckt sich nicht Dänemarks raffinierter „Hygge“-Wohlfühltrick; hier handelt es sich um den nordischen Stil.

          Dem kleinen privaten Hotel sieht man den guten Geschmack an. Besitzer des Dyvig Badehotels ist Hans Michael Jebsen, ein deutsch-dänischer Schiffsreeder, Unternehmer und Chef einer weltweit operierenden Handelsfirma. Jebsen wurde in Siegen geboren, wuchs in Rendsburg in Schleswig-Holstein und im dänischen Apenrade auf. Heute lebt er die meiste Zeit am Firmensitz Hongkong, „legt aber viel Wert auf die Bewahrung dänischen Kulturerbes“, sagt Hotelmanager Johansen. In Dänemark besitzt er ein Dutzend historische Hotels und Restaurants, unter anderem zusammen mit dem dänischen Prinzen Joachim.

          Sein Boutique-Hotel am Als Fjord hat nur einundzwanzig Zimmer, jedes ist mit viel Liebe zum Detail in einer anderen Farbe und mit anderen Möbeln eingerichtet. Über der antiken Badewanne mit Löwenfüßen hängt ein Frauenporträt in Öl, der Toilettenspülkasten mit Kettenzug sieht aus wie zu Großmutters Zeiten, frische Blumen stehen auf den Tischen, und elegante Vorhangstoffe rahmen die Fenster, die fast alle einen Blick aufs Wasser bieten. Die Flure gleichen einem Museum. Alle paar Schritte hängen Gemälde, die Schiffe, bäuerliche Szenen oder Landschaften zeigen.

          Weitere Themen

          Im Grenzbereich

          Deutschland : Im Grenzbereich

          DDR – was war das? Für Menschen unter dreißig ist die Mauer meist nur Stoff aus dem Geschichtsunterricht. Höchste Zeit also, sich dem Thema zu nähern. Klimafreundlich, mit dem Rad.

          Augen auf!

          Papua-Neuguinea : Augen auf!

          Der Lake Murray im Westen Papua-Neuguineas ist fast viermal so groß wie der Bodensee – ein Binnenmeer, an das weder Straßen noch Gleise führen. Liegt das am Monster, das dort leben soll?

          Topmeldungen

          Linkspartei, wie weiter? : Von Ramelow lernen

          Sahra Wagenknechts Rückzug vom Fraktionsvorsitz legt die Probleme der Linkspartei offen. Trotz des Wahlerfolgs in Thüringen fehlt es ihr weiter an Geschlossenheit – und an profiliertem Personal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.