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Bikeschaukel Tirol : Die neue Unabhängigkeitsbewegung

Sonne, Regen, Halluzinationen

Als wir ein paar Tage später im Stubaital sind, freuen wir uns über diese Interpretation. Wir sitzen in der Elferbahn, die uns von Fulpmes hinauf zum Panoramarestaurant bringt. Von den 2.000 Höhenmetern, die heute auf dem Plan stehen, müssen wir nur 500 selber hinaufkurbeln. Wir entscheiden uns daher, noch ins Pinnistal zur Karalm zu fahren, durch dieses spektakuläre, versteckte Tal, an dessen Ende sich ein stolzer und vom Sommerschnee gezuckerter Berg namens Habicht erhebt. Am Nachmittag nehmen wir eine zweite Bahn und rollen auf der anderen Seite der Bergkette mit der Gelassenheit der grasenden Kühe nach Steinach am Brenner. Florian Span, ein Einheimischer, der uns heute begleitet, beschrieb uns oben noch den weiteren Verlauf des Weges: „Aue, ume, nume, links, rechts, dann samma da.“ Abschließend resümiert er: „Des taugt mir Vollgas.“ Man kann ihm nicht widersprechen. Man hätte auch gar nicht so schöne Worte dafür.

Im Stubaital: Per Bahn hinauf und dann gemütlich weiter

Wie es sich anfühlt, bergauf zu fahren, könnte man zwischen all den Bergbahnen beinahe vergessen - wäre da nicht die zehnte Etappe der Tour. Vom Achensee aus geht es, ganz ohne Gondel, 600 steile Höhenmeter hinauf zum Kögljoch. „Das ist einer der schwersten Anstiege der gesamten Bikeschaukel“, ermutigt Lukas Gerum. Und man denkt sich: Es ist doch ein Skandal, dass die Tiroler hier keine Bergbahn gebaut haben! Als wir schwer atmend oben ankommen, regnet es in Strömen, und die Sonne scheint. Gleichzeitig! Oder ist das eine durch Erschöpfung hervorgerufene Halluzination? Dazu würde jedenfalls das Schild passen, das wir auf der Abfahrt zurück ins Inntal passieren: „Durchfahrt nur erlaubt in den ersten 30 Minuten jeder ungeraden Stunde.“

Ein Panorama zum Kopfstehen

Es gibt in den Alpen bereits einige Mountainbike-Tagestouren mit Bergbahnunterstützung. Die „Bahnentour“ in Davos-Klosters etwa oder die „Big-5-Tour“ in Leogang. Aber eine 15-Etappen-Tour wie die Bikeschaukel gab es bislang nicht. Kein Wunder, dass die Tiroler ihre Idee auch international vermarkten. Allerdings nicht unter dem Begriff Bikeschaukel. Denn obwohl die erste Hälfte dieses zusammengesetzten Substantives englisch ist, ließ es sich nicht ins Englische übersetzen. „Bike-swing“ macht keinen Sinn, weil im Englischen die namensgebende Skischaukel fehlt (davon spricht man, wenn Lifte Täler verbinden). „Tyrol Mountain Bike Safari“ heißt es nun, und damit es auch wirklich jeder versteht, lautet der Hinweis auf der Salvenbahn in Hopfgarten: „Für/For Bikes“.

Es ist bereits die 13. Etappe der Tour - und einer ihrer Höhepunkte. Vier Bergbahnen werden wir heute nutzen und insgesamt über 3.000 Höhenmeter bergab fahren. Die Sonne strahlt, und ganz im Gegensatz zum Winter haben sogar die Liftmitarbeiter gute Laune. Die Hektik der kalten Tage ist weit weg, sie nehmen sich Zeit für ein Gespräch und helfen sogar beim Suchen, als sich eine Schraube vom Rad löst. Und doch muss man dem Winter dankbar sein, denn ohne ihn wäre das alles nicht möglich. Siebzig Prozent des Jahresumsatzes werden in Tirol im Winter gemacht, ohne dieses Geschäft gäbe es deutlich weniger und schlechtere Bahnen, Hotels und Restaurants und vermutlich kein Taxiunternehmen, das unser Gepäck transportiert.

Wildschönau, Hopfgarten, Westendorf, Brixen im Thale. Immer wieder mit der Bahn bergauf und zum Teil über die Pisten-Grasstreifen bergab. Es geht verwirrend schnell heute, und das Panorama scheint sich um uns herum zu drehen. Ist der Hintertuxer Gletscher dort hinten? Der war doch eben noch vor uns. Und der Großglockner rechts? Der war doch eben noch links. Wilder Kaiser da, Kitzbüheler Horn dort? Müdigkeit spürten wir keine, nur war es uns manchmal unangenehm, dass wir nicht auf dem Kopf radeln konnten.

Der Weg durch Tirol

Anreise Nach Nauders, wo die Bikeschaukel beginnt, kommt man mit dem Auto über München, Innsbruck und Landeck (Vignettenpflicht). Man kann aber auch nur ein Teilstück der Tour machen und an jedem anderen Etappenort einsteigen.

Die Bikeschaukel Tirol führt über 660 Kilometer und 15 Etappen quer durch Tirol. 12.000 der 25.000 Höhenmeter werden mit Hilfe von 18 Bergbahnen bewältigt. Für die gibt es (bis auf die Karwendelbahn) eine einzige Punktekarte (ein Punkt ist eine Bahnfahrt und kostet 9 Euro, alle 17 Punkte 153 Euro). Beschreibungen aller Etappen, kostenlose GPS-Tracks und Informationen zu Fahrradverleih (rund 30 Euro/Tag), Gepäcktransfer und Unterkünften unter www.tirol.at/bikeschaukel

Pauschalen Vier Etappen und drei Übernachtungen mit Frühstück kosten inkl. Bahnticket und Gepäcktransfer ab 269 Euro. Verschiedene Angebote unter www.radurlaub.com

Weitere Informationen im Netz unter www.tirol.at

Diese Reise wurde unterstützt von der Tirolwerbung.

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