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Abenteuer Dagobertshausen : Ente gut, alles gut

Man könnte ins Hadern kommen darüber – gibt es das wirklich nicht mehr, diese pure, erste, unvoreingenommene Erfahrung? Wenn dieses Spiel zwischen Fiktion und Realität beim Reisen nicht so einen Spaß machen würde. Man spielt es überall, nicht nur, wenn ein Onkel und drei Neffen auf dem Rad unterwegs in Mittelhessen plötzlich am Waldrand eine Ruine entdecken – und sich im gleichem Augenblick über diese nachgespielte, zufällige Szene all die Szenen aus Gruselfilmen legen, in denen genau das der Anfang vom Ende war.

Onkel Donald und seine Neffen Tick, Trick und Track
Onkel Donald und seine Neffen Tick, Trick und Track : Bild: INTERFOTO

Dieses Spiel hat aber auch praktische Folgen: Einmal hat ein Ranger erzählt, der in Namibia Safaris begleitet, dass er und seine Kollegen eigentlich ja viel lieber einen Land Cruiser von Toyota fahren würden, weil der so zuverlässig im Gelände ist – sie aber den englischen Land Rover nehmen müssten, weil die Touristen den halt aus der Serie „Daktari“ kennen. Und sonst enttäuscht wären. Ohne den Land Rover aus dem Fernsehen wäre die Safari – die sie bislang auch nur aus dem Fernsehen gekannt hatten, einfach nicht echt. Nicht authentisch.

Vomp! Gurgl! Latsch! Padaun! Going! 

Es ist also gar nicht so leicht, diese Referenzmaschine auszuschalten, wenn man auf Reisen geht. In den Alpen gibt es Orte, die so wunderschöne Namen haben, dass man denkt, man würde quer durch ein „Lustiges Taschenbuch“ fahren, es fehlen eigentlich nur die Ausrufezeichen dahinter: Vomp! Gurgl! Latsch! Padaun! Going! Fängt man einmal damit an, kann man gar nicht mehr aufhören. Es ist die reinste Entenhausenisierung.

Falls diese längeren Ausführungen über das Wesen des Reisens im Zeichen der Popkultur verworren klingen, könnte es daran liegen, dass sie unter dem Eindruck jenes Kochkurses entstanden sind, den die drei Neffen und ihr Onkel dann also am Nachmittag nach ihrer Radtour auf dem Hofgut Dagobertshausen absolviert haben.

Bild: F.A.Z.-Karte sie.

Und bei dem sie im „Kitchen Club“ des dortigen Restaurants Waldschlösschen nicht nur selbstgemachte Tagliatelle mit der Maschine ausgerollt haben, meterlang, wieder und wieder, sondern diese Tagliatelle dann auch noch mit frischen Steinpilzen aßen. Als Vorspeise hatte es ein Beef Tartar gegeben, das sie selbst gemischt und mit Burrata und einem pochierten Ei gekrönt hatten. Und danach Blaubeerpfannkuchen, die so glänzten, dass sie leuchteten.

Danach saßen die vier auf der Terrasse des „Waldschlösschens“. Das Restaurant gehört zur Anlage des Hofguts, mitten im kleinen Dagobertshausen. Es wirkt wie ein Dorf für sich und ist vor Jahren aus einem Bauernhof entstanden, der wiederum auf den Ruinen einer Burg entstand. Von dieser Burg sind noch einige Mauerreste übrig, in deren Schatten sich Paare trauen lassen können. Feiern können sie unter dem Gebälk der alten Scheune. Es gibt um den Hof vor dieser Scheune eine Destille, eine Brauerei, einen großen Baum und ein Bed & Breakfast, in deren Zimmern der Onkel und seine Neffen übernachtet hatten.

Aber an Schlaf war jetzt nicht zu denken. Am Waldrand, das konnte man von der Terrasse aus gut erkennen, verschlucken die Bäumen eine Straße, die aus dem Dorf hinausführt. Das sah von weitem verwunschen aus und wieder auch ein bisschen einladend unheimlich. „Lass mal angucken“, hatte wieder einer der Neffen gesagt. Am nächsten Tag fahren die vier auf ihren grasgrünen Rädern dort hinauf, aber die Straße ist einfach nur eine Straße. Vielleicht.

Der Weg nach Dagobertshausen

Dagobertshausen liegt fünf Kilometer oberhalb von Marburg. Zum Hofgut gehört neben dem „Waldschlösschen“ und dem „Schlafgut“ mit acht Doppelzimmern ein Hofladen, die Kulturscheune und ein Sommergarten. Weiteren Informationen über das Hofgut und seine Veranstaltungen wie die Kochkurse beim Küchenchef Roland Reuss unter vilavitamarburg.de. Auch das Hotel Rosenpark, die Eismanufaktur Aroma an der Lahn und der „Bückingsgarten“ unterhalb vom Schloss gehört zur Gruppe. Alle Informationen über den Lahnradweg unter lahn-radweg.de.

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