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Belgische Biere : Gott wird es ihnen verzeihen

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Das beste Bier der Welt gibt es nur gegen Selbstabholung: Westvletren. Bild: dpa

Beten und brauen: In der kontemplativen Abgeschiedenheit belgischer Trappistenklöster entstehen Biere, die zu den besten der Welt zählen.

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          Gott hält seine schützende Hand über die Biergenießer. „À l’Ange gardien“, Zum Schutzengel heißt die Taverne, in der das Trappistenbier der gleich nebenan gelegenen Abtei Orval serviert wird. Der Patron schenkt es aus einer kegelförmigen Flasche sachte in wuchtige Kelchgläser, es schäumt sahnig auf, umschmeichelt beim ersten Schluck den Gaumen mit frischem Hopfengeschmack und diskreter Bitterkeit, während im Glas spritzige Perlen wie beim Champagner aufsteigen. Das erfrischende Kohlensäure-Kribbeln ist das Ergebnis der Nachgärung in der Flasche, die allen Trappistenbieren eigen ist. Die meist obergärigen Gerstensäfte gehören zu den kostbarsten Erzeugnissen der Braukunst und werden weltweit in nur zwölf Trappistenabteien hergestellt, von denen sich sechs im Bierland Belgien befinden. Ob Blond, Dubbel, Tripel oder Quadrupel, kein Trappistenbier schmeckt wie das andere, und ihr Farbenspektrum reicht von Rubinrot über Bernsteingelb bis Anthrazitschwarz.

          Die Abtei von Orval liegt in der südlichsten Ecke des Königreiches, in der wallonischen Region Gaume, die wegen ihres milden Mikroklimas, ihrer zirpenden Grillen und ihren rostroten Ziegeldächern als Belgiens Provence gerühmt wird. Im Abteimuseum erfährt man, dass die fruchtbaren Äcker und satten Weiden schon früh Mönche anzogen, die Gemüse anbauten und Viehzucht betrieben. Im Jahr 1070 gründeten italienische Glaubensbrüder die Abtei Orval, Anfang des zwölften Jahrhunderts folgte eine Zisterziensergemeinschaft. Aus deren Glaubenslehre gingen die Trappisten hervor, die bis heute die Regeln des heiligen Benedikts besonders streng befolgen. Sie brauten Bier als Ersatz für das damals oft ungenießbare Wasser.

          Trappistenbiere sind einmalig

          Wie ein steinerner Irrgarten mit weiten Torbögen und langen Säulenalleen präsentieren sich die von Wildwuchs befallenen Ruinen des mittelalterlichen Klosters. Kriege, Plünderungen, Brände hatten die Mauern immer wieder zerstört, um von den Mönchen jedes Mal beharrlich von neuem aufgebaut zu werden. Die jetzigen Gebäude wurden 1948 eingeweiht als eine Mischung aus strengen zisterziensischen Linien und puristischen Art-déco-Elementen. Überdauert hat der mittelalterliche Brunnen der Mathilde-Quelle, die seit ewigen Zeiten das reine Wasser für das Bier liefert. Auf den Flaschenetiketten ist die mit der Quelle verbundene Legende illustriert: Die Zeichnung zeigt einen Fisch mit einem goldenen Ring im Maul. Als Mathilde von Canossa, Witwe des Grafen Gottfried des Buckligen, Ende des elften Jahrhunderts das Tal besuchte, verlor sie am Rand der Quelle ihren Ehering. Eine Forelle sprang aus dem Wasser und brachte der Gräfin das Schmuckstück zurück. Diese war so entzückt, dass sie die bukolische Umgebung Val d’Or taufte, goldenes Tal, was verdreht zum Namen Orval führte. Aus Dankbarkeit soll die fromme Edeldame beschlossen haben, an dieser Stelle ein Kloster zu errichten.

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