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Belgische Biere : Gott wird es ihnen verzeihen

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Im Klostergarten von Orval.
Im Klostergarten von Orval. : Bild: Picture-Alliance

Die seltenen Trappistenbiere leiden darunter, dass sie oft mit den weitverbreiteten, sogenannten Abteibieren wie Affligem, Grimbergen oder Leffe verwechselt werden. Deren Produzenten, vorwiegend Braugiganten, werben zwar mit fidelen, biertrinkenden Geistlichen, mit Engeln und Heiligen oder sogar gregorianischen Gesängen, doch ein direkter kirchlicher Bezug besteht nicht mehr. Bruder Xavier, verantwortlich für die wirtschaftlichen Aktivitäten der Abtei Orval, hat schon viele Stoßgebete zum Himmel geschickt, damit endlich Klarheit herrschen möge. In Sandalen und gürtelgehaltener Kutte wieselt er unklösterlich geschäftig zwischen Brauerei und Molkerei hin und her. „Trappistenbiere sind einmalig“, erklärt der betriebsame Ordensmann, „sie müssen innerhalb der Mauern der Abtei hergestellt werden, von den Mönchen selbst oder von Laienpersonal unter Aufsicht des Ordens.“ Auch die Verwendung der Einnahmen aus dem Bierverkauf sei klar geregelt. Die Gelder dürften nur für den Unterhalt des Klosters sowie für wohltätige und soziale Zwecke ausgegeben werden. Um die Einzigartigkeit der Biere und weiterer Erzeugnisse wie Käse, Backwerk, Liköre oder Pralinen zu unterstreichen, ist inzwischen immerhin das geschützte Qualitäts- und Ursprungslabel „Authentic Trappist Product“ eingeführt worden.

Die Pater wollen nicht gestört werden

Wie die meisten Trappistenbiere wird auch das Rochefort in einem abgeschiedenen Landidyll produziert. Vom Ardennenstädtchen Rochefort führt eine holprige, von Hecken und Gehöften gesäumte Straße bis zur einsamen Abbaye Notre-Dame de Saint-Rémy. Man kann die Außenanlagen und die Abteikirche mit ihrem wuchtigen Holzgewölbe besichtigen und an den Gottesdiensten teilnehmen. Doch wie in den anderen Trappistenabteien auch sind Brauanlagen, Kreuzgang, Refektorium und Klosterzellen für Besucher tabu. Bei dem vom heiligen Benedikt diktierten „Ora et labora“, dem Beten und Arbeiten, wollen die Pater nicht gestört werden.

In der Brauerei im Kloster von Rochefort.
In der Brauerei im Kloster von Rochefort. : Bild: AFP

Bierliebhaber müssen sich also in die Stadt begeben, um fündig zu werden. Rochefort ist auch wegen seines internationalen „Festival du rire“ bekannt, eines Treffens frankophoner Humoristen, das alljährlich im Mai stattfindet – Lachen und Bier, das passt zusammen. In den Feinschmeckerläden und Metzgereien stapeln sich mit Rochefort zubereitete Spezialitäten: Würste, Terrinen, Konfitüren, Schokolade. Nach Rezepten der Mönche wird Käse auf traditionelle Art hergestellt, mit Nüssen, Basilikum oder Algen von der bretonischen Insel Ouessant. Und in der Brasserie „La Gourmandise“, die ein kleines Braumuseum mit Sudkessel und Accessoires wie Gläser-Antiquitäten und alten Reklameschildern aus Emaille eingerichtet hat, kann man endlich die Rochefort-Trilogie degustieren. Sie wird in einem Holzständer mit drei Gläsern serviert. Die Biere sind nach ihrem Stammwürzeanteil benannt. Der Reihe nach kostet man das leichtere Rochefort6 mit seinem Karamell-Aroma, dann das mächtigere Rochefort8 mit Noten von Feigen und süßem Tee, und leicht beschwingt attackiert man dann das Schwergewicht: das malzige, tiefbraune Rochefort10, das mit 11,3 Prozent Alkoholgehalt eines der kräftigsten Biere Belgiens ist.

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