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Tropical Islands : Ökologischer als ein Mallorca-Urlaub?

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So sehen Brandenburgs Tropen aus: im Innern von „Tropical Island“. Bild: Tropical Island

Im Tropical Islands herrschen unter einer Kuppel immer 26 Grad – mitten in Brandenburg. Für die Umwelt könnte das besser sein als in den Süden zu fliegen. Leider weigert sich der Betreiber, seine Energiebilanz offenzulegen.

          Der schönste Moment kommt nachts. Es ist dunkel, durch die Außenhaut der Kuppel dringt kein Licht mehr. In der Lagune sind aber noch beide Wasserrutschen in Betrieb. Und so schießt man durch die Dämmerung ins Becken, es ist 30 Grad warm, der rauhe Brandenburger Frühlingstag draußen vor der Tür wirkt jetzt sehr weit weg. Die LED-Beleuchtung scheint geheimnisvoll und grün vom Meeresgrund herauf. Natürlich ist das Meer nur ein Pool, aber mit seinen Pflanzen und Wasserfällen sieht er aus wie eine Phantasie aus einem Hollywood-Abenteuerfilm. Ein Dutzend Jugendliche schwimmt noch, ihre Rufe schallen zweimal, mit Echo. Nur die Kollegin, die noch Bier holen wollte, kommt mit leeren Händen zurück: Kurz vor Mitternacht ist alles geschlossen. Es wird gleich still unter der Kuppel von Tropical Islands. Aber kalt nicht, kalt wird es hier nie.

          Die Tropen liegen an der A13. Auf einem ehemaligen Militärflughafen der Sowjets, wo einst mit Atomwaffen bestückte MiG auf ihren Einsatz warteten. Wo ein Unternehmer aus dem Ostallgäu gigantische Luftschiffe bauen wollte. Alles misslang, ganz am Ende war ein Freizeitpark das, was blieb, eine Mischung aus Spaßbad und Center-Parc. Das Tropical Islands, 50 Kilometer südlich von Berlin, ganz nah am Spreewald.

          In der hippen Szene Berlins, wo Mexiko derzeit nicht mehr so sehr das Modeland für den langen Urlaub, sondern Thailand wieder schwer angesagt ist, lachen sie natürlich über den Regenwald und die Schwimmlandschaft unter der Kuppel. Aber dann hört man von einer Familie, deren Kinder sagten: „Das war unser schönster Urlaub überhaupt.“ Und man hört den Rat, nicht zu spät am Tag hinzufahren. Oft drängen 6000 Gäste in die Halle, und die wird dann einfach geschlossen. Wegen Überfüllung. Und überhaupt – hier scheint alles nur in Superlativen sagbar zu sein. Die „größte freitragende Halle der Welt“ mit dem „größten tropischen Indoor-Garten“. Größter Arbeitgeber der Region. So groß wie neun Fußballfelder. 1800 Betten auf der Anlage. Hier in Brand bei Krausnick freuen sie sich, dass der Berliner Flughafen BER immer noch nicht eröffnet hat. Sollte er kommen, zöge er zu viele Arbeitskräfte ab.

          Ein „Regenwald“ mit 50.000 Pflanzen

          Vor 15 Jahren wurde Tropical Islands eröffnet, alte Fotos zeigen trostlose Reihen von Strandliegen. Die paar Topfpflanzen, die hier und da standen, gingen schnell ein. Immerhin soll es ausgelassene Partys gegeben haben. Beides ist vorbei. Die Anlage wird aufwendig immer weiter ausgebaut, und abends hört man nichts als Wasserfälle plätschern – Familien und ruhige Paare sind das Wunschpublikum. Und es kommt. Die Menschen sind sehr stark tätowiert, das fällt auf. Was auch immer es heißt. Viele schlafen in der Halle, es gibt einen Campingplatz und verschiedene Arten von Hütten und Zimmern. Manches sieht aus wie Bretterverschläge in den Slums von São Paulo, anderes wie ein balinesischer Tempel. Von innen sind sie alle im Prinzip nichts anderes als Hotelzimmer mittleren Standards.

          Zwar ist es unmöglich, die Kuppel zu vergessen – man sieht sie natürlich von jedem Punkt, ob in der Saunalandschaft oder auf dem Rutschenturm, im 4000-Quadratmeter-Klettergarten für Kinder oder beim neuen „Jungle Splash“, einer 15 Meter hohen Wasserspielanlage. (Nur im Treasure Island, der kleinen Holzhalle, die mit Videospielen, Flipper und anderem vollgestellt ist, ist das Gefühl Kreuzfahrtschiff auf einmal überwältigend.) Aber die Wege durch die ovale Anlage sind verschlungen und weitläufig. Der „Regenwald“ mit seinen 50.000 Pflanzen wirkt beeindruckend, kaum nachvollziehbar, dass die Flamingos so teilnahmslos im künstlichen Sumpf unter der großen Brücke herumlungern.

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