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Baiersbronn im Schwarzwald : Die Zerstörung der Freude im Namen des Lebens

Heimat ganz besonderer Menschen: Baiersbronn ist noch nie ein gewöhnliches Schwarzwaldstädtchen gewesen. Bild: Ulrike Klumpp

Baiersbronn ist nicht nur die größte Tourismusgemeinde des Schwarzwalds, sondern auch die kulinarische Hauptstadt Deutschlands – die Schließung der Gastronomie und Hotels trifft die Stadt schwer. Doch nun keimt Hoffnung auf.

          11 Min.

          Für den Baiersbronner Hotelier Hermann Bareiss, einen Mann der großen Gesten und großen Gefühle, war es eine Herzensangelegenheit: Er musste der Kanzlerin einen Brief schreiben, um sich für das entschlossene und umsichtige Handeln während der Pandemie zu bedanken. Er wollte sie aber auch dringend darauf hinweisen, dass die lange Schließung und die vage Öffnungsperspektive für seine Branche wirtschaftlich katastrophal und menschlich demoralisierend sei und er sich beim besten Willen nicht vorstellen könne, dass der Regierung daran auch nur im Entferntesten gelegen sein könne. Dieser Brief wurde nicht vor wenigen Tagen, sondern am 1. Mai 2020 abgeschickt, sechs Wochen nach der Schließung der Hotels und Restaurants im ersten Lockdown und vier Wochen vor ihrer Wiedereröffnung. Inzwischen ist fast die gesamte deutsche Hotellerie und Gastronomie seit mehr als einem halben Jahr außer Betrieb und kann jetzt erst mit vorsichtigen Öffnungsschritten unter scharfen Auflagen rechnen. Sechseinhalb Monate sind viel Zeit für wirtschaftliche Katastrophen und menschliche Demoralisierungen, die das Kabinett Merkel allerdings nicht im Entferntesten zu interessieren scheinen.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Hermann Bareiss sitzt in seinem menschenleeren, totenstillen, gespenstergleichen Hotel, das er in einem halben Jahrhundert zu einem der besten Ferienresorts in Europa gemacht hat, und wirkt nicht so, als wolle er der Kanzlerin einen weiteren Dankesbrief schreiben. Dazu steckt der Groll darüber zu tief, wie fahrlässig die Politik mit seinem Lebenswerk, seinem Heimatort und dem Los einer ganzen Branche umgeht. Er war es, der gemeinsam mit Heiner Finkbeiner vom Hotel Traube Tonbach das unscheinbare Schwarzwaldstädtchen Baiersbronn in ein weltbekanntes Walhalla der Feinschmecker verwandelt hat. Drei Sterne strahlen heute über seinem Koch Claus-Peter Lumpp, drei weitere über Torsten Michel in der „Schwarzwaldstube“ der Traube Tonbach, einer über deren Schwesterrestaurant „Köhlerstube“, noch einer über Jörg Sackmanns „Schlossberg“ – ein Sternenglanz, in dessen Lichte Baiersbronn zum bekanntesten Touristenort des größten deutschen Mittelgebirges werden konnte, zu einem ganzjährig florierenden Urlaubsziel, in dem nicht nur Gourmets ihr Glück finden.

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