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Kneipp in Bad Wörishofen : Der Guru mit der Gießkanne

  • -Aktualisiert am

„Da muss man sich die Nase zuhalten beim Trinken“

Wasser und Wickel – das klingt banal, doch ihre Wirkung war enorm. Kneipps Ruf als Wunderdoktor verbreitete sich in Windeseile. Erzherzog Joseph von Österreich war schon bald Stammgast. „Meine Wasserkur“, 1886 erschienen, wurde ein weltweiter Bestseller und in siebzehn Sprachen übersetzt. Aus dem „Weberbastl“ wurde ein Weltstar. Ende 1893 ließ sich sogar Papst Leo XIII. von Kneipp behandeln und ernannte ihn zum Päpstlichen Geheimkämmerer. Noch heute kann man in einer Vitrine des örtlichen Museums die grüne Gießkanne aus Zinn bewundern, aus der der Statthalter Gottes seine kalten Güsse erhielt. Immerhin wurde er dann auch dreiundneunzig Jahre alt. Bad Wörishofen blühte auf, Heilsuchende aus ganz Europa kamen her. Adlige, Geschäftsleute und Berühmtheiten brachten Geld in den Ort. Schon im Jahr 1893 zählte Wörishofen dreiunddreißigtausend Kurgäste und mehr als hunderttausend „sonstige Zuläufer und Passanten“, wie es in alten Chroniken heißt.

„Schön durchschnaufen“: Kurort Bad Wörishofen

Die beherrschen bis heute das Straßenbild. Zwischen den Anwendungen schlendert der Kurgast durch die Fußgängerzone, vorbei an der Kneipp-Apotheke und der Kneipp-Buchhandlung, hin zum Stadtbrunnen, bei dem ein überlebensgroßer Sebastian Kneipp das Treiben im Blick hat. Die Schaufenster locken mit Mode, Schmuck und allerlei Krimskrams, im Winter sind Krippen der große Renner. Wer aber vorausschauend an den Frühling denkt, kauft sich vielleicht die „Kneippsandale, handgefertigt“. „Die Freiheit für Ihre Füße“ sieht zwar ausgesprochen schlicht aus, kostet aber beachtliche hundertneunzig Euro. Die Cafés und Bistros sind gut besucht, beim Bäcker steht man Schlange. Zwischen Frühstück und Mittagessen macht sich in der Kurstadt offenbar ein großer Hunger breit. Dabei ermahnt Vater Kneipp vom Plakat herab: „Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zu viel gegessen.“ Das lässt Böses ahnen. Ist Schmalhans unser Küchenmeister?

Beim Trinken besser die Nase zuhalten

Der Speisesaal im Kloster ist einfach und schmucklos. Jeder Gast bekommt seinen Platz zugewiesen, was im ersten Moment befremdlich wirkt, aber Sinn ergibt. Unweigerlich kommt man ins Gespräch mit seinen schicksalhaften Tischnachbarn und erlebt dabei manche Überraschung. Schwester Klaudia neben uns trägt zwar ihre dunkle Ordenskluft, ist aber keine graue Maus, sondern ganz pfiffig am Start. Da sie schon ein paar Tage hier ist, hat sie einen wertvollen Erfahrungsvorsprung. Den Apfel-Rote-Bete-Saft zum Vortisch legt sie uns wärmstens ans Herz, aber Vorsicht, wenn der Smoothie aus Traube und Kohlrabi umgeht. „Da muss man sich die Nase zuhalten beim Trinken“, warnt sie mit einem Augenzwinkern. Wie erwartet, fällt die Speisekarte sehr gesund aus. „Wenig vom Tier“, war Kneipps kulinarische Devise, und so ist jeder Vegetarier hier gut aufgehoben.

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