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: Baba ist der Großvater, Nyonya ist die Oma

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So viel Ming-Porzellan: blau-weiße Teller links, blau-weiße Schalen rechts, dazwischen ein paar Vasen. Echt? Könnte sein. Denn als die Ming-Kaiser in China herrschten, setzten sich schon eine ganze Menge ihrer Untertanen dorthin ...

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          So viel Ming-Porzellan: blau-weiße Teller links, blau-weiße Schalen rechts, dazwischen ein paar Vasen. Echt? Könnte sein. Denn als die Ming-Kaiser in China herrschten, setzten sich schon eine ganze Menge ihrer Untertanen dorthin ab, wo einst Zimt und Pfeffer, Seide und Muskatnuss umgeschlagen wurden. Und wo nun die Auslagen chinesischer Antiquitätenläden die engen Straßen säumen. Die Jonker Straat von Melaka, auch Jalan Hang Jebat, ist voll davon.

          Viele Sprachen für eine Straße - in Melaka gewöhnt man sich rasch daran, dass Überschreibung auf Überschreibung die Stadt geprägt haben. Die Straßenschilder sind malaiisch mit niederländischen Einsprengseln, die Attraktionen sind englisch ausgeschildert - am Eingang zur Altstadt empfängt einen links der Bukit Cina, der Chinesenhügel samt chinesischem Friedhof. Die Straße, nach der chinesischen Prinzessin Hang Li Po benannt, die im fünfzehnten Jahrhundert als fünfte Frau des malaiischen Sultans Mansur nach Melaka kam, führt weiter in Richtung des "Holländischen Platzes", den Gebäude schmücken, die mit ihren geschwungenen Giebeln samt dem als "Stadthuys" beschrifteten Museum ebenso gut in Amsterdam stehen könnten. Weiter oben, auf dem höchsten Hügel, thronen die Ruinen einer von den Portugiesen errichteten katholischen Kirche, in der im sechzehnten Jahrhundert der Missionar Franz Xaver für kurze Zeit begraben war.

          Stolpert man Franz Xavers Hügel abwärts, an der Porta Santiago vorbei, die von den Portugiesen 1511 aus geschleiften Moscheeteilen errichtet wurde, gelangt man zum Nachbau des alten Sultanspalasts, dem Museum für die Geschichte des mächtigen Reichs Melaka, das heute einer der kleinsten Bundesstaaten Malaysias ist. In Strümpfen betritt man den schummrigen Holzbau der Istana, in dem Dioramen mit lebensgroßen Puppen erzählen, wie der Prinz Parameswara 1402 Melaka gegründet hat und zum Islam konvertierte, den er dann von Melaka aus verbreitete. Wie die Herren Hang Jebat und Hang Tuah für Recht und Ehre kämpften. Und wie alle Völker sich in der damals berühmten Handelsstadt an der Straße von Melaka trafen - Chinesen, Inder, Araber, Portugiesen, am Ende Holländer und Briten, mal in guter, oft auch in wenig freundlicher Absicht. Wer Geschichte und solche Geschichten liebt, kann in Malaysia kaum einen besseren Ort finden als Melaka, die älteste Stadt des Landes - auch mit den ältesten Souvenirs. Stunden, selbst Tage kann man hier in schummrigen Antiquitätenläden verbringen, die Möbel aus dunklem Holz, Hausaltäre, Kessel und Orden, Buddhafiguren, Revolver, Parfümflacons, Fächer und mit bunten Steinen garnierte Haarnadeln verkaufen. Und blau-weißes Ming-Porzellan. Die einstigen Porzellanbesitzer haben es nicht schlecht getroffen in Melaka. Zumindest jene, bei denen Ehrgeiz und Glück Hand in Hand gingen - das waren offenbar eine ganze Menge.

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