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München auf Italienisch : Gschichten aus Monaco

Die Münchner Innenstadt ist zum Glück nicht sehr groß, die Spaziergänge durch Renaissance, Barock und Klassizismus sind nicht sehr anstrengend, und so braucht man nicht mehr als zehn Minuten, bis man vor der Kirche St. Michael steht, einem noch monumentaleren Renaissance-Bau, der zwar auf Il Gesù in Rom verweist, die Mutterkirche des Jesuitenordens - der aber weniger Remake als extended version ist; die Münchner Kirche verhält sich zu ihrem römischen Vorbild wie „Mad Max 2“ zu „Mad Max“, dem Original: das gleiche noch mal, nur größer, teurer.

Deutschnationaler und Philhellenist

Es war dann aber Ludwig I., der im frühen neunzehnten Jahrhundert die Ambition spürte, seine Hauptstadt in einen Ort zu verwandeln, der „Teutschland so zur Ehre gereichen soll, dass keiner Teutschland kennt, wenn er nicht München gesehen hat“. Wozu er, der sich als Deutschnationaler und Philhellenist verstand, bei seinen Baumeistern Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner aber am liebsten Kopien florentinischer Renaissancebauten in Auftrag gab. Dass die Feldherrnhalle sehr genau der Loggia dei Lanzi nachempfunden ist, dass der Königsbau der Münchner Residenz eine Kopie des Pallazo Pitti ist, das alles ist hinreichend bekannt - und verblüfft einen doch immer wieder, wenn man die Bilder nebeneinanderhält.

Wie das aber wirklich funktioniert mit Münchens Traum von Italien, und wer dessen schlimmste Feinde sind: das kann man am besten an jenem Bau studieren, den die Leute hier einfach die Residenzpost nennen, obwohl die Post vor langer Zeit ausgezogen ist. Hier, an der Südseite des Max-Joseph-Platzes, gegenüber der Residenz, stand seit der Mitte des 18. Jahrhunderts das Rokoko-Palais der Grafen von Toerring. Ludwig fand die Fassade nicht florentinisch genug, und so blendete Klenze dem Bau eine Säulenhalle vor, welche fast eine Kopie des Ospedale degli Innocenti ist. Das Palais war Münchens Hauptpost, dann gab es allerhand Zwischennutzungen, und am italienischsten war das Gefühl unter den Arkaden des Portals zur Residenzstraße, wo eine Casa del Caffè aufmachte, und drinnen, unter den extrem hohen Decken, wie draußen, unter den Arkaden, waren Stimmung, Licht und Atmosphäre mehr Monaco di Baviera als München: che bella città!

Das Gebäude wurde aber luxussaniert, die Arkaden sind jetzt Teil des Innenraums, und die Fassade, neu gebaut und auf alt und edel geschminkt, ist so hässlich und austauschbar, sie könnte auch in Potsdam stehen oder in Berlin. Versteht sich von selber, dass es hier auch keinen Caffè mehr gibt. Che peccato!

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