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Kreuzfahrt in Asien : Alles sehr lovely am Saigon-Fluss

  • -Aktualisiert am

Metropole der Vertikalen: Es gibt schlimmere Ziele einer Reise als den Hafen von Hongkong mit seiner spektakulären Hochhauskulisse. Bild: ddp Images

Es gibt wohl kaum ein besseres Kontrastprogramm zum trost- und freudlosen deutschen Winter als die Flucht in tropische Breitengrade: Mit der Silver Shadow von Singapur über Vietnam nach Hongkong.

          Was hätten wir alles versäumt ohne dieses Vorprogramm in Singapur oder das Nachprogramm in Hongkong!“, seufzt unsere Sitznachbarin im Flugzeug. Wie wir gehörte sie zu denjenigen, die eine zweiwöchige Kreuzfahrt mit der Silver Shadow durch Südostasien unternahmen. Sie ist, wie viele andere Fernwehgetriebene der Meinung, dass jede Kreuzfahrt unbedingt eines Vor- und Nachprogramms bedürfe - „ein paar Tage vorher, um den fiesen Jetlag loszuwerden, und hinterher noch etwas Zeit im Zielhafen, um sich dem Abschiedsschmerz hingeben zu können“. Die Sitznachbarin schlenderte wie wir die Orchard Road entlang und ergatterte im Kaufhaus „Tang“ einige Schnäppchen. Uns trieb es als Erstes ins Kulturzentrum „Esplanade“, um zu sehen, wer dort was spielt.

          Ein Traum auch für die Crew sei diese Route, schwärmt später unsere Kabinen-Butlerin Amy. Eine Kreuzfahrt quasi nach Hause, kommen doch viele ihrer Kollegen und Kolleginnen aus Thailand oder Vietnam. Ein Traum auch für die knapp vierhundert Passagiere, die diese vierzehntägige Reise mit der Silver Shadow von Singapur über Thailand und Vietnam nach Hongkong gebucht haben.

          Rotwein, Whisky und das pure Glück

          Überhaupt ist dieses Schiff ein gutes Beispiel dafür, dass ein Miteinander verschiedener Kulturen funktionieren kann. 280 Menschen aus 35 Nationen arbeiten auf der Silver Shadow, diesem im Jahre 2000 gebauten Luxusliner der Reederei Silversea, deren Schiffe Italienern gehören, in Florida verwaltet werden und auf den Bahamas registriert sind. Pures Glück waltet allenthalben, und man fragt sich, schlägt sich die spürbare Zufriedenheit und Ausgeglichenheit des Service-Personals nun auf die Stimmung der Gäste nieder oder umgekehrt? Frohsinn bei allen, ohne dass irgendjemand das All-Inclusive-Angebot an Bargetränken schamlos ausnützen würde. Mal einen Whisky hier, einen Rotwein dort sieht man auf den Tischen stehen.

          Selfiemanie: Touristen vor dem Hotel Marina Bay Sands in Singapur.

          Die Sonne versinkt rotgolden im Meer, während sich unser Schiff ruhig auf dem Weg nach Bangkok befindet. Beim Frühstück im Restaurant „Terrazza“ gab sich einer der Gäste als Bewohner einer der Suiten oben auf Deck acht zu erkennen. Er fühle sich wie ein Millionär, sagt er. Lieblingsgetränke im Kühlschrank, High Tea oder Dinner auf dem Balkon, Wäscheservice inkludiert. Thomas, ein ehemaliger Manager aus Köln, und seine Frau Eva sitzen am Heck, schauen aufs Meer, und man merkt ihnen jenes Gefühl von Kontemplation und großer Freiheit an, das all jene irgendwann überkommt, deren Ziel vor allem das Schiff und nicht die Destination ist. Die es genießen, morgens von der Sonne geweckt zu werden und abends Sterne gucken zu können - ohne störende Lichter der urbanen Zivilisation.

          Straßenüberquerung unter Lebensgefahr

          Das Einlaufen in Bangkok ist spektakulär. Vor uns lässt sich die Silhouette der Stadt erahnen, backbordseits ragen auf Stelzen gebaute Häuschen aus dem Wasser, auf den Fähranlegern warten Menschen darauf, zur Arbeit gebracht zu werden. Aus dem Uferdickicht erklingt Vogelgeschrei, lauter als alle Generatoren, Schnellboote und Gabelstapler. An der Anlegestelle im Klong Toey-Port wartet schon der Shuttlebus, der die Gäste in die Stadt bringen wird. Wer nicht kaufwütig ist, besucht den Königspalast, das Sirikit-Museum oder den liegenden Buddha. Wir befolgen einen Rat im Baedeker-Reiseführer: „Fahren Sie vom Palast aus den Chao Phraya-Fluss hinunter und trinken Sie Tee im Mandarin Oriental“, landen dabei irgendwie beim Hotel Shangri La, trinken dort den teuersten Tee unseres Lebens und erholen uns von der abenteuerlichen Fahrt auf einer der hoffnungslos überfüllten Fähren, denn in Thailand begannen gerade die Ferien.

          Wohltuend ist danach der Empfang zurück an Bord. Unsere Butlerin empfängt uns strahlend mit frischem Ingwertee. Wir nehmen Kurs auf das frühere Saigon, das heute Ho-Chi-Minh-Stadt heißt. Nur noch fünfhundert Seemeilen sind wir davon entfernt. Doch zunächst befahren wir den Saigon River. Am Ufer, an dem früher nur Mangroven wuchsen, hat man kilometerlange Hafenanlagen errichtet. Wir sehen Kräne, Container, im Hintergrund einige Hochhäuser. Gewarnt wurden wir vor dem trubeligen Straßenverkehr in Saigon. Stimmt, fast lebensgefährlich ist hier das Überqueren der Straßen.

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