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Vor der Küste Irlands : Möge der Fels mit dir sein

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600 Treppenstufen, ein altes Kloster und ein offenbar seit 30 Jahren auf den Atlantik blickender Luke Skywalker. Bild: INTERFOTO

Auf der Insel Skellig Michael im Atlantik wurde das Finale des neuesten „Star Wars“-Films gedreht. Das könnte alles verändern.

          Papageientaucher, schon wieder. Dass die den Leuten nicht längst zum Hals raushängen. Dass die Fernsehredakteure nicht selbst irgendwann keine Lust mehr auf die haben. Und die Kameraleute sowieso. Liegen stundenlang an einer Klippe auf dem Bauch und lassen sich von den Möwen vollkacken. Bloß um zu filmen, wie so ein Papageientaucher zum Nest zurückkehrt.

          Doch, Gerard Kennedy weiß noch ziemlich genau, was ihm durch den Kopf ging, als die Typen in seinem Pub auftauchten und von der Naturdokumentation erzählten, die sie draußen auf den Skelligs drehen wollten. Auf Englisch heißen Papageientaucher puffins, hier im Südwesten Irlands spricht man das „poffins“ aus, und weil die Fischer die nimmersatten Vögel als Konkurrenten betrachten, sind es immer nur „die verdammten Papageientaucher“, und genau das hat Kennedy damals gedacht: „Feckin’ poffins!“

          Misstrauisch wurde er erst, als das Filmteam plötzlich über hundert Leute stark war. Und dann sei eines Morgens die irische Marine im Hafen aufgekreuzt und habe die Küste zum Sperrgebiet erklärt, und spätestens da sei jedem klar gewesen, dass die Gerüchte stimmten. „Und jetzt warten alle darauf, was passiert. Und ob etwas passiert. Souvenirs haben wir schon.“ Kennedy nickt Richtung Fenster. „Skellig Wars“ steht vorne auf den T-Shirts. Über dem Schriftzug hocken drei gezeichnete Papageientaucher. Einer trägt den Helm von Darth Vader.

          Unzugänglichste frühchristliche Stätte Europas

          Portmagee im County Kerry ist einer jener Orte, wie es sie überall an der zerfransten Südwestküste Irlands gibt: drei, vier Handvoll Hutzelputzelhäuschen in Bonbonfarben, ein Lebensmittelladen, zwei Pubs und eine Reihe Feriencottages für die deutsche Goretex-Klientel, die abends am Tresen über Seelenheimat und Craft Beer schwadroniert. Im Hafenbecken knarzen Fischkutter; auf den Hummerfallen hocken Möwen, die jedem Passanten finster hinterherstarren. Dass Portmagee überhaupt in den Reiseführern erwähnt wird, liegt an der Insel, die zwölf Kilometer vor der Küste pyramidenförmig aus dem Atlantik ragt. Skellig Michael zählt zu den unzugänglichsten frühchristlichen Stätten Europas.

          Irgendwann im sechsten oder siebten Jahrhundert haben sich Mönche auf diesen Felsen im Meer zurückgezogen. Sie trotzten Sturm und Regen, sie beteten und meditierten und hämmerten nach und nach fast 600 Treppenstufen in den nackten Fels, an deren Ende sie dann ein einfaches Kloster errichteten. Möglicherweise gibt es auf dem Planeten keinen dramatischeren Rückzugsort als Skellig Michael. Zumindest müssen sich das die „Krieg der Sterne“-Macher gedacht haben, als sie beschlossen, die Insel als Drehort zu nutzen und den alten Haudegen Luke Skywalker hier vor den dunklen Mächten zu verstecken. Deswegen kann man Skellig Michael jetzt also im aktuellen „Star Wars“ bewundern, TeilVII, „Das Erwachen der Macht“. Deswegen ist in Portmagee möglicherweise bald nichts mehr so, wie es einmal war.

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