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Auf Gorilla-Suche in Kongo : Der Dschungel als Droge

  • -Aktualisiert am
Ein bisschen Luxus kann nie schaden: Auf der Terrasse des Ngaga Camp erzählt man sich seine Safari-Erlebnisse in stilvollem Ambiente.

Außer ihm sitzen hier noch mindestens vier weitere Familienmitglieder in der Baumkrone. Es wird gerupft, gelutscht, mit Ästen um sich geworfen. Es ist beeindruckend, rührend und vor allem: ganz unverhofft komisch. Irgendwann gibt Rock ein Zeichen, es sei Zeit zu gehen. „Ils veulent descendre“, sagt er und führt uns wieder in den Wald. Was für ein Erlebnis! Noch kurz bevor wir gehen mussten, konnten wir beobachten, wie ein Junges sich an seiner Mutter festkrallte und den Baum runtergerutscht kam. Wenn sie das tun, sehen sie besonders lustig aus, wie grimmig dreinschauende Feuerwehrmänner in haarigen Kostümen. Ob wir noch weiter wollen, fragt Rock. Natürlich. Mit einem gewissen Abstand folgen wir der Gruppe jetzt durch zweieinhalb Meter hohes Gebüsch. Woher er weiß, welchen Weg sie gehen, das kann selbst Peter nicht erklären, denn zumindest wir können sie weder hören noch ihre Spuren erkennen. Höchstens riechen kann man sie, ihr Schweißgeruch ist nasenbetäubend. Nach über einer Stunde im dichtesten Grün zweifle ich daran, dass wir hier jemals wieder rausfinden, und als ich gerade beginne, ernsthaft klaustrophobisch zu werden, gibt Rock ein Zeichen. Wir sollen jetzt wirklich sehr ruhig sein. Unsere Gorillas sind da, höchstens zehn Meter entfernt. Wie Freundinnen am Spielplatz sitzen die Weibchen mit ihren Babys im Gras herum und schauen gelangweilt in die Luft. Ein anderes gräbt mit halbem Körper unter der Erde, den Po in die Luft gestreckt, eifrig nach Wurzeln, eines ihrer liebsten Nahrungsmittel.

Auf einmal herrscht tierische Aufregung

Der Silberrücken wacht dick und breit im Gebüsch. „Er ist ihr Bodyguard“, sagt Rock und kichert leise. Das hier ist, so wird uns vergewissert, ein sehr seltener Anblick. Eine ganze Gorillafamilie im Wurzelfeld. Die Kleinen schielen neugierig zu uns rüber, die Weibchen beobachten uns kritisch aus ihren schwarzen Augenwinkeln und tun zugleich so, als würden sie uns gar nicht bemerken. Irgendwann stören wir dann aber doch: Ein mittelgroßer Gorilla kommt aus einer Ecke geschossen, als würde er plötzlich auf die Bühne treten, und beginnt sich schreiend auf allen vieren im Kreis zu drehen. UH-UH-UH-UH. Auf einmal herrscht tierische Aufregung. Die Gruppe, die eben noch so entspannt herumsaß, rennt jetzt wild durcheinander, die Damen klopfen sich ungraziös auf die Brust. Halbmotiviert steht jetzt auch der Silberrücken auf und lässt einen lauten Schrei ertönen. War das jetzt ein Freudentanz? Ist das gut? „Das ist eine Warnung“, sagt Peter, „sie signalisieren ihm damit, dass wir sie nerven. Wir sollten lieber gehen.“ Leise ziehen wir ab, zurück ins Gebüsch. Bis zum Camp sind es weitere drei Stunden. Der Rückweg führt von den Tieren zurück zum Menschen: Peter erklärt, welcher Baum für die einheimische Bevölkerung welche Bedeutung hat; zum Beispiel an welchen untreue Frauen angebunden werden (um dann von Ameisen zerbissen zu werden!), welcher die Potenz steigern, welcher die Fruchtbarkeit erhöhen und welcher heilende Kräfte besitzen soll. Zurück im Camp, erzählen Jane und Peter von ihrem Erlebnis bei der Gorillagruppe Jupiter, die Besucher mit den größten Kameras vergleichen ihre Aufnahmen. Die Sonne steht jetzt weit oben am Himmel. Es ist erst Mittag, fühlt sich aber an, als wären zwei Tage vergangen. In dieser Nacht werde ich zum ersten Mal und für die nächsten fünf Tage ruhig schlafen.

Der Weg nach Kongo

Anreise: Am besten ab Frankfurt mit Air France über Paris nach Brazzaville (ca. 1200 Euro). Die günstigere, aber längere Variante mit Emirates über Dubai bis Brazzaville kostet um die 900 Euro.

Ebola: In der Republik Kongo ist das Virus noch nicht aufgetreten. Ebola-Fälle gab es allerdings in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo. Im Distrikt Jera in der Provinz Équateur sollen bis zu 13 Menschen an dem Virus gestorben sein. „Die Regierung“, so das Auswärtige Amt, „geht davon aus, dass eine Ausbreitung der Krankheit über die Distriktgrenzen verhindert werden kann.“ Mehr unter www.auswaertiges-amt.de.

Safari Wilderness: Safaris bietet eine sechstägige Reise im Odzala-Kokoua-Nationalpark an: Nach einer Nacht in Brazzaville verbringt man die ersten drei Tage mit Gorilla-Watching im Ngaga Camp, dann drei Tage im vier Stunden entfernten Lango Camp, wo man Waldelefanten beobachten kann. Die Wanderungen in Lango sind anspruchsvoller als in Ngaga. Die Reise kann über Venter Tours gebucht werden und kostet inkl. Flug, Übernachtungen und Verpflegung ab 7995 Euro pro Person: www.ventertours.de.

Literatur: Joseph Conrad: „Herz der Finsternis“. Diogenes, 9,90 Euro Diese Reise wurde unterstützt von Wilderness Safaris / Venter Tours.

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