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Auf Gorilla-Suche in Kongo : Der Dschungel als Droge

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Um jetzt mit eigenen Augen zu erfahren, wie ähnlich diese Tiere uns wirklich sind, wird erst einmal gelaufen. Mit der Machete bahnt uns Rock einen Weg durch den Busch. Peter folgt ihm mit einer kleinen Gartenschere. Auf der Suche nach den Menschenaffen gibt es einige Regeln zu beachten: Eine Gruppe darf aus maximal fünf Leuten bestehen - einem Tracker, einem Guide, drei Besuchern. Auf dem Weg zu ihnen bleibt man dicht zusammen und schweigt. Sobald man sich ihnen nähert, setzt man einen Mundschutz und ein Haarnetz auf, um sie vor unseren Viren (wegen der verwandten DNA können sie sich leicht anstecken) und uns vor ihren Schweißfliegenschwärmen zu schützen. Und schließlich sollte man eine Distanz von etwa zehn Metern wahren, weil die spanische Primatologin Magdalena Bermejo, um deren Forscherteam das ganze Camp überhaupt erst entstanden ist, sie nicht zu sehr an Menschen gewöhnen möchte.

Wehe, wenn Flachlandgorillas frühstücken

Möglichst wenig bewegen ist auch immer ein guter Rat, wenn man einen Zweikampf mit einem 180 Kilo schweren Männchen vermeiden möchte. Was tun, wenn der Silberrücken doch plötzlich auf mich zurennt? „Dann solltest du dich unter gar keinen Umständen bewegen und bloß nicht schreien“, sagt Peter und erzählt, wie Neptuno vor einigen Tagen auf ihn losging, weil eines seiner Weibchen ihn mit ihrem hysterischen Auf-die-Brust-Trommeln dazu genötigt hatte, vor diesen Fremden seinen „Mann“ zu stehen. Zum Glück hielt sich die eigene Lust an der Konfrontation in Grenzen, so dass er kurz vor Peters zitterndem Körper anhielt und in das nahe gelegene Gebüsch verschwand. Mit solchen geflüsterten Geschichten laufen wir tiefer in den Wald. Je weiter wir kommen, umso euphorischer werde ich. Das gebrochene Licht, die modrigen Gerüche, die unendlichen Nuancen von Grün, die kunstvoll geschwungenen Formen, die Geräusche, diese ganze unglaubliche, bis zur letzten Blattspitze so perfekt durchdachte Natur, die Wucht, mit der dieser Wald die Sinne überflutet, sie reicht aus. Selbst wenn wir nie einem Gorilla begegnen würden, der Weg hätte sich gelohnt. Dann hält Rock auf einmal an. „Restez ici! Ils sont là!“ Während wir vorsichtig unseren Mundschutz auspacken, läuft er verschiedene Wege ab. Er winkt uns zu, wir sollen kommen. „Là haut!“, flüstert er und zeigt auf einen Baum in der Mitte einer Lichtung. Peter reicht mir sein Fernglas: „You see him? Right there!“ Tatsächlich. Wie ein britischer Lord im Salon hockt dort oben auf dem Ast ein junges Gorillamännchen - etwas nach hinten gelehnt, ein Bein ausgestreckt, eins nach unten hängend. Mit ernster Miene rupft er ein paar Astbüschel aus und führt den bewachsenen Teil, als würde er gerade etwas wahnsinnig Elegantes tun, mit einer nonchalanten Bewegung zu seinem breiten Mund. Plop-plop-plop - die Beeren kullern in seinen Hals. Sind die Früchte ausgelutscht, wirft er den gesamten Ast ohne Rücksicht auf Bodentiere einfach zehn Meter in die Tiefe. Merke: Stelle dich niemals unter einen Baum, auf dem Flachlandgorillas frühstücken!

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