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Auf Gorilla-Suche in Kongo : Der Dschungel als Droge

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Die finale Entdeckungsreise

Um fünf Uhr identifiziere ich endlich eindeutige Schritte. Es ist Peter. Mit einer Leuchte am Kopf und einem Kaffee in der Hand steht er vor meinem Moskitonetz. Ich soll mich beeilen, wir wollen bald los. Peter ist 27, so alt wie ich, und kommt aus Sambia. Als ich ihm von meinem Nachtwahn erzähle, muss er lachen: „You city girl! It’s the jungle fever!“ Im Morgengrauen laufen wir durch das Gebüsch die dreihundert Meter hoch zur offenen Gemeinschafts-Lodge. Das ältere Paar aus Australien sitzt schon am großen Holztisch und frühstückt sich fit für die Gorilla-Tour. Sie, mit dem passenden Namen Jane, ist ganz aufgeregt, seit Jahren träumt sie davon, einmal einem Flachlandgorilla in die Augen zu sehen.

Ihr Mann Peter folgt ihr gutmütig in der Begeisterung. Safaritechnisch haben sie fast alles gesehen, was es zu sehen gibt, trotzdem ist Kongo für beide so etwas wie die finale Entdeckung, das letzte Puzzlestück. Dass ich mein Afrika-Puzzle hier beginne, finden sie verrückt. Ich finde es sinnvoll. Zumindest sinnvoller, als mich stundenlang in einen Jeep zu setzen und Tiere durch die Savanne zu verfolgen. Denn „game ride“, wie es in Safarisprache heißt, gibt es hier nicht. „Serious walk“ wäre die bessere Bezeichnung. Geführt von einem zum Tracker umerzogenen Jäger, läuft, kriecht, windet man sich hier stundenlang durch dichten Wald und saftig grünes, mannshohes Gebüsch, man steigt über autobreite Baumstämme, durchquert kleine Flüsse und hält bei alldem trotz drückender Müdigkeit die Augen weit offen - man möchte ja nicht auf eine Gabunviper, eine der giftigsten Schlangen überhaupt, treten (wobei es heißt, sie komme erst beim dritten Tritt in Angriffsstimmung).

Ein pragmatisches Verhältnis zur Treue

Wie lang der Tag wird, das weiß jetzt, wo der Dunst langsam in die Baumkronen aufsteigt, noch keiner. Denn anders als die ostafrikanischen Berggorillas, die sich wenig bewegen und deshalb relativ zuverlässig zu finden sind, ziehen westliche Flachlandgorillas immer weiter. Auf der Suche nach der köstlichsten Frucht und den knackigsten Termiten setzen sie sich innerhalb eines weit gefassten Gebiets jeden Morgen ab sechs Uhr früh in Bewegung. Ihr Blätternest machen sie jeden Abend neu. Dementsprechend lang und beschwerlich kann die Suche nach ihnen sein und im schlimmsten Fall auch ohne Tête-à-tête enden. Erst vor zwei Tagen musste Peter mit einer Gruppe sieben Stunden in den Wald laufen, weil Neptuno, der Silberrücken, sich mit seiner Familie so weit entfernt hatte. „Zurzeit ist ein jüngerer Silberrücken in der Gegend, Neptuno hat wahrscheinlich Angst, er könnte ihm seine Weibchen ausspannen.“ Tatsächlich pflegen Gorillaweibchen ein pragmatisches Verhältnis zur Treue. Kommt ein jüngeres, dickeres, mit längerem Grauschweif am Rücken ausgerüstetes Männchen, also eines, das besser für sie sorgen und sie besser verteidigen kann, kann es passieren, dass es seine Jungen einpackt und sich seiner Gruppe anschließt. Im Grunde recht menschlich, es soll ja auch bei uns noch Frauen geben, die so pokern.

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