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Auf dem Naturistenweg : Vom Anblick nackter Menschen

  • -Aktualisiert am

Wenn die Steine pieksen, darf man auch mal Schuhe tragen. Doch der echte Purist trägt nur Rucksack, sonst nichts. Bild: Andreas Schlüter

Reformpädagogik und schlüpfrige Magazine: Es gab eine Zeit, da war die Lüneburger Heide Zentrum der Freikörperkultur – und wer sich traut, geht dort noch heute hüllenlos wandern. Ein Selbstversuch.

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          Die erste Viertelstunde ist wie ein Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt, weil es eben kein Traum ist, sondern schlicht das Peinlichste, das ich je erlebt habe. Ich stehe splitterfasernackt, nur mit Turnschuhen bekleidet, auf einem kleinen Parkplatz, irgendwo zwischen den Dörfern Wesel und Wehlen in der Lüneburger Heide. Eine frühherbstliche Sonne leuchtet mild, und in der Ferne ist violett blühendes Heidekraut zu sehen. Immerhin das. Dann erscheint ein Herr mittleren Alters, der von einem lebhaften Hund an der Leine in den vor mir liegenden Wald hineingezerrt wird. Der Hund wirkt sehr angezogen, und der Mann ist sehr nackt. „Guten Tag“, grüßt er im Vorbeigehen freundlich und verschwindet dann zwischen den Bäumen.

          Hier beginnt der Undeloher Naturistenweg, ein 2012 eröffneter offizieller Nacktwanderweg. Ich versuche mich zu beruhigen und an die Lebensreformerin und Dichterin Therese Mülhause Vogeler zu denken, die 1930 in der Naturistenzeitschrift „Lachendes Leben“ so schön schrieb: „Wir ließen das Dorf hinter uns und schritten in den Morgen, mit unbeschwertem Herzen, sonnenselig, wanderfroh.“

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